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Smarte Ladegeräte von VW

Das neue Unternehmen Elli soll für die passende Ladeinfrastruktur zum Start der E-Auto-Initiative des Herstellers sorgen.

(Foto: Volkswagen AG)

Elektromobilität VW greift mit Konzerntochter „Elli“ auf dem Strommarkt an

Seit Kurzem hat der Autobauer eine eigene Ökostromtochter. Die soll im Bereich Elektromobilität für Fortschritt sorgen. Doch „Elli“ will noch mehr.
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DüsseldorfLange haben Autobauer wie Volkswagen das Thema Elektromobilität vernachlässigt. Aber jetzt geht der Wolfsburger Konzern gleich einen großen Schritt nach vorne – und gründet eine eigene Ökostromtochter.

Das neue Unternehmen Elli (Kurzform für Electric Life) soll nicht nur für die passende Ladeinfrastruktur zum Start der E-Auto-Initiative des Herstellers sorgen, sondern gleichzeitig zur Alternative für RWE, Eon und Co. werden. „Hier entstehen Marktchancen“, erklärt Elli-CEO Thorsten Nicklass. Und genau die wolle man nutzen.

Ab Anfang Februar kann jeder, ob VW-Kunde oder nicht, Grünstrom bei Elli kaufen. Dazu soll im Laufe des Jahres schrittweise ein Portfolio aus intelligenten Stromtarifen, Wandladestationen und Ladesäulen sowie einem IT-basierten Energie-Management-System aufgebaut werden.

„In der alten Stromwelt gab es eine klare Kette: Erzeugung, Transport, Verteilung, Handel, Vertrieb. In der neuen dezentralen Energiewelt, mit einem signifikanten Anteil von Elektromobilität im Straßenverkehr, werden diese Rollen anders verteilt“, erklärt Nicklass das ambitionierte Vorhaben.

VW wolle ein Angebot schaffen, das „sämtliche Energiefragen von E-Auto-Nutzern und -Flottenbetreibern verlässlich beantwortet“, sagt der ehemalige Leiter des Joint Ventures Digital Energy Solutions.

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Volkswagen erhofft sich, mit dem neuen Unternehmen die passende Infrastruktur vorzuhalten, wenn der Konzern wie geplant vom nächsten Jahr an seine reinen Elektroautos in großer Stückzahl auf den Markt bringen will. Lademöglichkeiten sieht Volkswagen zu Hause, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum in den Städten und entlang der wichtigsten Hauptverkehrsrouten.

Dazu gehört nach Angaben des Unternehmens der Ausbau von Ladepunkten an Volkswagen-eigenen Mitarbeiter-Parkplätzen von derzeit 1000 auf mehr als 5000 bis 2020 und die Ausrüstung aller 4000 VW-Händler und Servicepartner in der EU mit mehreren Lademöglichkeiten. Elli führt zudem aktuell Gespräche über Kooperationen zur Einrichtung von Ladepunkten auf Kundenparkplätzen großer Filialketten.

Neue Geschäftsmodelle überfällig

Für Autoexperte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach, ein notwendiger und überfälliger Schritt. „Automobilhersteller werden immer mehr zu Mobilitätsdienstleistern“, erklärt er.

So schlossen BMW und Daimler vor Kurzem ihre Carsharing-Angebote DriveNow und Car2Go zu einer großen Plattform zusammen, zu der auch Dienste wie MyTaxi oder die Buchungsplattform Moovel gehören. „Autokonzerne versuchen, ihre Kunden länger im eigenen Ökosystem zu halten“, erklärt der Experte. Die Frage sei aber natürlich, ob VW die Kompetenzen habe, auch als Stromanbieter erfolgreich zu sein.

Für den Ökostromverkauf solle Energie aus Wasserkraftwerken und Windparks genutzt werden, die VW teils selbst erzeuge – bei Bedarf aber durch Zukäufe ergänzt werden könnten. „Die Stromversorgung ist ein zentraler Baustein des E-Mobilitätssystems. Deswegen haben wir nicht nur die Motivation, Ökostromanbieter zu werden, sondern Kunden komplette Lösungen rund um das elektrische Fahren zu offerieren“, sagt Nicklass.

Etablierte Versorger wie Eon, Innogy, EWE oder EnBW begrüßen zwar die Initiative rund um den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland. So zeige „die Entscheidung von VW, dass das Thema Elektromobilität ganz offensichtlich jetzt auch von Autobauerseite ernst genommen wird“, kommentiert EWE-Chef Stefan Dohler die Ankündigung. Aber das, was VW mit seiner Tochterfirma plane, sei bei EWE schon lange Realität.

Man freue sich über den „zusätzlichen Schub für die Akzeptanz der Elektromobilität“, sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Energieversorgers EnBW dem Handelsblatt. „Der Elektromobilitätsmarkt befindet sich in einer Phase, in der unterschiedliche Akteure auf verschiedenen Ebenen Investitionen tätigen und Innovationen einführen“, und diesen Markt beobachte man aufmerksam.

VW will nahtloses Ladesystem

Auch Innogy-E-Mobility-Chefin Elke Temme äußerte sich zurückhaltend, was die vermeintlich neue Konkurrenz auf dem Strommarkt angeht. „Es wird gerade viel auf dem Markt ausprobiert, es gibt viele Ideen“, sagt Temme. Aber am Ende müsse der Kunde entscheiden, von wem er seinen Strom beziehe. Und auch andere Marktteilnehmer zeigen sich eher skeptisch, schließlich hätten sich Autobauer schon des Öfteren zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Auch für VW ist es nicht der erste Vorstoß im Grünstromsegment. Bereits 2009 versuchte sich der Autobauer in einer Gemeinschaftsaktion mit dem Ökoenergieanbieter Lichtblick, an dem Bau und Vertrieb von Blockheizkraftwerken für den Heimkeller. Das Projekt „Zuhause-Kraftwerk“ wurde allerdings nach Differenzen zwischen beiden Partnern im Frühjahr 2014 eingestellt.

Zeitweise wurden die von VW gebauten Mini-Kraftwerke zwar noch in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SenerTec vertrieben. Mittlerweile ist die Produktion allerdings komplett eingestellt. Und die groß angekündigte Revolution, Tausende von Verbrauchern weitgehend von den etablierten Stromversorgern zu emanzipieren, ist auch ausgeblieben.

„Der Konzern hat mit der VW Kraftwerk GmbH eigene Energiekompetenz im Haus – wir verfügen damit bereits über umfangreiches Wissen in der Energiewirtschaft, neben der Fahrzeugtechnik“, erklärt Elli-CEO Nicklass. Das wolle man nutzen.

Die Tochtergesellschaft VW Kraftwerk versorgt die Werke des Autobauers mit Strom – allerdings auch in Kooperation mit etablierten Energieversorgern. Genau das sei auch der Weg, den man mit Elli gehen müsse, wenn VW auf dem Strommarkt Erfolg haben will, sagt Bratzel. „Alleine wird VW das nicht hinbekommen“, warnt er. Über eine mögliche Zusammenarbeit wollte sich Nicklass allerdings noch nicht äußern.

Später soll das Angebot um eine Kundenkarte ergänzt werden, mit der Kunden Strom für E-Autos an Ladesäulen zapfen können. Volkswagen will damit ein nahtloses Ladesystem schaffen.

Das neue Angebot will der Konzern europaweit bereitstellen. „Energieversorgung und Autobau waren bisher klar voneinander abgrenzbar“, sagt Nicklass. „Diese Grenzen werden nun durchlässiger.“ Deswegen ergebe es Sinn, dass sich VW mit Elli dem Thema der Elektromobilität aus einer ganzheitlichen Perspektive widme.

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