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Elektromobilität Wie CATL zur globalen Nummer eins bei Batterien wurde – mit deutscher Hilfe

In zehn Jahren ist das Unternehmen aus China zum Weltmarktführer bei Batterien für Elektroautos aufgestiegen. VW hat dabei einen maßgeblichen Einfluss.
26.12.2020 - 13:57 Uhr 2 Kommentare
Der Autokonzern vertieft seine Beziehungen zum chinesischen Batteriehersteller CATL. Quelle: dpa
VW-Elektroautos

Der Autokonzern vertieft seine Beziehungen zum chinesischen Batteriehersteller CATL.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Vor gut zehn Jahren war Robin Zeng eigentlich recht zufrieden. Sein Unternehmen ATL machte vergleichsweise ordentliche Geschäfte und verkaufte Lithium-Ionen-Batterien an Handy- und Computerhersteller. Mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 250 Millionen US-Dollar war ATL ein normales mittelständisches Unternehmen in China.

Ein Jahrzehnt später ist daraus ein multinationaler Konzern geworden: Bei einem Umsatz von umgerechnet fast sieben Milliarden Dollar steht ein operativer Gewinn von fast 900 Millionen Dollar im vergangenen Jahr in den Büchern, was eine stattliche operative Rendite von 12,4 Prozent bedeutet. Knapp 30.000 Menschen arbeiten für den Konzern – nicht mehr nur in China, sondern in stark wachsender Zahl auch bald in Deutschland.

2011 war das Wendejahr für den heute 52-jährigen Unternehmensgründer Zeng. Zunächst gab er seiner Firma einen neuen Namen: Aus ATL wurde CATL. Viel wesentlicher war allerdings die strategische Neuausrichtung. Zeng entschied sich, in das vergleichsweise neue Geschäft mit Batteriezellen für Elektroautos einzusteigen.

Diese Entscheidung hat sich ausgezahlt. Heute ist CATL der weltweit größte Batteriehersteller für E-Fahrzeuge. „Für viele unserer Konkurrenten sind Autobatterien meistens nur eines von mehreren Geschäftsfeldern. Doch bei uns dreht sich alles um diese Batterien, wir müssen die Besten auf diesem Feld sein“, sagt Robin Zeng über sein Unternehmen. CATL investiere jährlich eine halbe Milliarde Dollar in Forschung und Entwicklung, 2000 Patente entstünden jedes Jahr.

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    Als Hersteller von Batteriezellen für Elektroautos war CATL zunächst auf dem Heimatmarkt groß geworden und stieg beinahe aus dem Nichts zum Marktführer auf. Daran hatte auch die chinesische Regierung einen wesentlichen Anteil. Denn sie drängte darauf, dass in- und ausländische Autohersteller ihre neuen Autobatterien vor allem bei CATL einkauften.

    Unternehmen aus Asien dominieren den Markt

    Auch deutsche Konzerne wie Daimler und BMW sträubten sich anfangs. Doch mit Blick auf die guten Absatzchancen in China gaben sie dem Druck nach und bestellten ihre Batterien auch bei CATL. 2019 ist der Marktanteil in China auf mehr als 51 Prozent angewachsen, wie aus Angaben des chinesischen Branchenverbandes CIAPS hervorgeht.

    Heute sträubt sich niemand mehr gegen die hervorgehobene Rolle von chinesischen Batterieherstellern. „China kommt auf eine Schlüsselposition in diesem Markt“, sagte kürzlich Hubertus Troska, China-Vorstand des Daimler-Konzerns.

    CATL ist der größte Batteriehersteller der Welt. Im vergangenen Jahr produzierte der chinesische Konzern Batteriezellen mit einer Energiemenge von 32,5 Gigawattstunden (GWh). Auf Platz zwei und mit deutlichem Abstand folgte Panasonic aus Japan. US-amerikanische und europäische Batteriehersteller tauchen unter den Top Ten überhaupt nicht auf. Es dominieren Unternehmen aus Asien.

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    Mit den weltweit stark wachsenden Verkaufszahlen von Elektroautos will CATL seine eigenen Batteriekapazitäten weiter massiv ausbauen. Im nächsten Jahr soll die Kapazität schon auf 230 GWh angewachsen sein. Für 2025 sind sogar 1200 GWh geplant, wie aus aktuellen CATL-Planungen hervorgeht. Zudem will der Konzern auch stärker aus dem chinesischen Heimatmarkt herausgehen. CATL plant eine Expansion nach Japan, Indonesien, in die USA und nach Europa.

    Deutschland spielt die Schlüsselrolle für den europäischen Markt. Der chinesische Batteriehersteller hat im Oktober vergangenen Jahres mit dem Bau seiner deutschen Fabrik in Erfurt begonnen. Zunächst waren Investitionen in Höhe von 240 Millionen Euro geplant, später hieß es dann aber, dass in den nächsten fünf Jahren bis zu 1,8 Milliarden Euro aufgewendet werden sollen.

    Mittelfristig wird die Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien voraussichtlich 2000 Mitarbeiter beschäftigen. Zu den Abnehmern gehört beispielsweise auch BMW. 2022 soll die Serienfertigung starten. Mit der vergrößerten Kapazität reagiert CATL auf die auch in Europa stark wachsende Nachfrage. Mit dem „Green Deal“ der EU und der damit verbundenen Verschärfung der Emissions- und Klimaziele werden mehr Elektroautos nötig – und damit natürlich auch mehr Batteriezellen.

    VW ist ein wichtiger Kunde

    CATL will auch künftig nicht nur mit schierer Größe, sondern auch mit anspruchsvoller Technologie überzeugen. Alle Batteriehersteller wollen gleichermaßen die Produktionskosten senken. Als Zielmarke gelten 100 Dollar pro Kilowattstunde. Aktuell sind es noch gut 120 Dollar.

    Schon im nächsten Jahr könnte die Grenze fallen – möglicherweise bei CATL. Der chinesische Hersteller versucht beispielsweise, preiswertere Rohstoffe einzusetzen. Ein möglicher Abnehmer für diese neuen Batteriezellen ist der US-Autohersteller Tesla.

    Die Chinesen wollen auch die Reichweite der Batterien entscheidend steigern. Zudem sollen die Ladezeiten kürzer werden, was für den Fahrer von Elektroautos mehr Komfort bedeuten würde. CATL arbeitet außerdem an einer Batterie mit extrem langer Lebensdauer: 16 Jahre oder zwei Millionen gefahrene Kilometer sollen künftige Batteriegenerationen im Einsatz sein.

    Ein wichtiger Kunde für CATL ist der Volkswagen-Konzern. Schon heute bezieht der Wolfsburger Hersteller seine Batteriezellen für eine ganze Reihe von Fahrzeugen beim Weltmarktführer. Besondere Bedeutung besitzen dabei die ID-Modelle, die ersten ausschließlich für den Elektroantrieb entwickelten VW-Modelle.

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    Beide Konzerne wollen ihre Zusammenarbeit künftig noch stärker ausbauen. Von den bei CATL für 2025 geplanten 1200 GWh sollen 77 GWh auf den VW-Konzern entfallen, also knapp 6,5 Prozent. In diesem Jahr liegt der VW-Anteil noch bei rund 2,2 Prozent.

    Die intensivere Zusammenarbeit dürfte auch auf den vergleichsweise engen persönlichen Kontakt zwischen CATL-Gründer Zeng und Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess zurückgehen. Beide kennen sich schon seit etwa zehn Jahren.

    2010 besuchte Diess, damals noch Einkaufsvorstand bei BMW, den kleinen chinesischen Batteriehersteller ATL. Der Automanager machte Zeng deutlich, dass er doch besser Batterien für Elektroautos produzieren sollte, einen wachsenden Zukunftsmarkt mit großer Bedeutung. „Ich brauche Autobatterien“, sagte Diess damals.

    Doch Zeng habe anfangs nur gelacht und gesagt, er könne das nicht, erinnert sich der VW-Chef heute. Zeng habe später dann doch den Einstieg in das neue Geschäft gewagt. Mit der Umbenennung des Unternehmens ging es los. „Herr Diess hat unser Unternehmen in das Geschäft mit Autobatterien gebracht. Dafür bin ich ihm dankbar“, sagt Zeng heute über die Begegnung vor zehn Jahren.

    Ohne den großen chinesischen Batteriehersteller könnte es den Aufschwung bei Elektroautos nicht geben. Quelle: BMW
    Ein BMW-Modell mit CATL-Werbung

    Ohne den großen chinesischen Batteriehersteller könnte es den Aufschwung bei Elektroautos nicht geben.

    (Foto: BMW)

    Für Herbert Diess ist CATL ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass der Einstieg in die Zellfertigung ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann. Der chinesische Hersteller stelle keine einfache Massenware her, sondern technisch anspruchsvolle Produkte mit vergleichsweise hoher Rendite.

    Diess hatte große deutsche Autozulieferer in der Vergangenheit immer wieder dazu aufgefordert, in das aus seiner Sicht lukrative Geschäft mit Autobatterien einzusteigen. „Wir sind heute erst am Anfang, was den Ausbau der Batteriekapazitäten angeht“, so Diess.

    In China hat CATL immerhin auf den heutigen VW-Chef gehört. In Deutschland sind seine Rufe bislang vergeblich geblieben. Bosch, Continental, ZF – niemand hat den Einstieg ins Batteriegeschäft gewagt. Volkswagen hingegen schon: 2024 soll die Zellproduktion im niedersächsischen Salzgitter beginnen.

    Mehr: VW eröffnet Pilotanlage zur Produktion von Batteriezellen – Kritiker sehen unnötige Risiken.

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    2 Kommentare zu "Elektromobilität: Wie CATL zur globalen Nummer eins bei Batterien wurde – mit deutscher Hilfe"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Jobst Deterding ja, da haben Sie recht, aber Zumindest soll ja eine neue Gigafactory von Tesla nach Deutschland kommen. Schade dass in dem Bericht nicht die Batterieproduktion von Tesla erwähnt wird. Ich gehe davon aus das Tesla durchaus den 1. Platz streitig machen könnte. Die Gigafactory in Deutschland soll wohl zu Beginn 100 GWh pro Jahr produzieren.

    • Wie so häufig sind uns chinesische bzw. amerikanische Firmen immer einen Schriit voraus bei Zukunftstechnologien, dies schon in der Vergangenheit.

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