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Elektrooffensive Der neue Audi-Chef Schot sucht die Konfrontation mit Tesla

Der Interims-CEO will kein Übergangskandidat sein – und unterstreicht seinen Anspruch mit einer symbolträchtigen Entscheidung.
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Audi: Der neue CEO Bram Schot sucht die Konfrontation mit Tesla Quelle: AFP
Bram Schot

Audis Interimschef mag schnelle Entscheidungen.

(Foto: AFP)

Frankfurt, München Die Präsentation des Audi „Etron“ sollte die Galavorstellung für Rupert Stadler werden. Noch vor den Konkurrenten BMW und Daimler wollte die Volkswagen-Tochter ihr Elektrofahrzeug auf der Bühne haben.

Als Kulisse hatte Stadler das Werk in Brüssel auserkoren, wo das zwei Tonnen schwere Prachtstück nach der Sommerpause auch gebaut wird. Endlich wieder führend bei Design und Technologie, das sollte die Botschaft sein. Die Einladungen für den 30. August waren bereits verschickt, aber jetzt muss die Party in der belgischen Hauptstadt ausfallen.

Denn Rupert Stadler sitzt seit Anfang vergangener Woche wegen seiner Verstrickung in der Abgasaffäre in Untersuchungshaft. Und sein kommissarischer Nachfolger, Vertriebsvorstand Bram Schot, hat die Pläne für den „Etron“ kurzerhand kassiert. Statt nach Brüssel geht die Reise jetzt Mitte September nach Kalifornien.

Direkt im Vorgarten des Elektropioniers Tesla soll der Audi-Stromer seine Premiere haben. Das sei auch als Kampfansage an den neuen Konkurrenten gedacht, hieß es in Konzernkreisen. Die Verschiebung sei nötig geworden, weil sich die Veranstaltung kurzfristig nicht organisieren lassen. „In Kalifornien wollen wir es krachen lassen, für den Aufschlag brauchen wir etwas mehr Zeit“, heißt es in Ingolstadt.

Erstaunlich schnell setzt der Niederländer Schot in Ingolstadt seine Zeichen – und eine PR-Attacke auf Tesla kommt ihm gerade recht. Das von Elon Musk gegründete Unternehmen hat Audi vor sich hergetrieben und den einst von Audi erfundenen Anspruch „Vorsprung durch Technik“ für sich entdeckt.

Während Audi ebenso wie BMW und Daimler lieber den Diesel optimierte, positionierte sich Tesla mit seinen Stromantrieben als Alternative. In Skandinavien, den Niederlanden und Kalifornien hat Tesla den Deutschen empfindlich Marktanteile abgenommen, die schwere Stromlimousine „Model S“ triumphiert über S-Klasse, 7er und Audis A8.

Elektro statt Diesel

Doch der Nimbus bröckelt: Mit der Einführung des „Model 3“ hat sich Elon Musk verhoben. Seit Monaten hadert Tesla mit der Produktion des Massenmodells, Elon Musk hat inzwischen ein drastisches Sparprogramm auf den Weg aufgelegt, um die chronisch defizitäre Bilanz von Tesla einigermaßen vorzeigbar zu halten. Schon droht die nächste Kapitalerhöhung und die Probleme von Tesla sind noch lange nicht gelöst.

Diese Schwäche will Schot nun nutzen. „Der Etron ist für Audi der Startschuss für die Elektromobilität“, sagt eine Führungskraft. Daher wolle das Unternehmen mit der Präsentation in Kalifornien ein Zeichen setzen. „Der Vorstand hat dem Vorschlag auf seiner Sitzung am Montag bereits zugestimmt“ – das Auto soll also direkt vor der Haustür von Tesla vorgestellt werden.

Schot geht ein kalkuliertes Risiko ein. Für seine Show in Kalifornien nimmt er in Kauf, dass Daimler beim Stromauto unverhofft den ersten Akzent setzen kann. Anfang September wollen die Schwaben ihr erstes Elektroauto aus der Reihe „EQ“ vorstellen.

Auch Daimler will die Gelegenheit nutzen, das aus der Abgasaffäre ramponierte Image mit dem Start seine Elektromarke aufzupolieren. Allerding fehlen Mercedes ausreichend Batteriekapazitäten für einen schnellen Marktstart, die ersten Auslieferungen sind erst für den Juni 2019 angepeilt. Audi will die ersten „Etrons“ noch in diesem Jahr auf der Straße haben.

Mit der Attacke auf Tesla will Schot nicht nur sein Unternehmen wirkungsvoll in Szene setzen, sondern vor allem sich selbst. Der 56-Jährige wurde erst vergangene Woche zum Vorstandschef ernannt, nachdem Amtsinhaber Rupert Stadler beurlaubt worden war.

Dauerhafte Ambitionen

Die Staatsanwaltschaft München wirft Stadler vor, den Abgasskandal nicht gründlich genug aufgeklärt zu haben. Weil er angeblich mögliche Zeugen beeinflussen wollte, wurde er wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft genommen. Stadler ist seitdem vom Aufsichtsrat beurlaubt, dürfte aber kaum auf seinen alten Posten zurückkehren.

Schot ist erst im vergangenen Jahr von der VW-Tochter Nutzfahrzeuge zu Audi gewechselt. Seine Berufung ist eigentlich als Interimslösung gedacht. Doch Schot hat offenbar dauerhafte Ambitionen auf den Chefsessel.

So wirbt der Niederländer bei den rund 70.000 Beschäftigten um Vertrauen. „Audi, das seid ihr alle, das sind wir alle“, schreibt Schot an die Mitarbeiter. „Und ich verspreche Euch, Ich bin für Euch da“.

Gleichzeitig warnt Schot vor den Herausforderungen der kommenden Monate. So sei die Dieselkrise noch nicht abgehakt, Audi muss immer noch prüfen, ob illegale Abschalteinrichtungen in seinen Motoren eingesetzt sind. 

Zudem drohen auch bei Audi „Lieferengpässe“ , die sich aus dem neuen WLTP-Prüfverfahren resultieren. Audi hat wie Daimler und VW nicht die nötigen Zulassungen für alle Modelle.

Die beste Lösung, um den Abgasskandal endlich zu überwinden, seien neuen Modelle, sagt ein Manager. „Daher muss die Präsentation des ‚Etron‘ ein Erfolg werden.“

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