Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Elliott-Einstieg bei Thyssen-Krupp Diese deutschen Firmen mischt Singers Hedgefonds auf

Der Finanzinvestor Elliott steigt bei Thyssen-Krupp ein. Paul Singers berüchtigter Hedgefonds hat in etlichen deutschen Unternehmen für Unruhe gesorgt.
1 Kommentar
Der US-Starinvestor hat mit seinem Hedgefonds Elliott schon so manches deutsches Unternehmen aufgemischt. Quelle: Reuters
Manager-Schreck Paul Singer

Der US-Starinvestor hat mit seinem Hedgefonds Elliott schon so manches deutsches Unternehmen aufgemischt.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfNun also auch Thyssen-Krupp: Der amerikanische Finanzinvestor Elliott hat bestätigt, ein größeres Aktienpaket des Essener Stahlkonzerns gekauft zu haben. Noch lägen Elliotts Anteile zwar unter der meldepflichtigen Schwelle von drei Prozent. Doch in Essen darf man sich kurz vor einem geplanten Stahl-Joint-Venture mit dem indischen Konkurrenten Tata auf einiges gefasst machen.

Hinter Elliott steht der amerikanische Milliardär Paul Singer. Und der gilt nicht ohne Grund als aktivistischer Investor: Er kauft Aktienpakete an Unternehmen, um die Konzerne dann zu Reformen zu zwingen.

Regelmäßig schnellen deren Aktienkurse in die Höhe, sobald ein Einstieg Elliotts ruchbar wird. So auch bei Thyssen-Krupp. Schon die ersten Gerüchte sorgten am Dienstag dafür, dass die Thyssen-Krupp-Aktie um 9,6 Prozent zulegte.

Darauf reagiert nun die Finanzaufsicht Bafin und sucht beim Handel mit Aktien des Industriekonzern nach Unregelmäßigkeiten. Das bestätigte die Wertpapieraufsicht dem Handelsblatt.

In vielen Fällen hat Elliott Manager-Wechsel in Unternehmen herbeigeführt – obwohl der Investor meist nur Minderheitsanteile an den Konzernen erwirbt. Längst ist Singer für seine Strategie auch in deutschen Unternehmen berüchtigt. Denn in etlichen Konzernen hat Elliott hierzulande bereits für Unruhe gesorgt. Ein Überblick.

Unter seinem Chef wehrte sich der Stromproduzent monatelang gegen eine Übernahme. Elliott will das prüfen lassen. Quelle: Reuters
Uniper-CEO Klaus Schäfer

Unter seinem Chef wehrte sich der Stromproduzent monatelang gegen eine Übernahme. Elliott will das prüfen lassen.

(Foto: Reuters)

Uniper

Der von Eon abgespaltene Stromproduzent wehrt sich seit Monaten gegen eine Übernahme durch den finnischen Versorger Fortum. Elliott ist mit 4,5 Prozent an Uniper beteiligt – und begehrt nun auf.

Bei Unipers Hauptversammlung am 6. Juni wird Elliott beantragen, einen Sonderprüfer einsetzen zu lassen. Der soll ermitteln, ob der Uniper-Vorstand um CEO Klaus Schäfer bei seiner Abwehrschlacht Fehler gemacht hat.

Monatelang pokerte Elliott bei der Übernahme des Pharmakonzerns auf eine höhere Abfindung – bis die neuen Eigentümer Bain und Cinven nachgaben. Quelle: dpa
Stada-Hauptsitz Bad Vilbel

Monatelang pokerte Elliott bei der Übernahme des Pharmakonzerns auf eine höhere Abfindung – bis die neuen Eigentümer Bain und Cinven nachgaben.

(Foto: dpa)

Stada

In einem anderen Übernahmepoker hat Elliott in den vergangenen Monaten eine entscheidende Rolle gespielt. Den hessischen Pharmakonzern Stada haben die Finanzinvestoren Bain und Cinven übernommen. Elliott bereitete ihnen dabei mächtig Probleme.

Das Vorgehen: Als sich die Übernahme abzeichnete, deckte Singers Hedgefonds sich noch rasch mit rund 15 Prozent der Stada-Aktien ein. Auf die waren Bain und Cinven aber angewiesen, um die Übernahme abzuschließen. Monatelang drängte Elliott auf einen höheren Preis für seine Anteile – vor einigen Wochen gaben Bain und Cinven schließlich nach.

Der Gea-Chef musste unter dem Druck des US-Hedgefonds gehen. Quelle: PR
Jürg Oleas

Der Gea-Chef musste unter dem Druck des US-Hedgefonds gehen.

(Foto: PR)

Gea

Im Herbst 2017 stieg Elliott mit rund drei Prozent beim Anlagenbauer Gea ein. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete seinerzeit, Elliott wolle die Marge von Gea erhöhen – und dafür Reformen in bestimmten Unternehmensbereichen durchsetzen.

Rund fünf Monate später, im März dieses Jahres, kündigte der MDax-Konzern an, sein langjähriger Chef Jürg Oleas werde sich im kommenden Frühjahr zurückziehen.

Eine Fahne des damals noch eigenständigen Kabelnetzbetreibers weht 2014 am Firmensitz in München. Quelle: dpa
Kabel Deutschland

Eine Fahne des damals noch eigenständigen Kabelnetzbetreibers weht 2014 am Firmensitz in München.

(Foto: dpa)

Kabel Deutschland

Ähnlich ging der Singer-Fonds bei Kabel Deutschland vor: Dort erzwang Großaktionär Elliott, damals mit rund 13 Prozent beteiligt, im Januar 2015 eine außerordentliche Hauptversammlung. Der Anlass: Die Übernahme durch Vodafone.

Ein Sonderprüfer hatte festgestellt, dass Vodafone zu wenig für den Erwerb von Kabel Deutschland gezahlt habe. Singers Hedgefonds erzwang weitere Prüfungen.

Der Fall landete sogar vor dem Landgericht München. Die Richter bekräftigten Elliotts Anspruch, den Deal zwischen Vodafone und Kabel Deutschland weiter prüfen zu lassen.

Ende gut, Übernahme gut: Archivaufnahme des Firmensitzes der Celesio AG, deren Kauf durch McKesson 2014 zu scheitern drohte. Quelle: dpa
Celesio-Zentrale

Ende gut, Übernahme gut: Archivaufnahme des Firmensitzes der Celesio AG, deren Kauf durch McKesson 2014 zu scheitern drohte.

(Foto: dpa)

Celesio

Überhaupt: Sich in Übernahmen einzuschalten, ist die Spezialität von Elliott. Ein weiterer spektakulärer Fall: Celesio. Nach Zukäufen hielt Singers Hedgefonds im Jahr 2014 zwischenzeitlich Anteile im Wert von knapp einer Milliarde Euro an dem Pharmahändler aus Stuttgart – mitten in der milliardenschweren Übernahme durch den McKesson-Konzern.

Für Elliott wäre das beinahe schiefgegangen. Zwischenzeitlich drohte der Deal zwischen Celesio und McKesson zu platzen. Am Ende wurde Elliott aber auch seine Celesio-Anteile mit Gewinn wieder los.

2003 funkte Elliott in die Übernahme des Kosmetikherstellers durch Procter & Gamble. Quelle: dpa
Wella-Haarpflege

2003 funkte Elliott in die Übernahme des Kosmetikherstellers durch Procter & Gamble.

(Foto: dpa)

Wella

Der Beginn der Ära Elliott liegt noch wesentlich länger zurück. 2003 schickte der amerikanische Konsumgüterriese Procter & Gamble sich an, den Darmstädter Kosmetikkonzern Wella zu übernehmen. In dem Moment erwarb Elliott Wella-Anteile, blockierte die Übernahme – und zog sich erst gegen eine Abfindungsprämie zurück.

Mit diesem Geschäftsmodell hatte Elliott hierzulande in der Zwischenzeit immer wieder Erfolg. Die Zeitarbeitsfirma DIS, der Notebook-Hersteller Medion, der Kranbauer Demag: Es war das immer gleiche Muster. Elliott kaufte sich ein oder stockte Anteile auf, als sich eine Übernahme anbahnte. Und stieg am Ende mit Profit wieder aus.

Das lohnt sich – vor allem für Paul Singer selbst. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt das Vermögen des Elliott-Chefs auf 2,7 Milliarden US-Dollar. Auch den Investoren seines Fonds dürfte das Geschäftsmodell gefallen: Elliott erwirtschaftet seit Jahrzehnten im Schnitt eine zweistellige Rendite.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Elliott-Einstieg bei Thyssen-Krupp - Diese deutschen Firmen mischt Singers Hedgefonds auf

1 Kommentar zu "Elliott-Einstieg bei Thyssen-Krupp: Diese deutschen Firmen mischt Singers Hedgefonds auf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was sehr augenfällig bei all diesen Transaktionen ist : Herr Paul Singers erwirbt ausgerechnet dann größere Aktienpakete, kurz bevor irgendwelche Ereignisse anstehen. Das riecht verdächtig nach Insiderkenntnisse und wäre damit verbotener Insiderhandel. Vielleiht sollte sich die Börsenaufsicht mal um diese Problematik kümmern. Jeder normale Mensch steigt doch nur dann in Unternehmen ein, wenn er sich einen großen Vorteil davon erhofft und Insiderwissen ist hier immer hilfreich - wenn auch verboten.

    Sollte es sich bei ihm um eine dieser berüchtigen Heuschrecken handeln, die damals Märklin haben vor die Wand fahren lassen, so ist das mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht wacht die Börsenaufsicht und die Politik endlich auf. Ansonsten hat Deutschland nur kurzfristig einen Vorteil und bleibt langfristig auf der Strecke.