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Elmar Degenhart Die Ermittlungen im Abgasskandal bedeuten für den Conti-Chef einen Reputationsschaden

Der Zulieferer kämpft bereits mit dem Strukturwandel in der Automobilbranche. Jetzt kommen juristische Herausforderungen dazu.
02.07.2020 - 16:30 Uhr Kommentieren
Der 61-Jährige steht seit 2009 an der Spitze des Zulieferers. Quelle: dpa
Continental-Chef Elmar Degenhart

Der 61-Jährige steht seit 2009 an der Spitze des Zulieferers.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Für den Fußball-Klub Eintracht Frankfurt kann sich Elmar Degenhart mindestens genauso begeistern, wie für die Automobilindustrie. Der glühende Eintracht-Fan und Continental-Chef nutzt deswegen in so gut wie jedem Interview Fußball-Metaphern, um seine Erklärungen etwas bildhafter zu machen.

Und wenn man bei der Fußballsprache bleibt, dann waren die Durchsuchungen am Mittwoch an den Conti-Standorten in Hannover, Frankfurt und Regensburg sozusagen die gelbe Karte der Staatsanwaltschaft für den Konzern. Und für Degenhart.

Nun ist es nicht neu, dass auch Conti neben Bosch und ZF bei den Dieselmanipulationen von VW immer wieder mitgenannt wurde. Immerhin hat der Dax-Zulieferer Conti die Software für die Motorsteuerung und Einspritzsysteme an VW geliefert, die der Autobauer in den Schummelmotor EA189 in der 1,6-Liter-Version verbaut hat. Doch im Gegensatz zu Conti klopfte weder bei Bosch noch bei ZF die Staatsanwaltschaft an die Tür.

Immer waren es Bosch-Chef Volkmar Denner oder die VW-CEOs, die sich in der Dieselthematik rechtfertigen mussten. Conti-Chef Degenhart hingegen hatte bereits vor fünf Jahren eine intensive interne Prüfung angewiesen, um eine eventuelle Mitverantwortung ausschließen zu können.

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    Das Ergebnis beschrieb Degenhart in einem Interview mit der „Börsenzeitung“ im Dezember 2015 folgendermaßen: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir in Sachen Compliance insgesamt gut aufgestellt sind.“ Und: „Wir haben an keinen Kunden – weder auf Bestellung noch etwa aus freien Stücken – Software zur Manipulation von Abgaswerten geliefert.“

    Reputationsschaden – auch für Degenhart

    Die aktuellen Ermittlungen bedeuten daher nicht nur für Continental, sondern auch für Degenhart einen Reputationsschaden. Für den 61-Jährigen und sein Vorstandsteam entsteht damit ein weiterer, diesmal juristischer, Brandherd.

    Bereits der Strukturwandel, in dem der Übergang vom Verbrenner zum Elektromotor und vom Mechanischen in die Welt der Software bewältigt werden muss, strapaziert den Konzern bis zum Äußersten. Die noch nicht absehbaren Folgen der Coronakrise kommen noch oben drauf.

    Als Degenhart 2009 von Schaeffler an die Spitze von Continental wechselte, war der Konzern in einer noch heikleren Lage. Das Unternehmen hatte gerade die durch Schaeffler initiierte und letztlich misslungene Übernahmeschlacht hinter sich. Der Verschuldungsgrad war immens, der Autokomponentenzulieferer Siemens VDO war noch nicht wirklich integriert.

    Zusammen mit dem Finanzvorstand Wolfgang Schäfer gelang Degenhart aber das Glanzstück, den Konzern innerhalb kürzester Zeit wieder auf Vordermann zu bringen. Damit gewann Degenhart sowohl das Vertrauen des Ankeraktionärs Schaeffler, der mit 46 Prozent an Conti beteiligt ist, als auch das von Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle.

    Die beiden hatten so große Erfolge, dass sie nicht nur die Verschuldung drastisch senken konnten. Auch für die Aktionäre sprang jedes Jahr eine höhere Dividende raus. Dass sie jetzt erstmals seit Jahren gesenkt wurde, hat daher auch symbolischen Charakter. Die Erfolgssträhne von Degenhart scheint vorbei zu sein.

    Verspäteter Umbau

    Es hat den Anschein, als habe sich der Konzern nach den Kraftanstrengungen in den frühen 2010er-Jahren etwas zu stark auf den Erfolgen ausgeruht. Die Folge: Der dringend nötige Konzernumbau, an dessen Ende die Antriebssparte Vitesco Technologies ausgegliedert werden sollte und Conti in eine Holding-Struktur überführt wird, wurde von Degenhart viel zu spät eingeleitet.

    Erst 2018 weckte der Conti-Chef mit einem aufsehenerregenden Brandbrief die Manager in seinem Konzern. Degenhart beklagte festgefahrene Strukturen, die einer Erneuerung des Konzerns im Wege stehen.

    Degenhart hat zwar richtig erkannt, dass er Continental für das Zeitalter der Digitalisierung in Stellung bringen muss. „Software ist der Sauerstoff unserer Industrie“, schrieb der Manager in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Doch die Erkenntnis könnte etwas zu spät gekommen sein. Fünf Jahre zuvor sagte Degenhart der Börsenzeitung noch: „Wir werden nicht zum IT-Hersteller konvertieren.“

    Mehr: Razzia beim Autozulieferer: Continental gerät in den Sog des Dieselskandals

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