Elon Musk Vom Weltraumspinner zum Space Cowboy

Der Tesla-Chef galt lange als Weltraumspinner. Der erfolgreiche Start seiner Rakete „Falcon Heavy“ zeigt indes, dass mit ihm zu rechnen ist.
Update: 11.04.2018 - 14:36 Uhr Kommentieren
Der Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk will die Menschen zur „multiplanetarischen Spezies“ machen. Quelle: dpa
SpaceX Falcon

Der Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk will die Menschen zur „multiplanetarischen Spezies“ machen.

(Foto: dpa)

San FranciscoDen Blick zurück auf die blaue Erde mit Fahrtrichtung Mars schwebt der Astronauten-Dummy im weißen Raumanzug und mit schwarz verspiegeltem Helm durch das Sonnensystem. In den Händen hält der Weltraumtourist das Steuerrad eines kirschroten Tesla-Roadster, im Gepäck steckt eine CD mit dem Gesamtwerk des russischen Science-Fiction-Autors Isaac Asimov.

Wenn er nur könnte, würde Elon Musk tauschen mit dem künstlichen Raumfahrer, würde selbst zu den Planeten reisen. Der Tesla-Chef und Gründer der Raketenfirma SpaceX will die Menschen zur „multiplanetarischen Spezies“ machen, eine Kolonie auf dem Mars errichten, falls mit der Erde etwas schiefläuft. Bereits 2025 könne der erste Mensch einen Fuß auf den roten Planeten setzen, glaubt er. Lange hielten ihn die erfahrenen Astronauten der Weltraumbehörde Nasa deshalb für einen Spinner.

Doch inzwischen reißen sich die alten Space Cowboys um einen Job in der Firma in Hawthorne, Los Angeles. Der verrückte Musk hat gezeigt, dass er auch liefern kann. Der erfolgreiche Jungfernflug der „Falcon Heavy“, der größten Rakete, die je ein privates Unternehmen in den niedrigen Erdorbit schoss, zeigt dies erneut eindrücklich. Am 6. Februar um kurz vor drei Uhr Ortszeit hob das 70 Meter hohe Flugobjekt auf 27 Triebwerken vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida ab. Die „Heavy“ stemmt eine Nutzlast von 60 Tonnen, mehr als die europäische Trägerrakete Ariane 5. Bislang waren solche Starts der Nasa vorbehalten.

Das Schauspiel, das Space X in den Lüften Floridas lieferte, konnte sich sehen lassen. Rasant schnellte das Raketentrio von der Abschussrampe hinauf in den Himmel und kehrte innerhalb von etwa acht Minuten in einem Helix-Bogen in Einzelteilen wieder auf die Erde zurück. Zwei Flugkörper landeten danach wieder unversehrt auf einer Plattform, die Hauptrakete hingegen krachte in den Atlantik.

Musk ficht das nicht an. Er erklärte den Test dennoch zum Erfolg. Der Jungfernflug gebe ihm „sehr viel Zuversicht“ für die Produktion der Generation Big Falcon Rocket (B.F.R.), die ab Mitte 2020 startet, sagte der Unternehmer.

„Wir wollen ein neues Raumfahrt-Wettrennen“, erklärte der Raketenfan nach dem Start der „Heavy“. „Rennen sind aufregend.“ Die Bemerkung zielt auf die neuen Raumfahrtrivalen aus der Technologiewelt, allen voran auf Jeff Bezos. Der Amazon-Chef und reichste Mann der Welt investiert sein privates Vermögen in die Sternenfirma Blue Origin. Im Raumschiff „New Shepard“ will er künftig Touristen um die Erde schicken. Das von Alphabet-Tochter Google gesponserte Projekt Moon Express schraubt an einer Verkehrsverbindung zwischen Mond und Erde.

Musks „Falcon Heavy“ hebt ab: Der Startschuss für Weltraumtourismus?

Doch keiner liegt im intergalaktischen Raketenrennen so weit vorn wie Musk. Der Raumfahrtenthusiast wählte von Beginn an eine andere Strategie als die traditionellen Raumfahrer. Für die Nasa bestand aufgrund der stets verfügbaren Regierungsgelder kein Grund dafür, die Kosten für Raketen und ihre Starts zu senken. Für einen Unternehmer wie Musk lohnt sich das Geschäft hingegen nur, wenn es auch Profit abwirft. Das trieb ihn zu ungeahnter Leistung an.

Ende März startete vom Kennedy Space Center in Florida aus die erste recycelte Antriebsrakete „Falcon 9“ und kehrte zehn Minuten später wieder sicher auf die Erde zurück. Die Aktion ging in die Geschichte der Raumfahrt ein, die Wiederverwertung von Raketen dürfte die Kosten für Raumfahrten drastisch senken.

An Bord der „Heavy“ sollen jedoch zunächst keine Menschen durchs All reisen, stellte der Space X-Gründer klar. Sein Ziel, den Mars, verliert der Gründer dennoch nicht aus den Augen. Bis es technisch so weit sein wird, dass Menschen die lange Reise zum Roten Planeten antreten können, muss er seine Forschung bei Space X finanzieren. Der Weltraumtourismus wirft noch nichts ab, wohl aber das Satellitengeschäft. Zu Musks potenziellen Kunden zählen große Telekommunikationsanbieter, die US-Regierung, aber auch alte Freunde aus dem Silicon Valley. Musk könnte entgegen aller Kritik einen völlig neuen Markt erschließen.

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