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Emissionsfreie Mobilität Bosch setzt auf die Brennstoffzelle – Fünf Gründe, warum sich das auszahlen wird

Bosch will auch Stacks für Brennstoffzellen fertigen – und so einen Zukunftsmarkt besetzen. Es spricht einiges dafür, dass sich diese Entscheidung lohnen wird.
5 Kommentare
Emissionsfreie Mobilität: Bosch setzt auf die Brennstoffzelle Quelle: Bosch
Forschung bei Bosch

Konzernchef Volkmar Denner hält den Einstieg ins Geschäft mit Brennstoffzellen für richtig.

(Foto: Bosch)

Stuttgart Gemeinsam mit dem schwedischen Partner Powercell will Bosch in die Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellen einsteigen, die als Herzstück des Wasserstoff-Autos gelten. Der Automobilzulieferer entwickelt dafür sogenannte Stacks, also „Stapel“ an Brennstoffzellen, mit denen Elektrofahrzeuge angetrieben werden.

Automobil- und Lkw-Hersteller setzen große Hoffnungen in die Technologie. Denn anders als Autos mit großer Batterie können Fahrzeuge mit Brennstoffzelle innerhalb weniger Minuten tanken. Anders aber als beim Verbrenner entstehen keine CO2-Emissionen. Für die deutsche Autoindustrie ist der Einstig von Bosch in das Feld daher eine wichtige Entscheidung. Fünf Gründe, warum der Optimismus von Bosch gerechtfertigt ist.

Grund 1: Bosch ist früh genug dran

Generell ist es ein positives Signal, dass Bosch die technische Herausforderung annimmt und eine ambitionierte Zukunftstechnologie führend vorantreiben will. Anders als bei Solarzellen und Batteriezellen ist der Markt noch in einem sehr frühen Stadium und noch nicht von asiatischen Wettbewerbern besetzt. Das verringert bei überschaubaren Anfangsinvestitionen das Risiko für das Unternehmen.

Außerdem fängt Bosch nicht bei null an. Wichtiges Know-how hat sich das Unternehmen mit dem schwedischen Partner Powercell gesichert. Dessen Technologie ermöglicht prinzipiell eine breite Abdeckung vom Pkw bis zum Lkw mit den gleichen Bauteilen. Denn die Module der Stacks werden im Baukastenprinzip aneinandergereiht.


Grund 2: Die deutsche Autoindustrie braucht einen Plan B

Es ist wichtig, dass Bosch das Thema Mobilität von morgen technologieoffen und mit einem weiten Planungshorizont angeht. Volkswagen setzt mit seiner Festlegung auf batteriebetriebene Elektroautos alles auf eine Karte. Das mag für VW richtig sein, für Bosch noch lange nicht.

Denn was passiert, wenn der E-Auto-Boom durch Engpässe bei Rohstoffen für Batterien gebremst wird oder die Ladeinfrastruktur nicht rechtzeitig steht? Dann könnte die Brennstoffzelle eine mögliche Alternative sein - wenn sich die Technologie jetzt schnell genug weiterentwickelt.


Grund 3: Das Potenzial bei Nutzfahrzeugen ist riesig

Den Fokus bei der Brennstoffzelle zunächst auf große Nutzfahrzeuge zu legen ist richtig. Wenn es darum geht, den Güter- und Personentransport klimafreundlicher zu machen, ist die Brennstoffzelle einem reinen Batterie-Brummi überlegen. 

Denn für einen batteriebetriebenen E-Lastwagen sind die benötigten Batterien zu schwer und nehmen viel Platz weg. Das geht auf Kosten der zulässigen Zuladung und damit der Wirtschaftlichkeit. Zudem ist die benötigte Menge an Batterien zu teuer, um die benötigten Reichweiten zu erreichen.

Die Nachfrage nach emissionsfreien Nutzfahrzeugen dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Denn die Hersteller stehen unter hohem politischem Druck. In Europa müssen sie bis 2025 die CO2-Emissionen um im Schnitt 15 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent senken.

Gelingt es Bosch, in drei Jahren leistungsfähige Brennstoffzellen in Großserie zu bauen, würden Lastwagen langstreckentauglich ohne CO2-Emissionen fahren. Bei einem Investitionsgut wie einem Lkw lässt sich die teure Technologie leichter verkraften als bei einem Privatfahrzeug. Große Logistikunternehmen oder öffentliche Busunternehmen können sich eigene Wasserstofftankstellen leisten und sind nicht so auf ein flächendeckendes Tankstellenangebot angewiesen, wie es Privatautos wären.


Grund 4: Die Brennstoffzelle wird auch bei Autos konkurrenzfähig

Bislang ist die Brennstoffzelle noch zu teuer für die meisten Autokäufer. Man sieht es am Toyota Mirai, der mit einem Preis von 70.000 Euro deutlich teurer ist als die Verbrennerkonkurrenz. Doch mit mehr Unternehmen, die Brennstoffzellen entwickeln und bauen, wird auch der Preis sinken. Dafür muss vor allem der Platinanteil an den Brennstoffzellen deutlich gesenkt werden.

Wenn Bosch Aufträge bekommt und die Stückzahlen steigen, werden auch Brennstoffzellen tendenziell günstiger. Spätestens dann können sich die entsprechend angetriebenen Fahrzeuge mit Verbrennern und der batterieelektrischen Konkurrenz messen lassen – besonders bei großen und leistungsfähigen Autos, wie sie von den deutschen Herstellern gebaut werden.

Grund 5: Asien setzt ebenfalls auf die Brennstoffzelle

Die Regionen der Welt entwickeln ihre Mobilität unterschiedlich. Japan und Korea setzen auf die Brennstoffzelle. Auch die Chinesen haben die Technik trotz ihrer Batterie-Strategie im Blick. Als internationaler Zulieferer muss Bosch den Markt global betrachten.

Wenn es Ländern gelingt, den Wasserstoff aus regenerativen Quellen CO2-arm oder gar CO2-frei zu gewinnen und ein Tankstellennetz aufzubauen, werden sich auch Europa und die USA daran orientieren. Erst dann einzusteigen, wäre zu spät.  

Daher ist es klug von Bosch, die Fehler bei den Batteriezellen nicht zu wiederholen. Deren Weiterentwicklung hat die gesamte Industrie vor 20 Jahren verschlafen. In Deutschland wurde zwar eine Brennstoffzelle entwickelt, ihr wurde aber lange wenig Beachtung geschenkt. Bosch nimmt sie jetzt in Angriff.

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5 Kommentare zu "Emissionsfreie Mobilität: Bosch setzt auf die Brennstoffzelle – Fünf Gründe, warum sich das auszahlen wird"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo Frau Bartels,
    sprechen Sie doch bitte einmal mit einem(r) gestandenen Quantenphysiker(in),
    bevor Sie uns Leser weiterhin mit Reklame für (Fake)-Technik-Produkte nerven.
    Wie lange dauert es, mit Ihrem "Power"-Cube die beschriebenen 150 Wh zu
    generieren? Oder meinten Sie vielleicht 150 W, was dann eine Leistungsangabe
    wäre. Interessant wäre auch zu wissen, wir groß die Sammel-"Linse" sein müßte,
    um wenigstens eine Quarz-Armbanduhr betreiben zu können.

  • "Daher ist es klug von Bosch, die Fehler bei den Batteriezellen nicht zu wiederholen." War der Fehler bei der Batteriezelle nicht gerade, dass man in den vergangenen dreißig Jahren in Deutschland sämtlichen Aufwand (und auch Milliardensubventionen des Staates) einseitig in die Brennstoffzelle gesteckt hat, bis heute ohne verwertbares Ergebnis? Und dadurch bei der Batteriezelle komplett abgehängt wurde?

    Brennstoffzellen werden stationär wahrscheinlich Sinn machen, da sie dann je nach Bedarf zum Strommix beitragen können und die Abwärme (40 %) auch genutzt werden kann. Im mobilen Bereich werden sie höchstens in Nischen eine Rolle spielen, wo die Brennstoffzellen ihren Hauptnachteil, die niedrige Effizienz und daher hohen Energiebedarf, mit anderen Vorteilen kompensieren können, z. B. einer höheren Energiedichte.

    Das größte Risiko für Investoren in mobile Brennstoffzellen ist, dass Batterien bei der Energiedichte so weit aufholen, dass die Vorteile der Brennstoffzelle marginal werden.

  • Der smarte Investor investiert in aller Regel entgegen dem Herdentrieb (während es dem Trader relativ egal ist und er auf seine Technische Analyse blickt).
    Und der POLITISCH INKORREKTE Investor (wie ich) setzt bei den alternativen Antrieben eben auf GAS.
    Damit fahren sogar große Trucks wunderbar und auch über große Entfernungen.
    https://www.erdgas.info/erdgas-mobil/erdgas-fahrzeuge/volvo-trucks/
    Und meine RUSSISCHEN Erdgas-Aktien mit einstelligem (!!!!) KGV performen übrigens im Moment überaus prächtig... ;-))

  • Sehr geehrter Herr Buchenau,

    seit 30 Jahren lese ich in den Geschäftsberichten, dass die Firma Daimler Benz an Brennstoffzellen forscht. Und die Medien verbreiten seit 30 Jahren die Kunde, dass das größte Hemmnis für eine Vermarktung die fehlende Ladeinfrastruktur ist.

    Vor diesem Hintergrund ist es schon höchst überraschend, dass sich nunmehr Bosch an eine Produktion herantraut. Sie meinen ja, dass sich das auszahlen wird. Hoffentlich behalten Sie recht.

  • Wir brauchen aus Klimaschutzgründen eine Wasserstoffwirtschaft, so wie es Pflanzen und Tiere seit 1 Milliarde Jahren ohne Klimaschäden vormachen. Für die Autos heisst das, wir brauchen Fahrzeuge mit Brennstoffzellen, deren Kraftstoff über Sonnenenergie ( auch Wind- und Wasserkraft) umweltneutral geliefert wird. Das Autonome Fahren kommt in der Wichtigkeit erst nach der Lösung dieses existentiellen Problems. Die Entwicklung von Akku-betriebenen Fahr- und Flugzeugen wird sich wahrscheinlich als teurer Umweg erweisen.

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