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Emma Walmsley Im Machtkampf mit Elliot: Verwaltungsrat stärkt Chefin von Glaxo-Smithkline

Schwache Pharma-Pipeline, kein Erfolg beim Corona-Impfstoff: Glaxo-Smithkline wirkte zuletzt schwerfällig. Die Chefin wehrt sich gegen den Aktivisten Elliott.
22.06.2021 Update: 02.07.2021 - 15:22 Uhr Kommentieren
Die Restrukturierung eines Unternehmens mit 99.000 Mitarbeitern ist langwierig.
Emma Walmsley

Die Restrukturierung eines Unternehmens mit 99.000 Mitarbeitern ist langwierig.

London Der Verwaltungsrat des britischen Pharmaunternehmens lehnt die Forderung des aktivistischen Investors Elliott nach einem Verkauf der Consumer-Health-Sparte ab und stärkt der Konzernchefin Emma Walmsley den Rücken. „Der Vorstand glaubt fest daran, dass Emma Walmsley die richtige Führung der neuen GSK ist und unterstützt ihre Handlungen und die des Managements vollumfänglich“, erklärte das Gremium.

Der Hedgefonds Elliott hatte am Donnerstag den Verkauf der Sparte und mehr Pharma-Expertise im Management gefordert. GSK will das Geschäft mit Arzneien zur Selbstmedikation wie Nasenspray, Pflegeprodukte und Nahrungsergänzungsmittel im kommenden Jahr abspalten und an die Börse bringen. Trenne sich GSK komplett von der Sparte, könne dies den Aktienkurs um 45 Prozent nach oben treiben, hatte Elliott vorgerechnet.

Elliott gehört dem aktivistischen Investor Paul Singer aus New York, der schon viele Führungsetagen in Schrecken versetzte. Er hatte es auf die Chefin des größten britischen Pharmaherstellers Glaxo-Smithkline (GSK) abgesehen. Seit der Hedgefonds im Frühjahr einstieg, musste Walmsley um ihren Posten bangen. Schon vorher stand sie in der Kritik, weil sich der Konzern aus Sicht mancher Anleger nicht schnell genug wandelt. Doch mit dem Auftauchen von Elliott war die Gefahr akuter geworden.

Mitte Juni musste die Vorstandschefin die Großanleger zum Investorentag in die Londoner Zentrale bitten und ihre gesamte Überzeugungskraft aufbieten. Sie strapaziert die Geduld der Investoren bereits seit Längerem: Der Aktienkurs ist seit ihrem Antritt vor vier Jahren um 15 Prozent gefallen. In derselben Zeit ist das Papier vom britischen Erzrivalen Astra-Zeneca um 70 Prozent gestiegen.

Während Astra-Zeneca unter Vorstandschef Pascal Soriot eine neue Dynamik entwickelte und die Medikamenten-Pipeline radikal erneuerte, hinkt Glaxo-Smithkline bei der Produktentwicklung hinterher. Zuletzt wurde der Spezialist für Vakzine sogar im Wettrennen um den Corona-Impfstoff abgehängt.

Seit Monaten impft Astra-Zeneca die Welt, während die Kooperationen von GSK mit dem französischen Konzern Sanofi und der Tübinger Biotech-Firma Curevac immer noch keine positiven Ergebnisse hervorgebracht haben. Bei Curevac hatte GSK sich im vergangenen Jahr als Geldgeber mit 130 Millionen Pfund engagiert, bei Sanofi stellt die Firma einen Impfstoffverstärker bereit.

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GSK leidet unter fehlendem Impfstoff-Erfolg

Der fehlende Erfolg wird auch Walmsley persönlich angelastet: Sie hatte vergangenes Jahr eine Zusammenarbeit mit der Universität Oxford am Corona-Impfstoff abgelehnt, weil sie sich beim Konzernumbau nicht ablenken lassen wollte. Astra-Zeneca sprang ein und erhält nun den Lohn für die Arbeit.

Den Investoren musste Walmsley erklären, wie sie das Wachstum in Zukunft sichern will. Der Konzern steht vor der größten Restrukturierung seit der Fusion von GlaxoWellcome und SmithKlineBeecham vor 20 Jahren. Im kommenden Jahr will Walmsley die Konsumgütersparte abspalten, die unter anderem Zahnpasta (Sensodyne, Aquafresh) und rezeptfreie Schmerzmittel herstellt. Die Investoren wollen wissen, wie die Abspaltung konkret ablaufen soll: Wird die neue Firma an die Börse gebracht oder nicht?

Auch musste Walmsley die Sorgen um die Pharma-Pipeline entkräften. In den kommenden zehn Jahren laufen die GSK-Patente auf 14 Medikamente aus, die aktuell die Hälfte des Pharma-Umsatzes ausmachen. Die Firma braucht also dringend neue Umsatzbringer. Walmsley verwies auf eine Reihe von Produkten, die bald marktreif sein sollen.

Die 52 Jahre alte Managerin ist seit 2010 bei GSK. Vorher arbeitete sie 17 Jahre lang beim Kosmetikhersteller L’Oréal und war dort unter anderem für das wichtige Chinageschäft zuständig. Bei GSK leitete Walmsley zunächst die Konsumgütersparte, bevor sie 2017 zur Vorstandschefin aufstieg. Sie hat bis heute damit zu kämpfen, dass sie ursprünglich aus dem Marketing kommt. Ihre Kritiker wollen sie an die Spitze der bald abgespalteten Konsumgütersparte wegloben und sie durch einen Pharma-Experten ersetzen, der die Forschung versteht.

Emma Walmsley: „Ich bin keine Wissenschaftlerin“

Walmsley geht offen mit den Einwänden um. „Ich bin keine Wissenschaftlerin, ich bin Managerin“, erklärte sie bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. Die Aufgabe einer Vorstandschefin müsse es sein, Ziele vorzugeben und die richtigen Leute einzustellen. Sie verwies auch darauf, dass es bereits eine Menge Veränderungen bei dem „Supertanker“ GSK gegeben habe.

Doch die Restrukturierung eines Unternehmens mit 99.000 Mitarbeitern ist langwierig. Nach Shell, HSBC und BP ist GSK immer noch der viertgrößte Konzern im britischen FTSE100-Index. Walmsley hat einige Akzente gesetzt: Unter anderem hat sie die Führungsebene der Forschungsabteilung radikal umgebaut und etliche neue Mitarbeiter geholt. Einige dieser Wissenschaftler werden beim Investorentag ebenfalls auftreten.

Etliche Fondsmanager sehen die Aussichten der Firma durchaus positiv und empfehlen das unterbewertete Papier. Auch einige Großanleger wie der Vermögensverwalter Blackrock stehen zu Walmsley. Doch andere Investoren werden zunehmend ungeduldig. Mit Elliott haben sie nun einen aggressiven Antreiber, der Walmsley gefährlich werden könnte.

Mehr: Curevac steht ein schmerzhafter Lernprozess bevor.

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