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Energie-Deal in Aussicht Strom für ein ganzes Land – Siemens hofft auf historischen Auftrag im Irak

Siemens steht vor einem Rekordauftrag im Irak. Der Konzern soll Kraftwerke und Stromnetze bauen. Kanzlerin Angela Merkel setzt sich persönlich ein.
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„Das wäre der größte Auftrag in der Konzerngeschichte von Siemens“

Düsseldorf, München Eine Rekordzeit: In weniger als 28 Monaten errichtete Siemens in der Wüste drei große Gas- und Dampfkraftwerke. Der Auftrag aus Ägypten brachte auch einen Rekordumsatz in die Bücher. Das Land hatte bei dem Technologiekonzern unter anderem 24 riesige Gasturbinen der H-Klasse und Windräder für insgesamt acht Milliarden Euro bestellt. Aber neben dem Geld war für Siemens-Chef Joe Kaeser etwas anderes wichtig: Der Modellcharakter des Vorhabens.

„Die Fertigstellung unseres Megaprojektes in Rekordzeit wird nicht nur die Energielandschaft in Ägypten verändern, sondern wird auch als Blaupause dienen für den Aufbau einer Strominfrastruktur im Nahen Ostens und weltweit“, sagte Kaeser vor wenigen Wochen, als die Inbetriebnahme des Megaprojekts gefeiert wurde.

Die Vorhersage scheint nun einzutreffen. Im Rahmen des Wiederaufbaus des Iraks soll Siemens voraussichtlich das gesamte Land verlässlich elektrifizieren. Siemens bestätigte Informationen des Handelsblatts über einen geplanten Milliardendeal. Demnach geht es bei den geplanten Investitionen um einen hohen einstelligen Milliardenbetrag. In Regierungskreisen ist sogar von mehr als 13 Milliarden Euro die Rede. In jedem Fall würde es sich um einen der größten Aufträge in der Siemens-Geschichte handeln.

„Wir haben dem irakischen Volk ein Versprechen gegeben und wir werden liefern“, verkündete Kaeser auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Das Engagement von Siemens werde dem Irak mit Strom versorgen, die Weiterbildung von tausenden junger Menschen ermöglichen und 60.000 neue Jobs im Irak schaffen. Der Wiederaufbau des Irak erfordere klare Bekenntnisse von Siemens und den Regierungen. Daher kümmere er sich persönlich um das Projekt.

Chefsache war das Thema auch bei der Bundesregierung. Als es sich abzeichnete, dass sich der Erzrivale General Electric um das Megaprojekt bewirbt, rief Bundeskanzlerin Angela Merkel in der vergangenen Woche den irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi an und setzte sich für das Siemens-Angebot ein, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr. Das Siemens-Geschäft soll zudem mit Hermesbürgschaften abgesichert werden.

„Es geht um viele Arbeitsplätze – im Irak und in Deutschland“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, CDU. Sein Parteikollege und Staatssekretär Thomas Bareiß unterstützte Kaeser bei den Verhandlungen in Bagdad.

„Der Bundesregierung ist es ein wichtiges Anliegen, einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes zu leisten“, sagte Bareiß dem Handelsblatt. Deutschland unterstützt den Wiederaufbauprozess des Landes bereits mit einem Finanzkredit in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro.

Zwar wurde am Sonntag noch keine Absichtserklärung unterzeichnet. Der Siemens-Chef sprach aber von seinem „sehr konstruktiven“ Treffen. Das Angebot sehe unter anderem vor, in den nächsten vier Jahren zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten von elf Gigawatt zu schaffen. Siemens wolle zudem bei der Korruptionsbekämpfung und der Weiterbildung helfen.

Kaeser geht es auch um den „Impact“

Solche Großprojekte haben gleich aus mehreren Gründen hohe strategische Bedeutung für Siemens. Natürlich geht es vor allem ums Geschäft. Sie stabilisieren auf lange Sicht die Umsätze. Der Ägyptenauftrag half zudem eine Zeit lang, das schwächelnde Berliner Turbinenwerk auszulasten. Der drohende Stellenabbau kam nach Einschätzung aus Industriekreisen deshalb etwas später. Wie profitabel der Ägyptenauftrag am Ende wirklich war, darüber wurde in Industriekreisen allerdings viel spekuliert.

Kaeser geht es aber auch um den gesellschaftlichen Nutzen, den Siemens mit solchen Projekten liefert. „Impact“ heißt das in der Manager-Sprache heutzutage. Der Vorstandsvorsitzende betont schon länger, dass ein Unternehmen nach seiner Ansicht nur eine Existenzberechtigung habe, wenn es einen Wert für die Gesellschaft leiste. Diese Sinnhaftigkeit sehen sie bei Siemens auch als wichtiges Mittel, um im Kampf um die besten Köpfe junge Talente zu gewinnen und zu halten.

Vielen Bewerbern gehe es heute nicht primär ums Geld, sondern darum, etwas Gutes zu tun. Und die Elektrifizierung von Schwellenländern wie Irak kann da Sinn stiften. In Ägypten erhöhte sich durch die neuen Kraftwerke in Beni Suef, Burullus und New Capital die Kapazität zur Stromerzeugung um 14,4 Gigawatt. Die Leistung reicht aus, um 40 Millionen Menschen mit elektrischer Energie zu versorgen.

Auch die Menschen im Irak sollen nun mit Siemens-Hilfe wieder zu einer verlässlichen Stromversorgung kommen. In Industriekreisen wird allerdings betont, dass die beiden Länder im Detail der Projekte nur bedingt vergleichbar sind. In Ägypten errichtete Siemens die drei Großkraftwerke als sogenannte „Greenfield-Projekte“, also Neubauten, in der Wüste. Aus den Absichtsbekundungen wurden so recht schnell konkrete Aufträge.

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Das Engagement im Irak könnte nun zwar in Summe das Auftragsvolumen von Ägypten erreichen. Laut Siemens geht es um Energieerzeugungskapazitäten von elf Gigawatt und Stromübertragungstechnik. Damit sollen 23 Millionen Menschen rund um die Uhr zuverlässig mit Strom versorgt werden.

Doch geht es um viele Einzelprojekte. So sollen zum Beispiel bestehende Kraftwerke in „Brownfield-Projekten“ ertüchtigt werden. Für sechs Kraftwerke im Irak hat Siemens bereits Service- und Ausbau-Aufträge bekommen. Zudem wird der Konzern, wenn am Schluss wirklich konkrete Aufträge stehen, mit lokalen Partnern zusammenarbeiten. Wertschöpfung vor Ort ist heute in fast allen Märkten und Projekten ein großes Thema.

General Electric hätte erneut das Nachsehen

Für Kaeser und seinen Siemens-Konzern könnte es ein weiterer Prestigeerfolg werden. Das Nachsehen hätte vor allem General Electric aus den USA. Schon beim Ägyptenauftrag stießen die Konkurrenten aufeinander. Die Delegation des US-Konkurrenten GE wartete bereits vor der Tür, als Kaeser mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi verhandelte.

Die Amerikaner mussten unverrichteter Dinge abreisen. In der gebeutelten Kraftwerkssparte von GE läuft es derzeit ohnehin nicht rund. Vor wenigen Tagen musste ein Kraftwerk in Texas außer Betrieb genommen werden, weil es Probleme mit der neuesten Turbinengeneration von GE gab.

Im Werben um die Gunst der irakischen Regierung betonte Siemens, dass es seit mehr als 80 Jahren Geschäftsbeziehungen mit dem Land habe. Im Jahr 2016 hatte Siemens bereits eine weitreichende Energiepartnerschaft mit dem Irak vereinbart. Die Münchener sollten ein umfassendes Energiekonzept entwickeln und die Regierung bei der Entwicklung und dem Ausbau der Stromerzeugung und des Stromnetzes beraten.

Klar ist, dass solche Aufträge immer auch Chancen für Folgeprojekte bieten. Siemens ist im Energiesektor so breit aufgestellt wie nur wenige andere Konzerne. „Wenn nur ein Bereich wie zum Beispiel die Erzeugung verbessert wird, verliert diese Maßnahme einen Großteil an Wirkung, wenn nicht die Übertragung und Verteilung des Stroms ebenfalls in Angriff genommen werden“, sagte Kaeser.

 Der Siemens-Chef ist einer der Vorstandsvorsitzenden, die am häufigsten bei Delegationen der Bundesregierung mit an Bord sind. Die großen Infrastrukturkonzerne haben vor allem öffentliche Auftraggeber, viele Staaten legen Wert darauf, direkt mit dem Chef und seinem Vorstand zu verhandeln. Kaeser selbst drückte es im Gespräch mit dem Handelsblatt einmal so aus.

„Ein guter Teil der Infrastrukturaufträge für Siemens wird auch von staatlichen Stellen beeinflusst. Deshalb ist es schon aus Geschäftsinteresse wichtig, den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern zu nutzen.“

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2 Kommentare zu "Energie-Deal in Aussicht: Strom für ein ganzes Land – Siemens hofft auf historischen Auftrag im Irak"

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  • Wir schreiben das Jahr 2018. Bereits vor 3 Jahren wurde der Nobelpreis für Physik für die Entdeckung der Masse von Neutrinos vergeben. Seitdem beweisen etliche universitäre Studien hochrangiger Wissenschaftlicher, das Neutrino-Energy die revolutionärste Entdeckung für die Menschheit des 21.Jahrhunderts ist. Es strömen 24Stunden, 7Tage die Woche, 365 Tage im Jahr Billionen Neutrinos in der Solarströmung Tag und Nacht die laut Studien eine unendliche Energieressource bedeuten zur Lösung weltweiter Energiekrisen und auch zur Auflösung weltweiter geopolitischer Konflikte und Kriege. Es geht um eine System Änderung - weg von grossen Stromerzeugern hin zur mobilen, dezentralen Haushaltsenergie.
    Stattdessen will jetzt ein Deutscher Konzern nach altem Muster, in einem hochbrisanten KriegsGebiet Stromnetze und Kraftwerke ausbauen. Solange wir unseren Strom mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe und Atomkraft herstellen, rauchen die Abgase und Schadstoffe aus den Schornsteinen und es bleibt wohl bei der Tatsache, dass Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft weiterhin den milliardenschweren Gewinn, der sich die nächsten Jahre noch aus der Verstromung der Bodenschätze ergibt, reinholen wollen. Bis die letzten Öl-, Kohle- und Gasreserven ebenso teuer wie umweltschädlich verfeuert worden sind und unzählige weitere Menschen bei den geopolitischen Konflikten darum ihr Leben gelassen haben oder dann, wenn durch Millionen Tonnen weiterer CO² und anderer Abgase sich die Erderwärmung so weiter beschleunigt, dass die Auswirkungen für unser Klima noch dramatischer werden. Das der Erhalt der Umwelt vor der Profitgier der Energiekonzerne und anderer Partizipanten nachhaltiges Gehör findet ist eher unwahrscheinlich. Neutrino-Energy wäre die Lösung vieler Komplikationen - Emissionsfreie Energy als UNENDLICHE RESSOURCE. Es liegen spannende internationale Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Frau Kanzlerin und Siemens, sind SIE nicht informiert?

  • Oh ja, der Autor Afhüppe schreibt recht lieb über die Kanzlerin, die der Siemens Chef so mag.... der Siemens Chef mag aber auch Trump!

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