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Energiegeschäft Siemens-Konzernaufspaltung: Joe Kaeser muss Investoren noch überzeugen

Vor der Abspaltung der Energiesparte muss Siemens noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Der verbleibende Konzern kann auf eine Höherbewertung hoffen.
02.01.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren
Mit dem Energiegeschäft trennt sich Siemens von einem Teil seiner Wurzeln. Quelle: unsplash
Windrad von Siemens Gamesa

Mit dem Energiegeschäft trennt sich Siemens von einem Teil seiner Wurzeln.

(Foto: unsplash)

München Vorstandschef Joe Kaeser hat es einen „Eingriff in die DNA von Siemens“ genannt: In diesem Jahr spaltet der Traditionskonzern sein Energiegeschäft unter dem Namen Siemens Energy ab. Damit trennt sich der Technologiekonzern nicht nur von etwa 40 Prozent seines Umsatzes, sondern auch von einem Teil seiner Wurzeln.

Es entstehe ein „fokussierter und einzigartiger Komplettanbieter in diesem Markt“, pries Kaeser das neue Konstrukt. Das klingt nach markigen Worten, war doch gerade das Geschäft mit großen Gasturbinen in den vergangenen Jahren wegen der anhaltenden Marktkrise ein Restrukturierungsfall.

Nach Einschätzung von Investoren muss deshalb in den nächsten Monaten viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. „Strukturell herausgeforderte Geschäfte werden vom Markt in der Regel nicht hoch bewertet“, sagte DWS-Analyst Tobias Hallenberg dem Handelsblatt. Entscheidend werde sein, „welche Equity-Story dem Kapitalmarkt in den nächsten Monaten präsentiert wird, um das noch verhaltene Investoreninteresse zu wecken“.

Laut Industriekreisen will Siemens unter anderem aufzeigen, dass die Energy-Sparte eben nicht nur aus dem kriselnden Gasturbinengeschäft besteht. Dies habe in den vergangenen Jahren auch wegen des massiven Stellenabbaus viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dabei seien attraktive und stabile Geschäfte wie die Stromübertragungssparte in den Hintergrund gerückt.

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    Durch die Alleinstellung von Siemens Energy bekämen diese nun mehr Sichtbarkeit. Vera Diehl, Portfoliomanagerin bei Union Investment, ist dennoch zurückhaltend: „Wir müssen erst einmal die Details zur Ausgliederung der Siemens Energy genannt bekommen: Wie ist die Bilanz ausgestattet? Wie hoch ist der Verschuldungsgrad? Wie hoch sind die Verwaltungskosten? Wie hoch ist die neue Siemens AG an Siemens Energy beteiligt?“

    Die neue Gesellschaft müsse erst einmal beweisen, dass sie Marktanteile gewinnen könne und neue margenstarke Aufträge erhalte, so Diehl. Die Investoren wollten bessere Margen und eine Steigerung des freien Cashflows sehen.

    Der Siemens-Chef baut noch einmal kräftig um, bevor er geht. Quelle: Thomas Dashuber für Handelsblatt
    Joe Kaeser

    Der Siemens-Chef baut noch einmal kräftig um, bevor er geht.

    (Foto: Thomas Dashuber für Handelsblatt)

    Grundsätzlich stößt Kaesers Großprojekt aber auch an den Kapitalmärkten auf Zustimmung. „Aus Investorensicht ist die Abspaltung prinzipiell zu begrüßen“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance bei Deka Investment. „Sie reduziert die Komplexität des Unternehmens insgesamt und führt im besten Fall dazu, dass Werte gehoben werden können.“

    Allerdings sei die Abspaltung kein Selbstzweck, die Einheiten müssten auch liefern. „Der Druck auf die einzelnen Einheiten wird nun steigen, die Erwartungshaltung des Kapitalmarkts ist hoch.“ Auch Portfolio-Managerin Diehl von Union Investment sagt, Kaesers Idee, sich fokussierter aufzustellen, sei „richtig, aber nicht neu“.

    Entscheidend sei, wie es dann weitergehe. „Nur weil eine Sparte des historisch gewachsenen Geschäfts momentan nicht sexy erscheint und ausgegliedert wird, macht das den Rest nicht unbedingt attraktiver.“ Es hänge von vielen Faktoren ab, ob Kaesers Plan aufgehe.

    Grafik

    Siemens-Vorstand Michael Sen, der den neuen Koloss mit mehr als 30 Milliarden Euro Umsatz und weltweit 88.000 Mitarbeitern führen soll, sieht mehrere Gründe für Optimismus. „Die Welt braucht eine nachhaltige, bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung“, sagte er bei Vorlage der Bilanz. Der Bedarf nach Elektrifizierung steige.

    Siemens Energy sei der einzige Anbieter, der die gesamte Palette von den Stromnetzen über konventionelle Energieerzeugung bis zu den erneuerbaren Energien mit Siemens Gamesa im Portfolio habe. Als unabhängiges Unternehmen könne Siemens Energie sich ganz auf das Thema Energie fokussieren.

    „Wir haben nun die Freiheit, unsere eigenen Strategie- und Investitionsentscheidungen zu treffen und gewinnen damit deutlich an Geschwindigkeit.“ Im alten Siemens-Konzern sprach nur wenig für Investitionen in das Energiegeschäft, lockten bei den digitalen Industrien und der Medizintechnik doch höhere Margen.

    Sen sieht es zudem als Vorteil, dass das Unternehmen „die DNA von Siemens“ in sich und im Namen trage. Große Kraftwerke sind Projektgeschäft, in dem die Kunden einen langfristig verlässlichen Anbieter brauchen. In Industriekreisen wird daher beteuert, dass Siemens die Sparte gut kapitalisiert in die Eigenständigkeit schicken wird. Für die Nutzung des Namens Siemens wird das Unternehmen allerdings bezahlen müssen.

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