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Solarworld verhandelt mit Evonik

ExklusivSolarworld will Sonnenenergie speicherbar machen und plant eine Kooperation mit Batterieproduzenten. Erster Ansprechpartner ist dabei offenbar der Industriekonzern Evonik. Auf dem deutschen Markt wäre ein Energiespeicher für Eigenversorger eine absolute Neuheit. Zudem hat Solarworld Zahlen vorgelegt. Die Aktie reagiert mit deutlichen Abschlägen.

Solarworld will Solarenergie für den Eigenverbrauch nutzbar machen. Quelle: ap

Solarworld will Solarenergie für den Eigenverbrauch nutzbar machen.

(Foto: ap)

BONN/DÜSSELDORF. Solarworld will Sonnenenergie speicherbar machen und plant eine Kooperation mit Batterieproduzenten. „Wir sind mit zwei Herstellern im Gespräch“, sagte Firmenchef Frank Asbeck dem Handelsblatt. Namen wollte er zwar nicht nennen, wie aber aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen zu hören ist, strebt Deutschlands größter Solarkonzern mit dem Industriekonzern Evonik eine Zusammenarbeit an.

Asbeck will sich mit den Kooperationen einen zusätzlichen Markt erschließen. „Wir werden noch in diesem Sommer ein Energiepaket für Eigenstromversorger anbieten“, kündigte er an. „Darin kombinieren wir eine Solarstromanlage mit einem Batteriespeicher und einer Verbrauchskontrolle.“

Er wäre damit der Erste im deutschen Markt, der eine praktikable Lösung für die Nutzung von Solarenergie für den eigenen Bedarf anbietet. „Das gibt es bislang noch nicht als fertiges System für den normalen Haushalt“, bestätigte eine Sprecherin des Bundesverbands Solarwirtschaft in Berlin. Die bisherigen Batterien seien dafür noch zu teuer.

Asbeck reagiert darauf, dass die Förderung für Solaranlagen auf Dächern stark gekürzt wird. Bislang verbrauchen Hausbesitzer den Strom nicht selbst, sondern speisen ihn ins öffentliche Netz ein und erhalten dafür eine üppige Vergütung. Die Bundesregierung will die Einspeisevergütung für Privathaushalte aber über die bereits im Erneuerbaren-Energien-Gesetz vereinbarten Kürzungen hinaus zum 1. Juli um 16 Prozent senken. Die Branche fürchtet dadurch massive Umsatzeinbußen, weil die Neuregelung die Attraktivität der Solaranlagen auf Hausdächern senkt und die Preise für Solarzellen unter Druck setzt.

„Die einmalige Kürzung bei der Einspeisevergütung führt zu einer schnellen Konzentration in der deutschen Solarbranche“, befürchtet Asbeck. „Von derzeit etwa 50 Firmen wird in den nächsten zwei Jahren nur etwa eine Handvoll überleben.“

Mit der Kürzung der Einspeisevergütung wird es für Verbraucher attraktiver, den Strom aus ihrer Solaranlage nicht ins allgemeine Netz einzuspeisen, sondern selbst zu nutzen. Asbeck sieht deshalb für sein Paket aus Solarmodulen, Schalttechnik und Batterie ein großes Geschäft. „Wir peilen den Massenmarkt an“, sagt er. Die Batterie werde die Größe einer Waschmaschine haben und zu einem Systempreis von etwa 3 000 Euro angeboten werden.

Asbeck hat ausgerechnet, dass Kunden „etwa 25 Prozent des Tagesbedarfs in der Batterie speichern“ können. So können sie ihre Hausgeräte auch dann mit Solarstrom versorgen, wenn die Sonne nicht scheint.

Ein Evonik-Sprecher wollte Gespräche mit Solarworld über eine Zusammenarbeit bei Stromspeichern nicht bestätigen. In den informierten Kreisen wurde der Evonik-Konzern mit seiner Lithium-Ionen-Technologie aber als geborener Partner bezeichnet.

„Die großen Solarkonzerne brauchen diese Technologie, um Sonnenstrom mit Hilfe von Speichertechniken attraktiver zu machen“, hieß es. Zudem gebe es zwischen den beiden Unternehmen bereits eine gute Beziehung. Solarworld und Evonik betreiben ein Gemeinschaftsunternehmen, das am Standort Rheinfelden hochreines Solarsilizium produziert.

Bei dem Batterie-Projekt wäre Evonik für Solarworld ein kompetenter Partner. Das Unternehmen hatte bereits Ende 2007 mit dem Autohersteller Daimler eine strategische Allianz gebildet, um leistungsstarke Akkus in Elektro- und Hybridfahrzeugen einzusetzen. Zusätzlich will das Unternehmen in den Markt für stationäre Stromspeicher einsteigen, der in den nächsten Jahren auf mehrere Milliarden Euro anwachsen soll.

Solarworld-Chef Asbeck arbeitet aber auch noch an anderen Kooperationen. Während Konkurrenten wie der Solarzellenproduzent Q-Cells aus Thalheim bei Bitterfeld und der Berliner Solarmodulhersteller Solon um ihre Existenz kämpfen, nimmt er Kurs auf die Golfstaaten.

Solarworld plant den Ausbau der Siliziumkapazitäten und will sich deshalb an einem neuen Polysilizium-Werk in den Emiraten beteiligen.

Noch diese Woche, so ist aus Branchenkreisen zu hören, wird er eine größere Investition in dieser Region verkünden. Es ist bekannt, dass Katar im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern ein ernsthaftes Interesse an der Solartechnik hat und in die Produktion von Silizium und Wafern einsteigen will. Später soll die Fertigung von Solarzellen und -modulen hinzukommen.

Katar verfügt über reichlich Gas, das es für die energieintensive Siliziumproduktion einsetzen kann. Das senkt die Fertigungskosten. Asbeck macht keinen Hehl daraus, dass „der Markt für uns hochinteressant ist“. In den letzten Monaten war er in Delegationen sowohl mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) als auch mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) auf Rundreisen auch zu Gesprächen in Katar.

Wie hoch das finanzielle Engagement beim neuen Polysilizium-Werk sein wird, ist offen. Asbeck hatte sich im Januar 400 Mio. Euro frisches Geld über eine Anleihe besorgt. Der Betrag ist Teil eines Investitionsprogramms in Höhe von einer Mrd. Euro. So baut der Konzern in Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon eine neue Fertigung von Solarstrommodulen von 350 Megawatt. Gleichzeitig plant Asbeck, die Waferfertigung im sächsischen Freiberg bei Dresden auf 1 000 Megawatt jährlich zu verdoppeln.

Derweil hat der Preisverfall in der Solarbranche die Gewinne von Solarworld 2009 kräftig gedrückt. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente der Bonner Konzern 151,8 (2008: 263,3) Mio. Euro, wie Solarworld am Donnerstag mitteilte. Netto brach der Gewinn auf 59 (148,7) Mio. Euro ein. Vor allem in zweiten Halbjahr seien die Modulpreise zurückgegangen, teilte Solarworld mit.

Kostensenkungen und ein gestiegener Absatz hätten dies nicht kompensieren können. Die Solarworld-Konkurrenten Q-Cells und Solon hatten jüngst Rekordverluste und Umsatzeinbrüche bekanntgegeben.

Die liquiden Mittel bezifferte der Vorstand-Solarworld mit 936 Mio. Euro. Wie Solarworld bereits Anfang des Jahres mitgeteilt hatte, legte wegen der hohen Nachfrage der Umsatz 2009 um rund 100 Mio. Euro auf 1,012 Mrd. Euro zu.

Der Vorstand kündigte nun an, dass die Erlöse auch im laufenden Jahr die Milliardengrenze „nachhaltig“ überschreiten sollen.

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