Energieversorgung Angriff der Kleinen

Früher war die Welt der Energieversorger übersichtlich: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW hatten Deutschland unter sich aufgeteilt. Doch mit der Energiewende kommt die Wende auf dem Markt: Kleine Stadtwerke machen mobil.
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Energiewende vom Land: Photovoltaikanlage im brandenburgischen Dorf Dallgow-Döberitz. Quelle: dpa

Energiewende vom Land: Photovoltaikanlage im brandenburgischen Dorf Dallgow-Döberitz.

(Foto: dpa)

KasselWenn die Sonne mittags hoch am Himmel steht, muss man auf dem Weg ins Tal nach Altenhasungen die Augen zukneifen. Zu viele Solarmodule auf den Dächern des kleinen Dorfes in der Mitte von Deutschland spiegeln das grelle Sonnenlicht wieder - da hilft auch eine schützende Brille wenig.

Auf dem Land war die Energiewende schon Thema, als Kanzlerin Angela Merkel noch nicht den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte. Dank üppiger Einspeisevergütungen hat sich in Dörfern wie Philippinenburg, Istha und Oelshausen bei Kassel in Nordhessen jeder, der es sich leisten konnte, längst ein paar Module auf sein Dach geschraubt. 

Die Energiewende kommt vor allem von unten, aus Dörfern wie Altenhasungen. Viele Mini-Kraftwerke auf Dächern und Feldern statt weniger großer Atommeiler – das ist die neue Richtung. Die kleinen Stadtwerke nutzen nun diesen Trend zur Dezentralisierung und greifen die großen Energieriesen an: Allein im vergangenen Jahr steigerten sie ihren Marktanteil von unter 10 auf fast 13 Prozent.

Rund 4400 Megawatt neue Stromerzeugungskapazität sind derzeit im Bau oder in Genehmigungsverfahren. Bis 2020 wollen die Stadtwerke einen Marktanteil von 20 Prozent haben. Möglich machen ihre Aufholjagd viele kleinteilige Lösungen und eine vielversprechende Technologie, die die zahlreichen Mini-Kraftwerke verbindet.

Die Stadtwerke sind derzeit im Vorteil gegenüber den vier großen Energieversorgern. „Die großen Versorger wurden von der Energiewende kalt erwischt“ sagt Josef Auer, Energieexperte bei Deutsche Bank Research zu Handelsblatt Online. RWE, Eon, Vattenfall und EnBW, die rund 80 Prozent des Strommarktes kontrollieren, müssen nun erst einmal ihre Wunden lecken. Der deutsche Marktführer RWE hat seinen Schaden durch die Energiewende in einer noch laufenden Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland auf acht Milliarden Euro beziffert. Insgesamt fordern die großen Versorger RWE, Eon und Vattenfall 15 Milliarden Schadensersatz dafür, dass sie ihre Atommeiler abschalten mussten.

„Ernstzunehmende Konkurrenz“
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14 Kommentare zu "Energieversorgung: Angriff der Kleinen"

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  • Das dezentrale Modell ist erst nachhaltig wenn die Erneuerbaren beim wirtschaftlich notwendigen Stromverkaufspreis unter den bisherigen Strommix fallen, und zwar über Privat- und Industriekunden hinweg. Bis dahin bleibt das ganze subventionsabhängig, die "Rendite" des Bürgerwindrads für die Anteilseigner wird ja aus der EEG-Umlage bezahlt.

  • Das ist ja schoen, dass subventionierte, schwankende Energiequellen jetzt die stabilen Energiequellen auf dem Markt schlagen koennen.
    Wir sollten das auf die nahrungsmittelversorgung ausdehen: Jeder, der verfaultes Essen anbieten kann, bekommt dafuer Subventionen, damit die Hersteller essbarer Nahrungsmittel endlich besiegt werden.

  • Solche Projekte wie dieses in der Schweiz gibt es auch in Deutschland.
    http://www.energiegenossenschaft.ch/
    Nur als Anreiz für Leute, die nicht nur große Reden schwingen ;-)

  • Speichermedien sind Druckluft in stillgelegten Kraftwerken, erhitztes Öl wie in Solarthermiekraftwerken und Millionen E-Autos die vernetzt ein reisiges Dezentrales Kraftwerk ergeben. Man muss nur wollen, wir haben alles was wir brauchen schon erfunden und getestet. Und in anderen Ländern läufts, während wir Diskutieren (ähnlich TransRapid).

  • Verstehe ich nicht?
    Wie soll eine Solaranlagenbetreiber bei einem Liefervertrag mit einer Aluhütte mitmischen können? David gegen Goliath - immer die alte "Neid"-Debatte auf die Großen und dabei sich als moralischer Sieger fühlen. Macht zwar für den Einzelnen ein angenehmes Gefühl, bringt aber der Gemeinschaft nichts.

  • Altfette z.B. wären geeignet. Mit gutem Grund hat die Lobby zugesehen, dass diese energiedichte Substanz im Biodiesel landet und nicht in Notstromern als Regelleistung genutzt wird. Übrigens entgegen allem wissenschaftlichen Rat.

    Für die Volkswirtschaft bringen regional betriebene Ökostromanlagen eine ganze Menge, da das Kapital vor Ort bleibt und die Wirtschaft ankurbelt, anstatt irgendwo in australischen Uran- oder südamerikanischen Kohleminen oder ... zu versickern.

    Es spricht nichts gegen Großverbraucherkraftwerke für Großverbraucher und Kleinanlagen parallel. Dann müssen die Großkraftwerksbetreiber sich mit ebenbürtigen Verhandlungsgegnern auseinandersetzen.

  • Es ist immer Ansichtssache, wer Blödsinn erzählt.
    Zeigen sie mir bitte die Speichermedien, die so große Schwankungen auffangen können.
    Dezentral ist möglich, dass ist nicht die Frage. Die Frage ist, zu welchem Preis. Wenn wir hier amerkanische Verhältnisse haben wollen und 10 bis 15 Stunden im Jahr auf Strom verzichten können.
    Noch ein Punkt zum Nachdenken: Warum passiert die Energiewende i.W. auf dem Land - weil dort kaum Großverbraucher sind. Ein paar Haushalte zu vernetzen ist schön, bringt aber nichts für die gesamte Volkswirtschaft.

  • Dann zahlen Sie zuviel.
    Schauen Sie sich mal die Tarife bei den Stadtwerken Tübingen an. Besonders TüStrom Online.
    Und für Gas werden Sie bei der RhenAG mit den Gaspar Tarifen sehr günstig fahren.

  • Hi Oldi...nahezu alle Staaten der Welt haben ein zentrales Stromnetz errichtet.

    Im Nahen Osten, wo der Diesel nichts kostet hatte ich ein paar Fabriken gesehen die sich Cummins, Caterpillar, Wärtsilä Diesel hingestellt hatten. Dauernde Schwierigkeiten mit der Frequenzstabilität und dergleichen waren die Folge.

    Die Kosten eines Grosskraftwerkverbunds können Sie mit kleinen Anlagen nicht toppen, selbst wenn sich der Versorger eine gute Marge gönnt.

    Das wenn Sie nachdenken mögen...

    Vandale

  • @vandale: Unsinn den sie da mal wieder erzählen. Speicherkraftwerke werden das ausgleichen, und tun das auch heute schon da sich Grosskraftwerke nicht nach belieben an und abschalten lassen. Grosskraftwerke werden eines Tages überflüssig sein. Die Energie da zu erzeugen wo sie gebraucht wird im kleineren Ramen das wird die Zukunft sein.

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