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Energieversorgung Wettkampf um Milliardenauftrag – Siemens und GE unterzeichnen Abkommen mit dem Irak

Siemens und GE konkurrieren um einen Milliarden-Auftrag im Irak. Die US-Regierung hat massiv Druck zu Gunsten von GE gemacht, doch Siemens ist nicht ganz aus dem Spiel.
Update: 21.10.2018 - 13:11 Uhr Kommentieren
Der Siemens-Chef unterzeichnete am Sonntag eine Absichtserklärung mit der irakischen Regierung, dass auch die Siemens-Roadmap weiter verfolgt werden soll. Quelle: Twitter
Joe Kaeser und Qasim Al-Fahdaw

Der Siemens-Chef unterzeichnete am Sonntag eine Absichtserklärung mit der irakischen Regierung, dass auch die Siemens-Roadmap weiter verfolgt werden soll.

München, Berlin Siemens und der Erzrivale General Electric liefern sich einen harten Wettbewerb um einen Milliarden-Auftrag zum Wiederaufbau der Energieversorgung des Irak. Nachdem die US-Regierung zuletzt hinter den Kulissen massiv Druck zu Gunsten der GE-Offerte gemacht hatte, gibt es wieder etwas mehr Hoffnung für Siemens: Vorstandschef Joe Kaeser unterzeichnete am Sonntag eine Absichtserklärung mit der irakischen Regierung, dass auch die Siemens-Roadmap weiter verfolgt werden soll.

Kaeser schickte am Sonntagmorgen ein Foto über den Nachrichtenkanal Twitter in die Welt hinaus. Das Bild zeigt ihn beim Handschlag mit dem irakischen Elektrizitätsminister Qasim Al-Fahdaw. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung sei ein „großartiger Meilenstein für den neuen Irak“. Siemens sei bereit, sofort zu beginnen und freue sich darauf, eng mit der irakischen Regierung zusammenzuarbeiten, um sofort spürbare Verbesserungen für die Menschen im Irak zu erreichen.

Doch den Gesamtauftrag mit einem Volumen von acht bis 13 Milliarden Euro hat Siemens damit laut Industriekreisen noch keineswegs sicher. Denn auch der Rivale General Electric hat ein Abkommen mit der irakischen Regierung unterzeichnet. Es seien „Prinzipien für die Kooperation“ vereinbart worden, um den Irak beim Aufbau des Energiesektors und der Wiederbelebung der Wirtschaft zu unterstützen, teilte GE am Sonntag mit. Der Aktionsplan sehe unter anderem den Aufbau von zusätzlichen Stromerzeugungskapazitäten von 14 Gigawatt vor. Über diesen Plan hatte das Handelsblatt bereits berichtet.

Damit sehen sich nun GE und Siemens weiter im Spiel. Industriekreise in beiden Ländern gehen davon aus, dass GE und Siemens am Ende einen Teil des Kuchens bekommen werden. Allerdings machen sich die Amerikaner große Hoffnungen auf den Löwenanteil.

GE will laut der Vereinbarung bereits 2019 zusätzliche Erzeugungskapazitäten von 1,5 Gigawatt zur Verfügung stellen. Dadurch könnten bis zu 1,5 Millionen Haushalte versorgt werden. „Wir wissen, wie wichtig es ist, sofort Energie zu liefern“, sagte Russel Stokes, Chef der GE-Power-Sparte. GE sei seit mehr als 50 Jahren im Irak und beschäftige bereits 300 Mitarbeiter vor Ort. Die Vereinbarung sieht auch den Aufbau eines lokalen Technologiezentrums im Irak vor.

GE verspricht in dem Abkommen auch, bestehende Anlagen zu warten und aufzurüsten. Die Vorschläge könnten dem Irak helfen, drei Milliarden Dollar im Jahr einzusparen. GE werde bei der Finanzierung helfen.

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Siemens hatte bereits im Jahr 2016 eine weitreichende Energiepartnerschaft mit dem Irak vereinbart. Der Konzern sollte ein umfassendes Energiekonzept entwickeln und die Regierung bei der Entwicklung und dem Ausbau der Stromerzeugung und des Stromnetzes beraten.

In den vergangenen Jahren hatte der Konzern eine detaillierte Roadmap ausgearbeitet. Laut Siemens geht es um neue Energieerzeugungskapazitäten von elf Gigawatt über vier Jahre und Stromübertragungstechnik. Damit sollen 23 Millionen Menschen rund um die Uhr zuverlässig mit Strom versorgt werden. Mit Schnellmaßnahmen soll innerhalb von drei Monaten bis zu 300.000 Menschen geholfen werden.

Der Konkurrent General Electric sprang laut Industriekreisen erst vergleichsweise spät auf den Zug auf. Allerdings können sich die Amerikaner auf die Unterstützung der US-Administration und Hilfe bei der Finanzierung verlassen. Die USA haben noch Truppen im Irak, die für Sicherheit sorgen sollen.

Die Bundesregierung hat Siemens hinter den Kulissen stark unterstützt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen sogar persönlich beim irakischen Premierminister an. Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, hatte Kaeser bei seinem jüngsten Besuch in Bagdad begleitet und beim irakischen Parlamentssprecher Mohammed al-Halbousi für die Siemens-Offerte geworben.

„Deutschland hat hervorragende Firmen, die international erfolgreich arbeiten. Siemens hat zum Beispiel ein sehr überzeugendes Gesamtkonzept im Irak vorgelegt. Damit kann die neue irakische Regierung eine nachhaltige Entwicklung für die Menschen auf den Weg bringen. Die Bundesregierung begrüßt die zwischen Siemens und der irakischen Regierung unterzeichnete Absichtserklärung und unterstützt diesen langfristigen Prozess“, sagte Bareiß dem Handelsblatt.

Siemens setzt auf die Überzeugungskraft seines Gesamtkonzepts. Dieses sieht vor allem auch eine Ertüchtigung der bestehenden Systeme vor. Mit mobilen Transformatorenlösungen könne zum Beispiel das Netz geflickt werden, hieß es in Industriekreisen. Zudem sei geplant, den Irak über Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) an die Netze der Nachbarländer anzubinden. Siemens setzt zudem auf eine Nutzung des sogenannten Flare-Gases, das bislang auf den Förderfeldern abgefackelt wird.

Die Bedeutung der Absichtserklärung mit Siemens darf nicht überbewertet werden. Es handle sich nicht um ein „komplett bindendes“ Memorandum of Understanding, hieß es in Industriekreisen. Der bislang größte Auftrag in der Konzerngeschichte mit Ägypten, der als Vorbild für den Irak-Deal gilt, hatte zwar auch mit einer Absichtserklärung begonnen. Diese war aber schon deutlich konkreter. Der Auftrag mit einem Gesamtvolumen von acht Milliarden Euro für Gasturbinen und Windräder war auch einfacher abzuwickeln, weil drei große Gaskraftwerke in der Wüste neu errichtet wurden.

Im Irak geht es dagegen um unzählige Einzelaufträge, die über viele Jahre abgewickelt werden. Doch genau das macht den Auftrag für GE und Siemens auch so interessant: Die Kapazitäten könnten über viele Jahre ausgelastet werden. Beide Unternehmen haben vor allem in ihrer Kraftwerkssparte mit einem Markteinbruch zu kämpfen und haben einen Stellenabbau angekündigt.

Siemens-Chef Kaeser war bereits im September nach Bagdad gereist. Dort verkündete er unter anderem die Stiftung einer intelligenten Klinik, die mit Solarenergie und Siemens-Medizintechnik ausgestattet werden soll. Zudem will Siemens dem Irak unter anderem Software für eine „Schule der Zukunft“ zur Verfügung stellen.

Kaeser unterzeichnet Absichtserklärung mit Irak – Aktie steigt

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