Energiewende Autobauer machen Druck wegen E-Autos

E-Autos sind noch immer Exoten auf deutschen Straßen. Dabei sollen es in fünf Jahren eine Million sein. Die Autobauer kassieren dieses Ziel nun ein. Das Regierungsziel sei aus heutiger Sicht einfach unerreichbar.
Eine BMW-Mitarbeiterin montiert Räder in der Produktion des Elektrowagens i3. Der i3 ist der erste in Großserie gefertigte BMW mit Elektroantrieb. Doch Deutschland ist in Sachen Elektromobilität weit vom selbst gesteckten Ziel entfernt. Quelle: dpa
E-Autos in Deutschland

Eine BMW-Mitarbeiterin montiert Räder in der Produktion des Elektrowagens i3. Der i3 ist der erste in Großserie gefertigte BMW mit Elektroantrieb. Doch Deutschland ist in Sachen Elektromobilität weit vom selbst gesteckten Ziel entfernt.

(Foto: dpa)

BerlinDeutsche Autobauer fordern mehr Engagement der Bundesregierung beim Ausbau der Elektromobilität. Das Regierungsziel von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen bis 2020 sei aus heutiger Sicht unerreichbar, sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche der „Bild am Sonntag“. „Wenn die Politik bis 2020 auf diese Zahl kommen möchte, müsste sie die Bedingungen ändern.“ Ein BMW-Sprecher nannte das Vorhaben „sehr ambitioniert“. Er forderte bessere Rahmenbedingungen beim Kauf von E-Autos wie steuerliche Vorteile für den Aufbau von Unternehmensflotten. „Politische Unterstützung ist vonnöten“, sagte der Sprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Porsche-Boss Matthias Müller warf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor, sich nicht für das Thema zu interessieren. „Die Autoindustrie in Deutschland steckt etliche Milliarden in die Elektromobilität, und die Bundesregierung schaut dabei zu“, sagte Müller der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Andere Länder wie die Niederlande böten neben Kaufanreizen auch ein großes Netz an Schnellladestationen. Hingegen sagte der BMW-Sprecher, das Thema „stößt in der Politik nicht auf taube Ohren“.

Das Bundesverkehrsministerium verwies auf ein „umfangreiches Maßnahmenpaket zur Förderung der Elektromobilität“. Dazu gehöre etwa die Befreiung der E-Fahrzeuge von der Kfz-Steuer und Privilegien auf Sonderfahrspuren sowie kostenfreie Parkplätze, teilte ein Ministeriumssprecher in Berlin mit. „Aktuell bauen wir ein flächendeckendes Netz an Schnellladesäulen an den Autobahnraststätten auf, das durchschnittlich alle 30 Kilometer verfügbar ist.“

Was die stärksten und schnellsten Elektro-Autos leisten
McLaren P1
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Ein zusätzlicher Elektromotor kann ein Auto sparsamer, aber auch schneller machen: Der McLaren P1 wird zum Beispiel von einem 179 PS starken Elektromotor angetrieben, dessen Batterie auch an der Steckdose geladen werden kann. Da der Wagen so aber nur elf Kilometer weit kommt, haben die Ingenieure zur Unterstützung noch einen Benzinmotor eingebaut. Der 3,8 Liter große V8-Biturbo bringt es auf 737 PS ...

MCLaren P1
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Mit der Systemleistung von 916 PS bringt es der P1 auf extreme Beschleunigungswerte: von 0 auf 100 km/h in 2,8 Sekunden, 0 auf 200 km/h in 6,8 Sekunden, erst bei 350 km/h ist Schluss. Der Normverbrauch bleibt mit 8,3 Litern erträglich – dem Elektromotor sei dank. Wer jetzt Interesse hat, ist leider zu spät dran: Trotz eines Stückpreises von 1,1 Millionen Euro waren alle 375 Exemplare noch vor Beginn der Serienproduktion verkauft.

McLaren P1 GTR
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Wenn einem der 375-P1-Besitzer das Gefährt auf Dauer zu langweilig ist, kann er sich zusätzlich einen P1 GTR kaufen. Der GTR ist allerdings auf 35 Fahrzeuge limitiert. Dafür gibt es jede Menge Spaß auf der Rennstrecke: Der Benziner leistet jetzt 800 PS, der Elektromotor 200 PS. Macht zusammen exakt 1.000 PS. Da McLaren nicht nur die Leistung gesteigert hat, sondern den P1 GTR konsequent auf Rennsport getrimmt hat, ist leider die Straßenzulassung verloren gegangen ...

McLaren P1 GTR
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In der heimischen Garage darf der GTR-Besitzer seinen Rennwagen aber nicht bewundern: Die Autos bleiben bei McLaren und werden von den Briten zu acht Events pro Jahr eingeflogen. Nach dem der Fahrer seinen P1 GTR auf einer der aktuellen Formel-1-Strecke ans Limit getrieben hat, wird der McLaren zurück nach Woking gebracht – bis zum nächsten Event. 2,5 Millionen Euro kostet der Spaß.

LaFerrari
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Nicht nur in der Formel 1 duellieren sich McLaren und Ferrari, sondern auch auf der Straße – zumindest beim Kampf um die zahlungskräftige Kundschaft. Das Spitzenmodell der Italiener, der LaFerrari, steht in vielerlei Hinsicht in direkter Konkurrenz zum P1. Auch hier wird der Benzinmotor von einer kräftigen E-Maschine unterstützt. Zusammen mit dem 6,3-Liter-V12 bringt es der LaFerrari so auf 963 PS. Nicht nur bei der Leistung, auch bei der Beschleunigung liegt der rote Flitzer aus Maranello vor dem McLaren: Beim besonders relevanten Spurt aus dem Stand auf 300 km/h nimmt der LaFerrari mit 14,0 Sekunden dem P1 ganze 1,5 Sekunden ab.

LaFerrari
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Es gibt aber auch Unterschiede zum McLaren P1: An der Steckdose wird man einen LaFerrari nicht sehen, seine Batterie wird nur von dem V12 aufgeladen. Rein elektrisch fahren kann der LaFerrari auch nicht wirklich: Nur beim Einparken bis sechs km/h ist der V12 abgeschaltet, selbst bei Stadt-Tempo läuft der Benziner die ganze Zeit mit. In einem Punkt ähneln sich McLaren und Ferrari wieder: Interessenten sind zu spät dran, alle Fahrzeuge – in diesem Fall 499 Stück – sind bereits vergeben.

Ferrari FXX K
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Was McLaren mit dem P1 GTR macht, hat eigentlich Ferrari erfunden: Von dem Supersportwagen der 2000er-Jahre, dem Enzo, entstand –damals noch mit Hilfe von Michael Schumacher – der FXX. Ein radikales "Forschungs- und Entwicklungsauto", wie Ferrari es nennt, das die besonders treuen und zahlungskräftigen Kunden bei einigen Veranstaltungen auf der Rennstrecke ausführen durften. Auch der LaFerrari hat seinen Rennstrecken-Ableger, den FXX K. Das "K" steht für das Energierückgewinnungssystem KERS, das an das Hybrid-System der Formel 1 angelehnt ist. Die ungewöhnliche Optik ist einer verbesserten Aerodynamik geschuldet, die aber notwendig ist, um die 1050 PS auf der Straße, äh Rennstrecke, zu halten. 40 Exemplare zum Stückpreis von 2,5 Millionen Euro sollen in den nächsten beiden Jahren entstehen.

Allerdings forderte auch Zetsche weitere Anreize wie etwa steuerliche Vorteile. Hintergrund sei, dass E-Fahrzeuge in der Herstellung immer noch deutlich teurer seien als Verbrennungsfahrzeuge. Damit verdiene bislang kein Autobauer Geld.

Deutschland ist in Sachen Elektromobilität weit vom selbst gesteckten Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 entfernt. Zu Jahresbeginn 2015 waren nur knapp 19 000 reine Elektroautos zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahr war das aber immerhin ein Plus von 56 Prozent.

Der Porsche-Chef betonte, auch der Stuttgarter Sportwagenkonzern beschäftige sich mit einem E-Auto. „Aber glauben Sie mir, eine siebte Baureihe muss trotz allem ein sehr Porsche-typisches Fahrzeug sein.“ Müller gab sich skeptisch, was die Entwicklung hin zu selbstfahrenden Autos angeht. „Dieser Digitalisierung und Automatisierung werden auch wir uns nicht völlig verschließen, aber ein 911er-Fahrer wird auch in Zukunft gerne selber fahren, Gas geben, bremsen, lenken und schalten.“

  • dpa
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