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Energiewende Stromkonzerne preschen bei Atomkraft vor

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"Der volkswirtschaftliche Nutzen ist groß", sagte Bernotat. Natürlich sei es von Vorteil, wenn man Anlagen so lange betreiben könne, wie es technisch machbar ist. Ansonsten müsste viel Geld in Ersatzkapazitäten investiert werden. Bernotat ist sich der Erwartungshaltung in der Politik aber bewusst. "Der Erste fordert Investitionen in erneuerbare Energien, der Zweite in CO²-freie Kohlekraftwerke, der Dritte will Sozialtarife und der Vierte Unterstützung für die energieintensive Industrie. Letztlich ist es eine politische Entscheidung. Wir sind jedenfalls gesprächsbereit", sagte der Eon-Chef. Insgesamt erwartet Bernotat von der neuen Regierung eine Versachlichung der Energiepolitik. "Es gibt endlich die Chance, dass wir eine Energiepolitik aus einem Guss bekommen."

Für Katherina Reiche (CDU) ist der Fall klar: "Wir kommen an der Kernkraft als Brückentechnologie nicht vorbei. Die Kernenergie kann dazu beitragen, die Strompreise stabil zu halten", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion dem Handelsblatt. Außerdem ließen sich ohne die Kernkraft ambitionierte Klimaschutzziele nicht erfüllen. Die FDP vertritt dieselbe Meinung.

Im Bundestagswahlkampf hat das Thema eine entscheidende Rolle gespielt. Insbesondere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte für ein striktes Festhalten an der Ausstiegsvereinbarung gekämpft. Die von der ersten rot-grünen Bundesregierung ausgehandelte Vereinbarung sieht vor, dass in Deutschland spätestens im Jahr 2022 das letzte Kernkraftwerk vom Netz geht. Allein in der neuen Legislaturperiode wären voraussichtlich sieben der insgesamt noch 17 Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet worden. In der jetzt endenden Legislaturperiode konnten mehrere Reaktoren nur vor dem Aus gerettet werden, weil sich Revisionsarbeiten oder ungeplante Pausen in die Länge zogen.

Pannen im Kernkraftwerk Krümmel, aber auch die Diskussion um das Endlager Gorleben hatten den Argumenten der Kernkraftgegner zuletzt Auftrieb gegeben. Nun sieht dennoch alles danach aus, als würde der "Ausstieg aus dem Ausstieg" Realität.

Für die vier Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland geht es um viel Geld. Die Anlagen sind abgeschrieben, sie produzieren Strom zu geringen Kosten. Die Unternehmen selbst halten sich mit Angaben zurück. Analysten haben versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat für verschiedene Szenarien den aktuellen Wert einer Laufzeitverlängerung für die drei börsennotierten Betreiber Eon, RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) errechnet. Selbst unter konservativsten Annahmen - einer Verlängerung der Laufzeit um zehn Jahre bei einem Strompreis von 51 Euro je Megawattstunde - würde sich der Wert für Eon auf 8,3 Mrd. Euro summieren, für RWE auf 6,1 Mrd. Euro und für EnBW auf 3,8 Mrd. Euro. Sollte die Laufzeit dagegen um 25 Jahre verlängert werden und der Strompreis 80 Euro betragen, wären es für Eon sogar 31,5 Mrd. Euro, für RWE 22,8 Mrd. Euro und für EnBW 14,6 Mrd. Euro.

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