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Energiewende Thyssen-Krupp und RWE schmieden Wasserstoff-Bündnis

Ziel der beiden Konzerne ist eine längerfristige Wasserstoff-Partnerschaft. Dadurch könnten große Mengen CO2 in der Stahlproduktion reduziert werden.
10.06.2020 - 11:55 Uhr Kommentieren
In der Stahlproduktion entstehen große Mengen Kohlendioxid, die durch den Einsatz von Wasserstoff erheblich reduziert werden können. Quelle: Imago
Thyssen-Krupp-Werk in Duisburg

In der Stahlproduktion entstehen große Mengen Kohlendioxid, die durch den Einsatz von Wasserstoff erheblich reduziert werden können.

(Foto: Imago)

Düsseldorf, Frankfurt Die Traditionskonzerne Thyssenkrupp und RWE wollen in einem ersten größeren Projekt gemeinsam die umweltschonende Wasserstofftechnologie vorantreiben. Die Unternehmen hätten sich darauf verständigt, auf eine längerfristige Wasserstoff-Partnerschaft hinzuarbeiten, teilten die Konzerne am Mittwoch auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Danach könnte der größte deutsche Stromkonzern RWE an seinem Kraftwerksstandort in Lingen im Emsland auf dem Weg der Elektrolyse mit Erneuerbaren Energien Wasserstoff produzieren, der zum Thyssen-Krupp-Stahlwerk nach Duisburg transportiert wird. Dort soll der Wasserstoff als Ersatz für die Einblaskohle dienen, deren Einsatz schon jetzt schrittweise zurückgefahren wird. 70 Prozent dieses Bedarfs sollen mit dem Projekt gedeckt werden können. „Damit stünden rechnerisch rund 50.000 Tonnen klimaneutraler Stahl zu Verfügung“, hieß es.

Allerdings bedeutet das nicht, dass damit auch 70 Prozent weniger CO2 ausgestoßen wird. Denn neben der Einblaskohle wird in Hochöfen auch aus Kohle gewonnener Koks verfeuert, der zunächst nicht ersetzt werden kann. Zwar planen die meisten deutschen Stahlhersteller perspektivisch auch hier einen Umstieg auf Wasserstoff.

Doch der Aufwand ist immens: Weil für den Einsatz des klimaneutralen Gases nicht nur große Menge erneuerbarer Energien, sondern auch völlig neue Anlagenkonzepte benötigt werden, peilen die meisten Hersteller die Umstellung erst in den kommenden Jahrzehnten an, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Insgesamt verfügt Thyssen-Krupp über eine Produktionskapazität von jährlich rund 11 Millionen Tonnen Stahl.

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    Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Die Bundesregierung hat dazu eine Nationale Wasserstoffstrategie auf den Weg gebracht. Bislang gibt es eine Reihe von kleineren Pilotprojekten der Netzbetreiber und Versorgungsunternehmen in diesem Bereich. Mit Thyssen-Krupp und RWE steigen nun die industriellen Produzenten und Verbraucher ein, um die Versorgungskette hochzuskalieren. In der Stahlproduktion entstehen große Mengen Kohlendioxid, die durch den Einsatz von Wasserstoff im Hochofen erheblich reduziert werden können.

    Neben dem Umweltschutzaspekt erhofft sich die Schwerindustrie um Thyssen-Krupp, Salzgitter und ArcelorMittal durch die Technologie langfristig auch Wettbewerbsvorteile gegenüber Billigherstellern aus Fernost.

    Thyssen-Krupp und RWE begrüßten, dass das Bundeskabinett am Mittwoch die im Konjunkturpaket vorgesehenen neun Milliarden Euro schweren Pläne für eine Nationale Wasserstoffstrategie vorangebracht hat. Diese sieht den schrittweisen Aufbau einer Wasserstoffproduktion vor.

    Netzanschluss muss noch geklärt werden

    Die Umsetzung der Pläne von RWE und Thyssen-Krupp ist noch an Bedingungen geknüpft. „Voraussetzung für das Zustandekommen der Kooperation ist unter anderem die Entwicklung eines dezidierten Wasserstoffnetzes, um den gasförmigen Wasserstoff von Lingen zum Hüttenstandort der Thyssen-Krupp Steel Europe in Duisburg zu transportieren.“ RWE und Thyssen-Krupp wollen im Austausch mit Gasnetzbetreibern und den Behörden Lösungen für eine rechtzeitige Netzanbindung vorantreiben.

    RWE ist auch Teil des Projekts Get H2 Nukleus, in dem Konzerne wie BP, Evonik, Open Grid Europe und Nowega eine Infrastruktur für Wasserstoff aufbauen wollen. „Die geplante Kooperation mit RWE ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Klimaneutralität“, sagte Thyssen-Krupp-Stahlchef Bernhard Osburg. „Die angestrebte Liefermenge würde bereits zu großen Teilen zur Versorgung eines Hochofens mit grünem Wasserstoff ausreichen und die Produktion klimaneutralen Stahls für rund 50.000 Autos pro Jahr ermöglichen.“

    Thyssen-Krupp wolle zeigen, dass Klimaneutralität im Stahl möglich sei. „Und wir drücken bei der Umstellung unserer Produktion aufs Tempo.“ Die Umstellung eines der vier Hochöfen von Einblaskohle auf Wasserstoff soll bis 2022 umgesetzt werden. Bis Mitte des Jahrzehnts solle möglichst der erste Wasserstoff in Richtung des Duisburger Stahlwerks strömen. Langfristig soll die gesamte Stahlproduktion klimaneutral sein.

    „Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für die Treibhausgasminderung in Deutschland“, betonte der Chef von RWE Generation, Roger Miesen. Die Nationale Wasserstoffstrategie und die geplanten Finanzmittel von neun Milliarden Euro sorgten für den notwendigen Anschub. „Damit eine Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland wirklich Fahrt aufnehmen kann, braucht es jetzt eine schnelle Umsetzung.“

    Thyssen-Krupp will im Konzern bis 2030 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent verringern und bis 2050 klimaneutral sein. Der von Umweltschützern immer wieder ins Visier genommene Versorger RWE wandelt sich derzeit durch die Übernahme der Ökostromgeschäfte von Innogy und der von Eon zu einem der größten Ökostromerzeuger Europas. RWE will bis 2040 klimaneutral Strom produzieren.

    Mehr: BP, RWE und Evonik setzen auf Wasserstoff – und erhöhen den Druck auf die Politik.

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