Engpässe Netzbetreiber unter Strom

Die Energiewende bringt die deutschen Leitungen an ihre Belastungsgrenze. Der Versorgungsengpass vor wenigen Tagen war bereits der dritte innerhalb kurzer Zeit. Die Beteiligten versuchen den Vorfall herunterzuspielen.
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Die Sonne geht hinter einer Hochspannungsleitung unter. Quelle: dpa

Die Sonne geht hinter einer Hochspannungsleitung unter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs war eine unglückliche Verkettung zufälliger Ereignisse, die das deutsche Stromnetz wieder einmal an seine Belastungsgrenze brachte. Von Nordosten drängte das Tiefdruckgebiet „Ellen“ am vergangenen Mittwoch nach Deutschland und löste das Hoch „Harry“ ab. Der Wind wurde stärker und stärker, und in den Abendstunden verdreifachte sich in Ostdeutschland die Menge an Windenergie. Das Unternehmen 50-Hertz, das für das Höchstspannungsnetz im Osten verantwortlich ist, musste plötzlich Windstrom mit einer Stärke von 8000 Megawatt aufnehmen, das entspricht der Leistung von sechs bis acht Kernkraftwerken. Das war zu viel Strom für die ostdeutschen Haushalte allein. 50-Hertz musste Strom in das Netz von Tennet im Westen abtransportieren.

Um 21 Uhr kam es im Umspannwerk im niedersächsischen Helmstedt im Tennet-Netz aber zu einer technischen Panne. Deshalb musste Tennet die Höchstspannungsleitung zwischen Niedersachen und Sachsen-Anhalt abschalten. Damit fiel eine von drei Leitungen aus, die die beiden Netzgebiete verbinden. Der Engpass war perfekt. 50-Hertz konnte den Windstrom nicht mehr abtransportieren – und musste Notmaßnahmen ergreifen: Kraftwerke und Windräder im großen Stil abklemmen. Die Ampel des „Real-time Awareness and Alarm Systems“ der europäischen Netzbetreiber wurde von Grün auf die Warnstufe Gelb gestellt.
Die Situation sei angespannt gewesen, aber unter Kontrolle, sagte ein Sprecher von 50-Hertz gestern und bestätigte einen Bericht der Zeitung „Die Welt“. Die beiden Netzbetreiber hatten die richtigen Maßnahmen ergriffen. Einen Stromausfall hat es nicht gegeben. Am Donnerstag früh war die Leitung bei Helmstedt wieder im Betrieb, und die Warn-Ampel sprang wieder auf Grün.

Der Vorfall zeigt aber, vor welche Schwierigkeiten die Energiewende die Unternehmen stellt. Der Schwenk von der Atomenergie zu natürlichen Energien ist ein Stresstest für die Netze. Acht der 17 deutschen Atomkraftwerke sind bereits abgeschaltet, und die Produktion von Wind- und Solarstrom, die laut Gesetz vorrangig aufgenommen werden müssen, schwankt je nach Witterung stark. Für die Unternehmen 50-Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW, die jeweils für eine Region des überregionalen Stromnetzes verantwortlich sind, wird es immer schwieriger, Angebot und Nachfrage im Einklang und so die Spannung konstant zu halten.

Der Vorfall war bereits die dritte ernste Situation innerhalb weniger Monate. Anfang Dezember musste Tennet erstmals auf die Notreserve zurückgreifen, die nach der Energiewende von der Bundesnetzagentur eingerichtet wurde. Wegen eines Sturmtiefs liefen die Windräder im Norden auf Hochtouren, weswegen Kohle- und Gaskraftwerke in Nord- und Mitteldeutschland gedrosselt wurden. Gleichzeitig fiel ein Reaktor im bayerischen Gundremmingen aus. Um Stromausfälle in Süddeutschland zu vermeiden, forderte Tennet Kapazitäten aus zwei Gaskraftwerken und einem Ölkraftwerk in Österreich an.

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14 Kommentare zu "Engpässe: Netzbetreiber unter Strom"

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  • Intelligente Netze die die eingerosteten Räder des freien Markts "schmieren" machen durchaus Sinn. Der Öko-Zwang ist das Problem. Selbst wenn jemand sich heute für einen Stromtarif entscheidet, der nur Kohlekraft enthält, zahlt er trotzdem die EEG-Umlage und EE-Netzausbaukosten usw. für jede kWh.

  • @norbert
    Naiver gehts nicht. Mit Unterstützung der Politik bedeutet, dass der Verbraucher die Zeche zahlen soll. Das brauchen Sie sich nicht wünschen. Das kommt mit Sicherheit.

  • Nun ist das Problem der anfälligen Netze hinreichend bekannt.
    Aufgabe der Netzbetreiber ist es, dieses Problem mit Unterstützung der Politik zu lösen ( was technisch problemlos machbar ist )

  • Ich kann mich noch genau daran erinnern, damals Anfang der 70er. Ich wohnte mit meinen Eltern in einem kleinen Dorf in der DDR. Der Winter war oft eisig. Und da gab es dann öfter einen Stromausfall. Mal ein paar Minuten. Mal mehrere Stunden. In den Großstädten gab es das soweit mir bekannt ist nicht. Frau Merkel hat früher wahrscheinlich auch in so einem kleinen Dorf gewohnt und jetzt will sie sich wahrscheinlich für damals an allen rächen. Ist bestimmt so eine Art Amoklauf. Deshalb hatte sie nämlich immer so eine schreckliche Frisur, weil ihr Fön immer ausgegangen war. Deshalb wurde sie immer gehänselt. Ihre Rache kommt spät. Aber macht euch bereit, für Rückschritte in die DDR. Ihr habt es so gewollt. Ihr wolltet eine Azubine von Erich Honecker zur Kanzlerin. Jetzt wird Kurs auf Mangelwirtschaft genommen.

  • Und nicht zu vergessen, dass Menschen, die in Mietswohnungen wohnen nachts ihre Waschmaschine oder ihren Trockner aus Lärmbelästigungsgründen nicht laufen lassen dürfen. Was viele der Kernkraftverteufler, die den radioaktiven Müll anprangern leider auch nicht bedenken, ist dass es jede Menge anderen radioaktiven Abfall gibt. Zum Beispiel in der Messtechnik oder in der Medizin. Also wenn die ökologischen Weltverbesserer endlich das letzte KKW abschalten konnten, dann haben sie immer noch keine "Radioaktivitäts saubere Welt". Man stelle sich mal vor, in jedem Land dieser Welt wären alle Politiker genauso dumm, wie unsere. Und alle würden gleichzeitig ihre Kernkraftwerke abschalten. Und vor allem bevor sie dafür gesorgt haben, dass die Energieversorgung gesichert ist. Was würde das für einen gewaltigen Berg an radioaktiven Müll geben.

  • Konventionelle Kraftwerke (dazu dürfen wir in diesen Fall auch Kernkraftwerke zählen ) stellen eine zuverlässige Grundlast bereit .
    Wind und Solar arbeiten mit Extremschwankungen die beinahe unkalkulierbar sind , weshalb sich das beschriebene Problem mit jedem weiteren abschalten Konventioneller Kraftwerke verschärft !!!

  • Wetterbedingte Schwankungen in der Stromproduktion benötigen einen erheblichen technischen Mehraufwand an Leitungen und an Energiespeichern, um das Angebot an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Aber das muß eine Physikerin natürlich nicht wissen. Danke, Frau Merkel!

  • hehoffmann..Sie sollten Gelesenes nicht ungeprüft repetieren. Die Aussagen von Spiegel Artikeln sollte man um 180° spiegeln um der Wirklichkeit nahe zu kommen.

    Es mag in den meisten Fällen sein, dass am Ende der Ausfall eines konventionellen Kraftwerks in einer kritischen Situation, einen (Beinahe) Black-out verursacht.

    Der Stromverbrauch Deutschlands schwankt zwischen 40000 (Sommer/Wochenende/Nacht) und 90000 MW (Winter kalt/Wochentag/Tag). Grundsätzlich hat die Abschaltung von 9000MW sicherer Grundlastkapazität durch den ökoreligiösen Amoklauf der Kanzlerin die Reserven im Netz sehr reduziert. Ein Ausfall weniger Kraftwerke kann dann schnell kritische Situationen herbeiführen.

    Des weiteren sorgen die Turbogeneratoren durch ihre rotativen Massen für die Sekundenstabilität im Netz. Solarzellen und Windmühlen tragen hierzu nicht, bzw. kaum bei. Ein kurzfristiges Absinken der Netzfrequenz kann in einer Kettenreaktion dazu führen das zahlreiche Kraftwerke vom Netz gehen. Schauen wir mal..

    Vandale

  • Hallo Katskralle...In Eike finden Sie aktuell einen Bericht über Indien und dessen Stromversorgung die Ihrem Ideal eines "intelligenten" Netzes sehr nahe kommt.

    Allerdings wünschen sich die Menschen dort lieber eine moderne, bedarfsgerechte Stromerzeugung basierend auf Kohle und umweltfreundlichen Kernkraftwerken.

    Vandale

  • Hallo Katskralle..Sie sprechen Politikern und Oekopredigern das Wort. Das Ziel dieser Oekofunktionäre ist es die Stromversorgung von einem bedarfsgesteuertem System auf ein Angebotsorientiertes System, ein sogenanntes Intelligentes Netz, umzustellen. Aufgrund der extremen Preise für den ökoreligiösen Wind- und Solarstrom können sich dann nur mehr wenige Politiker und Oekofunktionäre eine unterbrechungsfreie Stromversorgung leisten. Weniger Betuchte müssen dann den Kochvorgang auf 02:00 verschieben, oder die Oekoglühbirne mittags einschalten wenn gerade die Sonne scheint. Bei Windstille und Bewölkung müssen die weniger Betuchten den Inhalt des Tiefkühlers mit einem ökologischen Gebet in die Tonne schieben. Die Fahrpläne der S-Bahn werden nach Windaufkommen geregelt.

    Persönlich lebe ich in einem Nicht EU-Staat. Ich habe den Atomtarif gewählt und erhalte meinen umweltfreundlichen Strom aus sicheren Kernkraftwerken unterbrechungsfrei, wann immer ich diesen verbrauchen mag, für einen Arbeitspreis von ca. 7c (€)/kWh. Ich freue mich das die Stromversorgung in meinem Domizilland nicht nach (öko)religiösen Visionen ausgerichtet ist.

    Vandale

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