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Epidemie Deutsche Wirtschaft rüstet sich gegen Coronavirus-Ausbruch in Europa

Adidas, SAP und andere Firmen verbieten Reisen nach Norditalien und schicken Mitarbeiter ins Homeoffice. Die Folgen des Virus treffen die Wirtschaft immer schwerer.
26.02.2020 Update: 26.02.2020 - 14:42 Uhr Kommentieren
Die Reisebranche trifft der Ausbruch des Coronavirus am härtesten. Quelle: Bloomberg
Reisende am Bahnhof Termini in Rom

Die Reisebranche trifft der Ausbruch des Coronavirus am härtesten.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf, München, Frankfurt Die Hoffnung, die Ausbreitung des Coronavirus in Europa zu verhindern, haben sich in dieser Woche zerschlagen. Sowohl Italien, Österreich als auch Kroatien meldeten nahezu gleichzeitig neue Infektionen. Auch in Deutschland breitet sich das Virus weiter aus. Zwei neue Fälle wurden am Dienstagabend bekannt – einer in Baden-Württemberg, einer in Nordrhein-Westfalen. Kindergärten und Schulen wurden geschlossen.

Die Folgen der Epidemie treffen zunehmend auch deutsche Unternehmen: Mitarbeiter, die sich zuletzt in den betroffenen Gebieten aufgehalten haben, müssen zu Hause bleiben. Firmen fürchten zudem tiefgreifende Störungen in den Lieferketten, wenn sich das Virus in Europa weiter ausbreitet.

Im Ausland haben viele Unternehmen bereits entsprechende Erfahrungen gemacht. Wie Siemens, Continental und Adidas waren zahlreiche andere Firmen von Produktionsausfällen vor allem an chinesischen Standorten betroffen. Jetzt könnten sich die wirtschaftlichen Schäden auf europäische Betriebe ausweiten.

So bleiben etwa zwei Werke des Autodesign-Studios Italdesign Giuiaro in Turin seit Montag geschlossen. Ein Mitarbeiter der VW-Tochter hatte sich mit dem Virus infiziert. Seither versucht das Unternehmen herauszufinden, mit welchen weiteren Beschäftigten der Mann zuletzt Kontakt hatte.

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Standort erkennen

    „Unsere Priorität ist die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Familien und der Gesellschaft, in der wir uns bewegen“, erklärte Italdesign-Chef Jörg Astalosch. „Wir nehmen uns der Situation in Zusammenarbeit mit den Behörden an“, sagte der Manager. „Wir werden bald zur Normalität zurückkehren und stärker sein als jemals zuvor.“

    Astaloschs aufmunternde Worte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Coronavirus mehr und mehr zur Belastung für europäische Unternehmen wird. Mit Reisebeschränkungen und Standortschließungen versuchen die Unternehmen, ihre Belegschaften zu schützen.

    Dabei gehen die Firmen mit den betroffenen Regionen in Europa ähnlich um wie nach dem ersten Ausbruch mit China. So hat etwa der Sportartikelhersteller Adidas seine für die Volksrepublik China geltenden Reisebeschränkungen auf Norditalien ausgedehnt. Wer dorthin reisen will, braucht ab sofort eine Ausnahmegenehmigung.

    Das ist aber noch nicht alles: „Darüber hinaus haben wir weiterhin Hygienemaßnahmen an unseren Standorten verstärkt und eine entsprechende Empfehlung an unsere Mitarbeiter ausgesprochen. Wir werden die Situation weiterhin aufmerksam beobachten“, sagte eine Sprecherin. Adidas setze die jeweils geltenden lokalen, behördlichen Vorgaben um. Das Unternehmen behalte sich vor, „weitere Maßnahmen zu ergreifen, sofern erforderlich“.

    Auch die Deutsche Telekom rät ihren Mitarbeitern mittlerweile von Reisen nach Italien ab. Es gebe Notfallpläne, wie man Mitarbeiter und kritische Infrastruktur im Fall einer Verbreitung der Pandemie in Deutschland schütze, teilte das Unternehmen mit. „Unser Konzernlagezentrum und der betriebsärztliche Dienst beobachten die aktuelle Situation kontinuierlich und orientieren sich unter anderem an den Empfehlungen der WHO und des Robert-Koch-Instituts“, so ein Sprecher.

    Der Detmolder Elektrotechnik-Hersteller Weidmüller hat bereits vor einigen Wochen einen Krisenstab eingerichtet, welcher die Entwicklung der Lage weltweit überprüft. „Aufgrund der aktuellen Entwicklung hinsichtlich des Coronavirus in Italien haben wir uns dazu entschieden, einen Reisestopp auszusprechen“, sagte eine Sprecherin. „Wir richten uns dabei nach den aktuellen Empfehlungen des Auswärtigen Amtes.“

    Das Familienunternehmen trifft bereits Vorkehrungen, sollte sich das Virus in Europa weiter ausbreiten. „Ob es zu einem ähnlich großen Ausbruch der Corona-Epidemie in Europa kommen wird, schließen wir zum derzeitigen Zeitpunkt nicht aus“, heißt es bei Weidmüller. „Aktuell sehen wir zwar noch keine Anzeichen oder Folgen des Coronavirus in Deutschland, wollen aber vorbereitet sein, falls es zu einer Ausbreitung in Deutschland kommt.“

    Reisebeschränkungen und Zwangsurlaub

    Für Mitarbeiter, die sich zuletzt in den betroffenen italienischen Regionen aufgehalten haben, kann der Ausbruch des Virus auch zwangsweise Homeoffice bedeuten. So teilte der Softwarehersteller SAP mit, dass er Mitarbeiter, die sich in den betroffenen Gegenden aufgehalten haben, mindestens 14 Tage von zu Hause aus arbeiten und bei Krankheitssymptomen zum Arzt gehen sollten. Regelmäßige Bürodesinfektionen gehörten seit einigen Wochen ohnehin zum Standardprogramm, sagte ein Sprecher.

    In Italien selbst halten die Firmen ihre Mitarbeiter dazu an, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. So erklärte ein SAP-Sprecher, bei Bedarf könnten die Kolleginnen und Kollegen in Italien virtuell zusammenarbeiten oder sich im Homeoffice aufhalten. „Die Richtlinien der Gesundheitsbehörden lassen sich von uns leicht einhalten.“ Die Auswirkungen auf das Geschäft schätzt SAP daher als gering ein.

    Auch der Konsumgüterhersteller Henkel empfiehlt seinen Mitarbeitern, verstärkt von zu Hause aus zu arbeiten. Der Konzern hat seine Firmenzentrale in Mailand und produziert in Italien in mehreren Werken Waschmittel und Klebstoffe. Bislang sei die dortigen Produktion aber ebenso wenig von der Epidemie betroffen wie die Henkel-Produktion in China, teilte ein Sprecher mit. Anders als Adidas und SAP hat Henkel bislang keine Reisewarnung ausgesprochen.

    Ebenso hält es der Konsumgüterhersteller Beiersdorf, der zwar für China eine Reisesperre ausgesprochen hat, aber Dienstreisen nach Norditalien und Korea „bei dringender Notwendigkeit“ noch genehmigt, so eine Sprecherin. „Unsere lokalen Teams in allen betroffenen Regionen schätzen die Lage tagesaktuell ein und treffen die erforderlichen Maßnahmen.“ Einen Krankheitsfall gab es bei Beiersdorf bislang nicht.

    Continental trifft Vorsichtsmaßnahmen
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