Erholung beim Pharmakonzern Merck spart sich langsam gesund

Die Verschlankungskur wirkt: Merck erreicht im vierten Quartal nach langer Durststrecke ein besseres Ergebnis. Schwankungen an den Devisenmärkten schmälern die Jahreserlöse etwas. Der Konzern ist vorsichtig optimistisch.
Update: 06.03.2014 - 08:29 Uhr Kommentieren
Analyse für Analyse, Pille für Pille zurück in die Gewinnzone: Der Darmstädter Pharmakonzern Merck. Quelle: Merck

Analyse für Analyse, Pille für Pille zurück in die Gewinnzone: Der Darmstädter Pharmakonzern Merck.

(Foto: Merck)

DarmstadtDer scharfe Sparkurs und ein starkes Geschäft mit Arzneimitteln in den Schwellenländern haben beim Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck für einen Gewinnsprung gesorgt. Das Traditionsunternehmen verdoppelte seinen Überschuss im vergangenen Jahr auf 1,2 Milliarden Euro, wie Merck am Donnerstag in Darmstadt mitteilte. Allerdings hatten 2012 noch hohe Aufwendungen von rund einer halben Milliarden Euro für das laufende Umbauprogramm den Gewinn belastet.

„Wir haben unsere Kosten schneller als geplant gesenkt und den Umbau des Konzerns vorangetrieben“, sagte Konzernchef Karl-Ludwig Kley. Den Aktionären stellte er eine um 20 Cent auf 1,90 Euro je Aktie angehobene Dividende in Aussicht.

Zum laufenden Jahr äußerte sich Kley eher vorsichtig. Denn der starke Euro macht Merck momentan in den Schwellenländern und in Japan zu schaffen. So erwartet Merck im laufenden Jahr lediglich einen stabilen Umsatz. Werden Wechselkurseffekte und Zu- und Verkäufen herausgerechnet, rechnen die Darmstädter 2014 mit einem leichten Umsatzplus. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) werde voraussichtlich auf Vorjahresniveau verharren.

Im vergangenen Jahr baute Merck sein um Sondereinflüsse bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 9,7 Prozent auf einen Rekordwert von 3,25 Milliarden Euro aus. Die Geschäftsentwicklung sei in allen Sparten positiv gewesen, sagte Kley. Allerdings bekommt das Unternehmen den starken Euro zu spüren - etwa im Japan-Geschäft. Daher sanken die Gesamterlöse 2013 um 0,7 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Auch in der Pharmasparte Merck Serono gingen die Umsätze deshalb leicht zurück.

Wer die Pharmawelt beherrscht
SIDNEY
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Aufsteiger 1: Valeant (Kanada)

Der kanadische Pharmariese wächst und wächst – hauptsächlich durch Zukäufe. Im Jahr 2013 kaufte Valeant den Kontaktlinsenhersteller Bausch & Lomb aus den USA für 8,7 Milliarden Dollar. Im Bereich Augengesundheit wollen die Kanadier ganz vorne mitmischen. Beim Umsatz hat es der Konzern zumindest schon einmal in die Top 30 der Welt geschafft. Die Pharma-Erlöse stiegen um 62,4 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.

Quellen: Unternehmen, HB-Schätzungen

BIOGEN IDEC
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Aufsteiger 2: Biogen Idec (USA)

Erst Ende März 2013 wurde das Multiple-Sklerose-Mittel Tecfidera in den USA zugelassen. Doch die Tablette ist eine Goldgrube für das aufstrebende US-Biotech-Unternehmen Biogen Idec. Im Jahr 2013 steigerte es dank Tecfidera den Umsatz um gut ein Viertel auf 6,9 Milliarden Dollar.

huGO-BildID: 20842319 Actavis, Kapseln
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Aufsteiger 3: Actavis (Irland/USA)

Das Unternehmen ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Nachahmerpräparaten. Doch allzu großes Wachstum verspricht dieses Geschäftsfeld nicht unbedingt, da der Preisverfall oft das Mengenwachstum aufzehrt. Actavis wächst daher vor allem mit Übernahmen: In den vergangenen drei Jahren steckte der Konzern mehr als 14 Milliarden Dollar in Zukäufe. Der Konkurrent Forest Laboratories soll nun für 25 Milliarden Dollar ebenfalls geschluckt werden. Im Jahr 2013 legte der Umsatz um 46,7 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar zu.

Merck Darmstadt
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Deutsche Unternehmen: Merck

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern wächst im Jahr 2013 moderat. Der Umsatz legt um 2,6 Prozent auf umgerechnet 7,9 Milliarden Dollar zu (Schätzung). In der Rangliste der größten Pharmaunternehmen der Welt schafft es Merck damit auf Platz 23. Das könnte sich aber ändern, denn das Unternehmen plant einen Zukauf: Die Darmstädter bieten rund zwei Milliarden Dollar für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials – eine ehemalige Hoechst-Tochter, die unter anderem Komponenten für Apples iPad liefert.

Boehringer Ingelheim GmbH
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Deutsche Unternehmen: Boehringer Ingelheim

Das Familienunternehmen ist der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern. Im Jahr 2013 hielt Boehringer Ingelheim die Umsätze stabil und landet mit umgerechnet 14,7 Milliarden Dollar (Schätzung) auf Platz 17 der Rangliste. Aktuell ist Boehringer in den USA mit einer Klagewelle konfrontiert. Mehr als 2000 Kläger werfen dem Unternehmen vor, für schwere und zum Teil tödliche Blutungen nach einer Behandlung mit dem Gerinnungshemmer Pradaxa verantwortlich zu sein.

An employee monitors the high-throughput screening of substances at the Pharma Research Center of Bayer HealthCare in Wuppertal
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Deutsche Unternehmen: Bayer

Bayers Pharma-Umsätze wachsen, die Leverkusener legen zum sieben Prozent zu und rücken in der Rangliste mit umgerechnet 14,9 Milliarden Dollar Umsatz auf Platz 16 vor. Gerade Bayers neue Medikamente wie das Schlaganfallmittel Xarelto laufen prächtig. Die Umsatzziele für die fünf stärksten Medikamente wurden erhöht.

huGO-BildID: 5144903 Teva Pharmaceutical Industries Ltd, Produktion
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Platz 10: Teva (Israel)

Der weltgrößte Generika-Hersteller kommt aus Israel: Teva. Im Jahr 2013 stagnierte der Umsatz des Konzern allerdings bei gut 20 Milliarden Dollar. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen Chef Erez Vigodman. Teva ist auch in Deutschland aktiv – so gehört seit 2009 die Ulmer Ratiopharm zum Konzern.

Kley hatte dem Dax-Konzern nach mehreren Rückschlägen in der Pharmaforschung ein massives Umbauprogramm verordnet. Damit will er die Schlagkraft des Arzneimittelgeschäfts erhöhen und die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen. Denn momentan hat Merck kaum Nachschub an neuen Präparaten. Darüber hinaus drohen ab der Mitte des Jahrzehnts Patentabläufe bei Schlüssel-Arzneien des Konzerns.

Mit dem Sparpaket „Fit für 2018“ will Kley insgesamt ab 2018 jährlich 385 Millionen Euro einsparen. Bis Ende 2013 wurden bereits 325 Millionen Euro erzielt - 45 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant.

  • rtr
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