Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Erster Dieselskandal-Strafprozess Gericht lässt Betrugsanklage gegen Rupert Stadler zu

Der ehemalige Audi-Chef muss sich zusammen mit drei weiteren früheren Führungskräften vor dem Landgericht München verantworten.
08.06.2020 - 15:40 Uhr Kommentieren
Der Manager führte Audi zu Rekordergebnissen und hielt sich auch im Dieselskandal lange an der Konzernspitze. Dann kam er in Untersuchungshaft und verlor anschließend seinen Posten. Quelle: Reuters
Rupert Stadler vor der Audi-Jahrespressekonferenz am 15. März 2017

Der Manager führte Audi zu Rekordergebnissen und hielt sich auch im Dieselskandal lange an der Konzernspitze. Dann kam er in Untersuchungshaft und verlor anschließend seinen Posten.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der Ex-Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler muss sich zusammen mit dem ehemaligen Motorenchef Wolfgang Hatz, dem früheren Dieseltechnik-Teamleiter Giovanni Pamio und dessen Mitarbeiter Henning L. wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung und strafbarer Werbung vor Gericht verantworten. Das Landgericht München II hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen das Quartett im Wesentlichen unverändert zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet, wie das Gericht inzwischen bestätigte.

Das Verfahren wird der erste deutsche Strafprozess im Abgasskandal und dürfte auch international große Aufmerksamkeit erfahren. Der Prozessbeginn ist nach Handelsblatt-Informationen für den 30. September vorgesehen. Bis zum 20. Dezember 2022 sind insgesamt 176 Verhandlungstermine angesetzt.

Die Dimensionen der den Angeklagten zur Last gelegten Taten sind riesig: Hatz, Pamio und L. sollen sich laut Anklage für einen Schaden von bis zu 3,3 Milliarden Euro verantworten.

Die Staatsanwaltschaft München II wirft ihnen vor, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet gewesen sei. Das als illegale Abschalteinrichtung eingestufte Programm für die Abgasreinigung in Dieselmotoren sorgte dafür, dass die Autos bei Tests der Behörden die Abgasgrenzwerte einhielten, auf der Straße aber weitgehend nicht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Ermittler sind überzeugt, dass sie Hatz, Pamio und L. 424.420 betrügerische Einzelfälle nachweisen können, davon 356.526 in Europa und 77.894 in den USA.

    Die Vorwürfe gegenüber Stadler sind im Vergleich dazu deutlich weniger schwerwiegend. Der langjährige Audi-Chef soll spätestens ab dem 24. September 2015 von den Abgas-Manipulationen bei Audi-Dieselmotoren gewusst, aber den Verkauf der Autos trotzdem nicht verhindert haben.

    120.398 Audis mit Abschalteinrichtung seien noch verkauft worden, nachdem Stadler wusste, dass sie nicht hätten verkauft werden dürfen. Audi musste sie später zurückrufen und mit einem Softwareupdate versehen. Die Kosten für das Update betrugen 228,82 Euro pro Auto, weshalb die Ankläger Stadler für einen Schaden von 27,5 Millionen Euro verantwortlich machen.

    Hatz und Stadler weisen bis heute sämtliche Vorwürfe scharf zurück. Pamio und L. dagegen haben gegenüber den Staatsanwälten eine Mitwirkung an den Manipulationen offenbart und leisteten aus deren Sicht darüber hinaus wertvolle „Aufklärungsarbeit“.

    Drei Manager in Untersuchungshaft

    Sollten sich die Vorwürfe im Prozess bestätigen, drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen, maximal bis zu zehn Jahren. Angesichts der Dimension der vorgeworfenen Taten kommt laut Anklage eine weitgehende Ausschöpfung des Strafrahmens in Betracht.

    Pamio, Hatz und Stadler saßen bereits monatelang in Untersuchungshaft, aus der sie zumindest teils nur gegen strenge Auflagen und Kautionen in Millionenhöhe entlassen wurden. Zunächst wurde Pamio im Sommer 2017 verhaftet und saß gut vier Monate ein, ab September 2017 dann Hatz für neun Monate und schließlich ab Juni 2018 auch der damalige Audi-Vorstandschef Stadler.

    Der Manager wurde wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen, nachdem er in einem abgehörten Telefonat über die mögliche Beurlaubung eines Audi-Mitarbeiters gesprochen hatte. Ende Oktober 2018 kam Stadler wieder frei, seinen Posten bei Audi musste er aber abgeben und zudem den Konzern verlassen.

    Gegen das Unternehmen verhängte die Staatsanwaltschaft bereits Mitte Oktober 2018 wegen der Manipulationen einen Bußgeldbescheid in Höhe von 800 Millionen Euro. Audi zahlte und teilte mit, sich zu der „Verantwortung für die vorgefallenen Aufsichtspflichtverletzungen“ zu bekennen.

    Nächste Anklage steht bevor

    Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt neben der nun zugelassenen Anklage unterdessen noch gegen rund 20 weitere beschuldigte Mitarbeiter beziehungsweise Ex-Mitarbeiter des Konzerns. Laut Insidern wollen die Strafverfolger die Ermittlungen noch in diesem Sommer zu einer weiteren Anklage bringen.

    Die Behörde hatte nach Bekanntwerden des Dieselskandals im VW-Konzern im September 2015 einen Spätstart hingelegt. Erst 18 Monate später leitete sie ein förmliches Ermittlungsverfahren ein und setzte sich damit einiger Kritik aus – dass Audi tief in den Skandal verstrickt ist, war schließlich schon seit Herbst 2015 bekannt.

    Im April 2019 erhob dann die Staatsanwaltschaft Braunschweig als erste deutsche Strafverfolgungsbehörde Anklage im Dieselskandal. Die Braunschweiger Ermittler wollen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn sowie vier weitere Manager wegen Betrugs strafrechtlich zur Verantwortung ziehen. Die Anklage ist allerdings bis heute nicht zugelassen, das Landgericht Braunschweig ordnete umfangreiche Nachermittlungen an.

    Ende Juli 2019 brachten dann schließlich auch die Münchener Staatsanwälte um Dominik Kieninger ihre Ermittlungen zur Anklage. Seither liegt das Verfahren gegen Stadler, Hatz, Pamio und L. bei der 5. Wirtschaftsstrafkammer.

    Diese hat seit Anfang 2020 einen neuen Vorsitzenden: Stefan Weickert übernahm den Posten von Alexander Kalomiris, der im Dezember ans Bayerische Oberste Landesgericht berufen wurde. Jetzt hat die Kammer eine erste Richtungsentscheidung getroffen.

    Mehr: Wie Audi von der Perle des VW-Konzerns zum Problemfall wurde.

    Startseite
    Mehr zu: Erster Dieselskandal-Strafprozess - Gericht lässt Betrugsanklage gegen Rupert Stadler zu
    0 Kommentare zu "Erster Dieselskandal-Strafprozess: Gericht lässt Betrugsanklage gegen Rupert Stadler zu"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%