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Erster Elektrosportwagen aus Zuffenhausen Der Porsche Taycan soll Tesla alt aussehen lassen

Anfang 2020 startet Porsche den Taycan-Verkauf in Europa. Der E-Porsche ist nicht nur wichtig fürs Image, sondern soll auch die Klimabilanz der Marke retten.
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Das erste rein elektrisch angetriebene Modell aus Zuffenhausen ist nicht zuletzt eine Antwort auf die immer schärfer werdenden Abgasvorschriften in der EU. Quelle: dpa
Porsche Taycan

Das erste rein elektrisch angetriebene Modell aus Zuffenhausen ist nicht zuletzt eine Antwort auf die immer schärfer werdenden Abgasvorschriften in der EU.

(Foto: dpa)

Innsbruck Die vier Schnellladesäulen auf der Raststätte kurz vor Tirol sind komplett belegt. In Weiß, Silber, Metallic-Blau und Dunkelgrau hängen vier Exemplare eines Modells an den meterlangen Ladekabeln, das vom nächsten Frühjahr an in Europa verkauft wird. Porsche hat den Taycan, sein erstes rein batteriegetriebenes Auto, auf Werbetour quer durch den europäischen Kontinent geschickt. Seit Mitte September ist die Elektro-Karawane der Stuttgarter VW-Tochter unterwegs.

Gestartet wurde die Tour in Oslo. Vor wenigen Tagen war Österreich an der Reihe und am kommenden Wochenende wird die Flotte aus 20 Taycan am Porsche-Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen erwartet. Gut 6000 Kilometer legen die Elektro-Boliden in drei Wochen zurück. Der Test soll unter Beweis stellen, dass Langstrecken für das erste E-Modell aus Zuffenhausen kein besonderes Problem darstellen.

Wie im gesamten Volkswagen-Konzern hat auch bei der Stuttgarter Sportwagentochter der Einstieg in das Elektrozeitalter begonnen. Gut sechs Milliarden Euro investiert Porsche bis 2022 in den Aufbau einer eigenen Elektroflotte. Schon in gut zwei Jahren soll es mit dem SUV Macan eine zweite rein batteriegetriebene Baureihe geben.

Im Jahr 2025 soll nach dem Willen von Porsche-Chef Oliver Blume jeder zweite verkaufte Porsche elektrisch fahren. Diese Strategie ist nicht zuletzt eine Antwort auf die verschärften Kohlendioxid-Grenzwerte in der Europäischen Union. Porsche vermeidet damit empfindliche Bußgelder.

Die Taycan-Tour soll insbesondere Vorbehalte gegenüber dem Laden der Akkus abbauen und deutlich machen, dass Elektrofahrzeuge zu einer gleichwertigen Alternative zu konventionellen Verbrennermodellen geworden sind. Porsche hat sich eine technische Besonderheit einfallen lassen, die den Ladevorgang spürbar verkürzt und die Reichweite zugleich verlängert. Das neue 800-Volt-Ladenetz aus Stuttgart ist allerdings auch gleich wieder teurer, zahlungskräftige Porsche-Kunden werden sich diesen zusätzlichen Aufwand leisten können.

Die meisten anderen aktuell verkauften Elektroautos begnügen sich mit einem 400-Volt-Ladenetz. Mit der doppelt so großen Spannung beim Taycan geht alles viel schneller: Porsche verspricht, dass es 22 Minuten dauert, um die Batterie von fünf auf 80 Prozent aufzuladen. Und in der Tat zeigt sich an der Raststätte in Österreich, dass das Laden eines E-Autos eben nicht stundenlang dauern muss. Nach und nach haben alle Taycan aus der Testflotte ihre geplanten 80 Prozent Batteriekapazität erreicht.

Porsche empfiehlt, beim Schnellladen nicht über 80 Prozent hinauszugehen. „Hier stoßen wir an die Grenzen der Physik“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die restlichen 20 Prozent bis zur vollen Kapazität zu laden, würde auch an einer Schnellladesäule doch wieder länger dauern. Außerdem schont es die Batterie, wenn es bei 80 Prozent bleibt. Ein wichtiger Punkt: Das alles gilt aber nur für das Schnellladen in vergleichsweise kurzer Zeit. Bei normalen Ladevorgängen zu Hause an der Steckdose oder auf dem Parkplatz des Supermarktes kann die Batterie dann doch auf 100 Prozent aufgeladen werden.

Verkaufsstart in den USA noch 2019

Die Käufer eines Taycan werden sich an die Besonderheiten der Elektrophysik gewöhnen müssen. Volltanken mit Benzin- oder Dieselmotor ist auf langen Strecken eine Selbstverständlichkeit. Das Beispiel des Porsche Taycan zeigt, dass weniger manchmal mehr ist. Denn unter Umständen kann die gesamte Reisezeit inklusive Fahren und Laden kürzer sein, wenn ein Elektroauto immer nur zu 80 Prozent aufgefüllt wird. „Die ideale Kombination ergibt sich eben durch beide Komponenten und nicht mehr nur durch die reine Fahrzeit“, so ein Porsche-Manager.

Auch wenn Porsche jetzt schon mit seiner Taycan-Tour in Europa unterwegs ist, werden sich potenzielle Kunden noch etwas gedulden müssen. Voraussichtlich im Frühjahr werden die neuen Autos bei den europäischen Händlern stehen. Porsche beginnt in diesem Jahr mit der Auslieferung nur in den USA, einem für den Stuttgarter Sportwagenhersteller extrem wichtigen Absatzmarkt.

Dass es den neuen Taycan erst 2020 in Europa zu kaufen gibt, hat allerdings noch einen ganz anderen Grund: Die verschärften europäischen Emissionsbestimmungen gelten erst im nächsten Jahr. Es würde sich für Porsche nicht lohnen, den neuen Taycan schon jetzt innerhalb der EU zu verkaufen, weil das Auto in der Emissionsbilanz nicht angerechnet werden kann. Das geht erst im neuen Jahr.

Ein reines Elektroauto wie der Taycan wird mit null Gramm Kohlendioxid angerechnet. Damit kann ein Hersteller wie Porsche einen Ausgleich zu klassischen Benziner-Modellen schaffen, weil für die Emissionen ein Durchschnittswert von allen verkauften Fahrzeugen ermittelt wird.

Zum Verkaufsstart in Deutschland kommen erst einmal die beiden teuersten Taycan-Varianten auf den Markt, der Turbo und der Turbo S mit 680 und 761 PS. Die Autos werden dann zu 150.000 und 185.000 Euro angeboten. Mit zusätzlichen Extras kann es natürlich noch weiter nach oben gehen.

Der eine oder andere Kunde dürfte wahrscheinlich recht problemlos über die Grenze von 200.000 Euro kommen. Und mit diesem Preis ist der Taycan schon kein Herausforderer mehr für Tesla, sondern schwebt in völlig anderen Sphären.

Schon in einem Jahr will Porsche mit einer weiteren Modellvariante auf den Markt kommen, und zwar mit dem Cross Turismo. Das soll so etwas wie eine Mischung aus Coupé und Kombi werden, die vor allem mehr Ladefläche bieten wird. Das könnte einen Taycan insbesondere für Familien interessant machen.

Geplant ist außerdem eine günstigere Variante des Grundmodells für weniger als 100.000 Euro. Dieser Taycan-Ableger dürfte weniger Motorleistung und geringere Reichweiten bieten. Mit diesem Auto will Porsche dann vor allem nach China gehen, inzwischen der größte Absatzmarkt für die Stuttgarter Volkswagen-Tochter.

Bereits mehr als 30.000 Vorbestellungen

Die echte und wirklich realistische Reichweite des Taycan mit den beiden extrem leistungsstarken Motoren um 700 PS dürfte bei etwa 300 Kilometer liegen. Nach den leidvollen Erfahrungen mit den Dieselmanipulationen will Porsche seinen neuen Elektro-Kunden echte Reichweiten-Angaben präsentieren und nicht in den Verdacht geraten, dass beim Taycan geschummelt werden könnte.

Die bisher eingegangenen Bestellungen für den Taycan sorgen bei Porsche für Optimismus. Mehr als 30.000 sogenannte „Pre-Booking-Orders“ sind bis jetzt in Stuttgart angekommen. Anfänglich sollten 20.000 Exemplare in der neuen Taycan-Fabrik in Zuffenhausen gefertigt werden. Offiziell äußert sich Porsche noch nicht dazu: Es gilt als wahrscheinlich, dass im nächsten Jahr rund 40.000 Taycan von den Bändern rollen werden.

Auch wirtschaftlich muss sich Porsche mit dem Taycan nicht verstecken. Der Investitionsaufwand ist zum Start der Elektromobilität verständlicherweise hoch. Viele andere Autohersteller müssen sich extrem anstrengen, um mit ihren neuen Elektroautos überhaupt in die Gewinnzone zu kommen. Bei der Luxusmarke Porsche wird das anders sein.

„Porsche dürfte im nächsten Jahr 40.000 Taycan verkaufen“, glaubt auch Tom Narayan, Automobilanalyst bei der Royal Bank of Canada (RBC). Das Porsche-Management habe gegenüber Börsenexperten erklärt, dass die operative Rendite für das Taycan-Grundmodell nur leicht unter dem gesamten durchschnittlichen Porsche-Ergebnis liege. Trotz der Elektroinvestitionen strebt Porsche eine Mindestrendite von 15 Prozent an. Keine andere Marke innerhalb des VW-Konzerns verdient so gut.

Entscheidend wird dabei allerdings auch sein, dass Porsche auf Kundenseite mit dem Taycan überzeugen kann. Das erste rein batteriegetriebene Modell aus Stuttgart-Zuffenhausen soll auf jeden Fall an die Tradition des Unternehmens anknüpfen.

„Die Sitzposition ist so tief wie beim 911er“, erläutert Baureihenmanager Michael Stange. Auch das Design erinnert doch sehr stark an das traditionell wichtigste Modell aus Stuttgart, den 911er. Nur hinten ist der Taycan etwas größer geraten: Dort gibt es zwei Sitzplätze. Und damit erinnert das erste Elektroauto von Porsche zumindest im Fond an den Panamera.

Die Motorleistung soll unbedingt an alle schnellen Porsche erinnern. Der Taycan Turbo S schafft es im Stand von null auf 100 Stundenkilometer in 2,8 Sekunden – und das dürfte sogar noch etwas schneller als bei den Benzinern sein. Porsche garantiert zudem zehn solcher Blitzstarts nacheinander – ohne dass die Batterie in die Knie geht.

Klassische Porsche-Fahrer könnten damit eigentlich zufrieden sein. Ihre Erwartungen an einen elektrischen Sportwagen dürfte der Taycan sicher erfüllen. Vielleicht widerfährt ihm ja das gleiche Schicksal wie dem mehr als erfolgreichen 911er, von dem Ferry Porsche einst sagte, es sei ein Porsche, den „keiner braucht, aber jeder haben will“.

Mehr: Boom der Elektromobilität – Experten warnen, dass Batterie-Rohstoffe knapp werden könnten

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