Ertragseinbußen bei Tochter Hochtief-Kursschwäche spielt ACS in die Hände

Im Abwehrkampf gegen den spanischen Angreifer ACS läuft es bislang alles andere als gut für den größten deutschen Baukonzern Hochtief. Und ausgerechnet jetzt schwächt auch noch eine Gewinnwarnung der australischen Tochter Leighton die Position des Essener Unternehmens zusätzlich.
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Beim Übernahmekampf gegen ACS stehen die Zeiten derzeit schlecht für Hochtief. Quelle: dpa

Beim Übernahmekampf gegen ACS stehen die Zeiten derzeit schlecht für Hochtief.

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DÜSSELDORF. Die Bundesregierung will Hochtief bei der Suche nach einem neuen Ankeraktionär im Wüstenstaat Katar allenfalls indirekt unterstützen und Kontakte zu Regierungsvertretern des Emirats vermitteln. Aber sich öffentlich gegen ACS zu stellen kommt für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenso wenig infrage wie eine Änderung des deutschen Übernahmerechts. Mag sich SPD-Chef Sigmar Gabriel bei dieser möglichen Abwehrmaßnahme noch so stark profilieren: Ihm fehlen schlicht die notwendigen Mehrheiten, um seinen Worten Taten folgen zu lassen. Auch um die angeblich geplante Kapitalerhöhung von Hochtief ist es still geworden. Für ACS würde durch die Ausgabe neuer Aktien die angestrebte Erhöhung seiner Beteiligung von knapp 30 auf mehr als 50 Prozent deutlich teurer.

Und jetzt das: Die bislang als Ertragsperle geltende australische Hochtief-Tochter Leighton hat am Dienstag ihre Ergebnisprognose für das noch bis Ende Juni laufende Geschäftsjahr 2010/11 kassiert. Wegen starker Kostensteigerungen bei einem Großprojekt am australischen Flughafen Brisbane wird Leighton in diesem Bilanzjahr nur einen Nettogewinn von umgerechnet 365 Mio. erwirtschaften. Bisher lag die Konsensschätzung der Analysten bei 476 Mio. Euro. Leighton will die Einbußen durch ein Teilverkauf seines Indien-Geschäfts wettmachen. Mit Hilfe dieser außerordentlichen Einnahmen soll ein Jahresergebnis erreicht werden, das die Erwartungen der Anleger erfülle, kündigten die Australier an.

Auch Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter bemühte sich um Schadensbegrenzung - denn zu Beginn des gestrigen Börsenhandels war die Hochtief-Aktie erstmals seit Beginn der Abwehrschlacht vor sieben Wochen vorübergehend unter die Marke von 60 Euro abgerutscht, wodurch das bisherige Umtauschangebot von ACS aufgewertet wird. ACS bietet im Tausch für fünf Hochtief-Aktien acht eigene Anteilsscheine.

Ungeachtet der Ertragseinbußen bei Leighton, bekräftigte Lütkestratkötter, werde Hochtief 2010 ein Vorsteuerergebnis und einen Nettogewinn leicht über Vorjahr erzielen. Für das betroffene Projekt der australischen Tochter habe man frühzeitig Vorsorge getroffen und bereits im Jahresabschluss 2009 eine entsprechende Rückstellung gebildet.

Analysten sprechen dennoch von einem Rückschlag für die Essener. Die Gewinnwarnung von Leighton spiele ACS in die Hände, hieß es in Finanzkreisen. Je tiefer der Hochtief-Kurs falle, desto schwerer dürfte es dem Hochtief-Management fallen, die eigenen Aktionäre bei der Stange zu halten. Bisher schien die vorläufige Umtauschofferte der Spanier wenig lukrativ, das gilt nun nicht mehr. Allerdings muss sich auch ACS vorsehen: Die Spanier wollen erklärtermaßen nicht mehr als die Kontrollmehrheit von 50 Prozent. Am Ende könnten sie - wie einst Schaeffler bei Continental - von einer Aktienflut überrollt werden.

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