Ex-VW-Chef Winterkorn im U-Ausschuss „Wir haben auch ein Problem im Rest der Welt“

Martin Winterkorn stolperte 2015 über die Abgasaffäre. Welche Rolle der ehemalige VW-Chef bei den Diesel-Manipulationen spielte, versucht er heute dem Untersuchungsausschuss im Bundestag zu erklären.
Update: 19.01.2017 - 11:49 Uhr 10 Kommentare

Wie eng wird es für Winterkorn?

Wie eng wird es für Winterkorn?

BerlinEs ist der erste große öffentliche Auftritt des früheren Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Im Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages entschuldigte sich der Manager erneut für die Diesel-Abgasmanipulationen seines Unternehmens. „Ich möchte meine tiefe Bestürzung darüber zum Ausdruck bringen, dass wir Millionen unserer Kunden enttäuscht haben“, sagte Winterkorn am Donnerstag.

„Auch ich hätte das nicht für möglich gehalten“. Er habe als Vorstandschef die politische Verantwortung für diese Vorgänge übernommen und sei deshalb im September 2015 zurückgetreten. Dies sei der schwerste Schritt seines Lebens gewesen. „Auch ich suche bisher nach befriedigenden Antworten“, sagte Winterkorn weiter.

Er hab keine Antwort darauf, warum er nicht frühzeitig und eindeutig informiert worden sei und wie es zu den Manipulationen kommen konnte. Er sei „ein Mensch, der ein offenes Wort schätzt“, sagte Winterkorn, und habe in 35 Jahren bei VW fast täglich mit Mitarbeitern gesprochen. „Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin.“ Wenn der Eindruck erweckt worden sei, er sei schon früher als bislang bekannt informiert worden, dann treffe das nicht zu. Zu den laufenden Ermittlungen gegen ihn wolle er sich nicht äußern.

Er habe über die Diesel-Manipulationen Bescheid nicht früher Bescheid gewusst als bisher eingeräumt. Einige Berichte legten dies nahe. „Das ist nicht der Fall. (...) Ich habe dazu auch keine Akteneinsicht erhalten.“ Nach offiziellen Angaben hat der VW-Vorstand erst Anfang September 2015 von den Manipulationen erfahren, die zuerst in den USA entdeckt worden waren. Winterkorn hielt daran fest. Zuletzt gab es jedoch auch Berichte, denen zufolge ein Manager-Treffen schon Ende Juli 2015 die Strategie gegenüber ermittelnden US-Behörden besprochen haben soll.

Der Ex-VW-Chef betonte, die Geschehnisse täten ihm leid: „Das was passiert ist, macht die Menschen wütend – mich auch.“ Er selbst habe durch seinen Rücktritt Ende September 2015 Verantwortung übernommen. Nun sei weitere „lückenlose Aufklärung das Gebot der Stunde“.

Winterkorns eigener Aussage zufolge habe er nach dem Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen Ende September 2015 Bundesregierung und Behörden rasch über das Ausmaß informiert. Im Anschluss an die Meldung der US-Umweltbehörden über verletzte Grenzwerte am 18., eine VW-interne Telefonkonferenz am 19. und eine Runde mit Führungskräften am 20. September habe er sich direkt zum darauffolgenden Wochenbeginn (21.9.) an Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gewandt.

Es muss nicht immer Diesel sein
Erdgas – für Vielfahrer mit kleinem Radius
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Die Diesel-Krise ist eine große Chance für den hierzulande chronisch erfolglosen Erdgasantrieb. Vor allem, wer auf möglichst niedrige Kraftstoffkosten Wert legt, fährt mit Erdgas beziehungsweise CNG gut. Die Kraftstoffkosten sind niedrig, allerdings sind die Neuwagenpreise hoch.

Das Erdgasauto lohnt sich finanziell daher vor allem für Vielfahrer. Ein Beispiel aus dem ADAC-Kostenvergleich: Wenn man 30.000 Kilometer im Jahr mit der Erdgasversion der Mercedes E-Klasse fährt, kostet das inklusive Wertverlust, Wartung, Versicherung und Co. 50,5 Cent pro Kilometer. Ein Diesel käme auf 51,3 Cent, eine Benziner auf 53 Cent.

Erdgas – für Vielfahrer mit kleinem Radius
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Auch in der Umweltbilanz schneidet Erdgas gut ab. Umgerüstete Autos stoßen weniger CO2 aus als Benziner oder Diesel und sind auch bei Ruß und Stickoxiden deutlich überlegen. Der Nachteil ist das dünne Tankstellennetz: Lediglich 900 Zapfsäulen stehen in Deutschland, einige auf nur begrenzt zugänglichen Geländen von Stadtwerken oder Energieversorgern. Eine Diesel-Alternative ist Erdgas daher vor allem für Autofahrer, die zwar viele Kilometer abspulen, dabei aber in der Nähe der heimischen Tankstelle bleiben.

Die oft gebräuchliche Abkürzung CNG steht übrigens für Compressed Natural Gas, also komprimiertes Erdgas.

Autogas – für anspruchslose Sparer
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Auch Autogas ist an der Zapfsäule günstig, zudem deutlich leichter zu bekommen als Erdgas. Rund jede zweite Tankstelle führt auch den LPG genannten Kraftstoff. Außerdem sind LPG-Fahrzeuge ab Werk (wie etwa der Kia Picanto) nur wenig teurer als Benziner. Normale Benziner können außerdem relativ günstig auf bivalenten Antrieb umgerüstet werden, sie fahren dann mit Gas und Benzin, was die Reichweite erhöht..

Im ADAC-Kostenvergleich schlägt Autogas ein vergleichbares Dieselauto auch schon auf kürzeren Strecken. So kostet der Kilometer in einem Dacia Duster mit Autogasantrieb 46,9 Cent, mit Diesel sind es 47,3 Cent.

Autogas – für anspruchslose Sparer
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Unter Umweltgesichtspunkten unterscheidet sich LPG, als variables Gemisch aus Butan und Propan, nur wenig von Benzin, mit dem es chemisch eng verwandt ist. Beim CO2-Ausstoß schneiden die Fahrzeuge daher leicht schlechter ab als Diesel, bei Stickoxiden hingegen deutlich besser.

Zu den Nachteilen von Autogas zählt das eingeschränkte Fahrspaßpotential. Weil der Kraftstoff mit ganz neuen Ottomotorentypen nur eingeschränkt kompatibel ist, bieten die meisten Fahrzeughersteller ab Werk nur ältere und schwächere Triebwerke mit Autogastechnik an.

Wer auf Leistung nicht verzichten will, muss schon selbst einen großvolumigen Benzinmotor umrüsten lassen. Eine Diesel-Alternative ist Autogas daher vor allem in kleinen Fahrzeugklassen, wo Leistung keine entscheidende Rolle spielt.

Die Abkürzung LPG steht übrigens für Liquefied Petroleum Gas.

Ein Problem beim Gas ist der realistische Preisvergleich mit Benzin und Diesel
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Früher war es leicht, beim Anrollen an die Tanksäule schnell den Treibstoffpreis zu überblicken: es gab nur Normal, Super und Diesel. Heute ist der Preismast so hoch, dass die Orientierung schnell verloren gehen kann, weil bis zu acht verschiedene Kraftstoffe angeboten werden. Und es gibt ein weiteres Manko: Die Vergleichbarkeit der Kraftstoffe ist aufgrund des unterschiedlichen Energiegehalts nicht mehr transparent, was besonders auf den Treibstoff Erdgas/Biomethan zutrifft.
Otto- und Dieselkraftstoffe sowie Autogas werden mit Literpreisen angeboten, Erdgas jedoch in Kilogramm. Und mit Wasserstoff und Strom wird bald das Verwirrspiel mit den Verkaufseinheiten Kilogramm und Kilowattstunde noch größer.

Dass mit dem relativ umweltfreundlichen Treibstoff Erdgas heute im Vergleich zu Benzin 55 Prozent und im Vergleich zu Diesel 45 Prozent günstiger getankt wird, ist nicht vielen Autofahrern bekannt. Ließen sich die Kraftstoffpreise exakt vergleichen, dann könnte der Verbraucher beim Autokauf besser entscheiden, welches Antriebskonzept er favorisiert, glauben die Befürworter der Gasantriebe.

Hybrid – für Stadt und Land
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Statt auf den Diesel setzen Japaner und Amerikaner schon seit Jahrzehnten auf den Hybridantrieb. In Deutschland konnte die Technik sich bislang nicht durchsetzen, weil die Kombination aus (in der Regel) Otto- und Elektromotor ihr Sparpotential in erster Linie im Stadtverkehr ausschöpft – aber auf der hierzulande wichtigen Autobahn kaum Vorteile bietet. Das Angebot auf dem deutschen Markt ist entsprechend übersichtlich. Mit Ausnahme von Toyota/Lexus hat (noch) keine Marke ein überzeugendes Portfolio an klassischen Hybridautos.

Hybrid – für Stadt und Land
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Die deutschen Hersteller setzen stattdessen auf den sogenannten Plug-in-Hybrid, der die bekannte Technik mit eine größeren, an der Steckdose aufladbaren, Batterie kombiniert. Die Fahrzeuge sollen so die Vorteile von Hybrid und E-Auto vereinen.

Allerdings sind entsprechende Modelle relativ teuer, Gebrauchtwagen gibt es noch kaum. Trotzdem sind Hybrid und Plug-in-Hybrid eine gute Alternative für diejenigen, die ein sparsames Kurzstreckenauto benötigen, gelegentlich aber auch bequem und ohne Tankstellen-Engpässe weitere Strecken fahren wollen.

Auch der Chef des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), Ekhard Zinke, sei von ihm dann ins Bild gesetzt worden. „Ich habe ihnen gesagt: Wir haben nicht nur ein USA-Problem, sondern wir haben auch ein Problem im Rest der Welt.“ Vorher habe er mit Zinke aber nie persönlich geredet.

Es sei erst nach und nach deutlich geworden, wie viele Fahrzeugtypen von den Manipulationen bei Diesel-Abgaswerten betroffen waren. Die gesamten Auswirkungen und möglichen Lösungen seien zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht klar gewesen. Am Dienstag (22. September 2015) sei dann auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) informiert worden. Angaben zu früheren Kontakten in die Politik wegen Unregelmäßigkeiten bei Abgasmessungen machte Winterkorn nicht.

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10 Kommentare zu "Ex-VW-Chef Winterkorn im U-Ausschuss: „Wir haben auch ein Problem im Rest der Welt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel, Dirnberger,Trautmann....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

  • "Welche Rolle der ehemalige VW-Chef bei den Diesel-Manipulationen spielte, versucht er heute dem Untersuchungsausschuss im Bundestag zu erklären."

    Dazu fällt mir ein afrikanisches Sprichwort ein: "Das, was du tust, schreit so laut, dass ich nicht hören kann, was du sagst." (aus Mosambik)

    Und zu „Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin.“:

    Unter "Verantwortung tragen" verstehe ich nicht, sich passiv aufklären "zu lassen", sondern sich selbst aktiv um solche Dinge.zu kümmern.

    Und vor allem verstehe ich darunter, nicht nur für transparente, nach allen Seiten durchgängige Kommunikationswege im Unternehmen zu sorgen, um dann effiziente Entscheidungen treffen zu können, sondern sich auch immer wieder bei seinen Mitarbeitern zu vergewissern, dass die Unternehmenskultur stimmt.

  • @ Herr Paul Jüntgen19.01.2017, 13:39 Uhr

    Ich bin hocherfreut darüber, dass Millionen SPD- und CDU- Wähler zur Bundestagswahl 2017 diesen sogenannten "Volksparteien" den Rücken kehren und AFD wählen werden. Die ehemaligen CDU Wähler, weil Merkel konservative Werte verraten hat; die ehemaligen SPD Wähler, weil ursprüngliche soziale Errungenschaften von den sozialistischen Polit-Technokraten mit Füßen getreten und verraten wurden ...

  • Wie haben wohl die Gesetze zur einer Anklage aber eine Merkel ohne Mut,wie immer.
    Auch Ackermann gehört vor ein Gericht,denn die Amis würden es ohne Zögern durchsetzten..
    Wir Deuschen sind durch die Tiefflieger der Politiker ein eigenes Hinderniss.

    Also was sollen wir wählen,bestimmt keine CDU+++++.

    Gruss P.J.

  • Überhaupt; was ist das für ein arroganter Sprachgebrauch? "... nicht nur in den USA ein Problem, sondern auch im Rest der Welt ..."

    Als wenn Deutschland der Nabel der Welt wäre und alle anderen Länder ganz klein.

    Das sind Großmanns-Allüren, die einem deutschen Landsmann nicht passieren sollten.

    Wir kritisieren ja schon die USA für ihre Überheblichkeit; dann sollten wir besser handeln und reden!

  • @ Herr Paul Jüntgen19.01.2017, 13:22 Uhr

    Volle Zustimmung.

    Ich boykottiere VW auch; werde mir nie wieder solch ein Auto kaufen!

  • Wer soll das Ganze, was Martin Winterkorn hier sagt, noch glauben? Er, als Oberindianer des Stammes der Automobilbauer habe also nicht gewusst, dass man mittels Software die Emissionswerte falsch darstellen kann? Die Weisung weltweit Autos mit dieser Schummelsoftware zu versehen, um sich Marktvorteile zu erschleichen, ging nicht von Winterkorn aus?

    Entscheidungen von solcher Tragweite werden doch nicht von einem kleinen Entwicklungs-Ingenieur getroffen! Für wie blöd halten die expressbaren niedersächsischen Politiker, die regelmäßig mit im Aufsichtsrat sitzen, und die VW-Geschäftsleitungen die Leute eigentlich?

    Das teure Kasperle-Theater nimmt seinen Lauf ...

    ... die Kosten trägt wieder einmal der Steuerzahler durch gigantische Steuerausfälle und durch fehlende Milliarden-Beträge bei der Kfz-Steuer.

    In dieser Hinsicht ist auch von Schäuble nichts zu vernehmen.

    Alles ein Verein von Leisetretern und Kuschern ...

  • Das ein Winterkorn nichts von den Manipulationen wusste glaubt nicht mal er selber.

    Nie würde ich einen VW wieder kaufen,denn das Management ist verlogen ,warum hat denn Piech nichts mit Winterkorn zu tun haben wollen.

    Gruss P.J.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Der gute alte Wiko, hat er also über die Diesel-Manipulationen wirklich nicht früher Bescheid gewusst, der arme VW-Vorstandvorsitzende hat nicht gewusst, was bei VW so vor sich ging.

    Er hat aber sicher gewusst, dass er 2014 mit 13,2 Millionen Euro bestbezahlter "Manager" in Europa war.

    Oder hat er das auch nicht gewusst?

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