Exklusiv-Studie Pharma verschläft die Digitalisierung

Auslaufende Patente, politische Krisen und Kostensenkungen treiben die Pharmakonzerne um. Die Industrie 4.0 schafft es dagegen wohl erst in 15 Jahren auf die Agenda der Branche, wie eine exklusive Studie zeigt.
Für die Produktionsprozesse von Medikamenten ist die Digitalisierung noch nicht von großer Bedeutung. Quelle: dpa
Pharmabranche

Für die Produktionsprozesse von Medikamenten ist die Digitalisierung noch nicht von großer Bedeutung.

(Foto: dpa)

FrankfurtAlle reden von der „Industrie 4.0“, der vierten industriellen Revolution. Das Internet lässt die reale und virtuelle Welt zusammenwachsen. Wie das funktioniert? Die Informations- und Kommunikationstechnologie verbindet sich mit der Automatisierungstechnik zum Internet der Dinge und Dienste. Weil sich Geräte und Maschinen vom Lieferanten bis zum Kunden eng miteinander vernetzen lassen, ergeben sich für Unternehmen große Chancen.

Doch die Pharmabranche hinkt in Sachen Digitalisierung bislang noch stark hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Management-Beratung Camelot unter 30 Führungskräfte von weltweit tätigen Pharmaunternehmen in 16 Ländern. Die Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Erst in 15 Jahren stehe das Thema ganz oben auf der Agenda der Konzerne – aber dann für sämtliche Funktionsbereiche der Pharmabranche.

Innerhalb der Branche gibt es allerdings Unterschiede. Für manche Bereiche sei das Thema schon heute von großer Bedeutung. So geben 60 Prozent der Befragten an, dass insbesondere die Logistik und die Lieferketten in den kommenden fünf Jahren von dem Fortschritt der Technologie betroffen sein werden. Anders im Bereich Forschung. 75 Prozent der Branchenkenner gehen davon aus, dass die Digitalisierung dort derzeit keinen Einfluss habe.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

In der Zukunft soll die Dominanz der Technik aber zunehmen. In 15 Jahren, geben 95 Prozent der Manager an, werden Logistik und Lieferketten stark von der digitalen Vernetzung beeinflusst. Ähnliches gilt ihrer Meinung nach auch für die Entwicklung von Medikamenten (70 Prozent der Befragten) und das Marketing (90 Prozent).

44 Prozent der Branchenkenner beschäftigt derzeit, wie Unternehmen Patienten im Krankheitsverlauf begleiten können – und das über die klassische Medikation hinaus. Das Ziel: eine größere Therapietreue. Absehbar sei schon jetzt, dass künftig bei der Behandlung noch mehr Überwachungsgeräte und Sensoren zum Einsatz kommen.

Erholung auf dem russischen Markt
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