Expansion Japans größter Elektromotorenhersteller Nidec kauft in Deutschland ein

Nidec ist einer der größten Motorenhersteller der Welt. Nun stärken die Japaner ihr Portfolio in der Robotik durch Zukäufe in Deutschland.
Update: 03.09.2018 - 08:33 Uhr Kommentieren
Der Gründer und heutige Verwaltungsratsvorsitzende von Nidec ist eine der bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Japans. Quelle: Reuters
Shigenobu Nagamori

Der Gründer und heutige Verwaltungsratsvorsitzende von Nidec ist eine der bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Japans.

(Foto: Reuters)

TokioIm Ausland ist der japanische Elektromotorenhersteller Nidec der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Aber deutsche Unternehmen, die mit Elektroautos und Robotern zu tun haben, könnten künftig deutlich häufiger von dem Konzern angesprochen werden, der seit Jahren zu den 15 wertvollsten japanischen Unternehmen gehört.

Am Montag meldete Nidec den Kauf des mittelständischen Getriebeherstellers MS-Graessner aus Baden-Württemberg. Damit will Nidec nicht nur das Know-how des Betriebs aus Dettenhausen in seinem Portfolio nutzen.

Die Japaner interessieren sich auch für Graessners Vertriebsnetz in Deutschland und Österreich, um den Absatz eigener Produkte in Europa zu verstärken. Und glaubt man japanischen Medien, könnte Graessner nicht der einzige Zukauf in Deutschland bleiben.

Der Deal ist Teil von Nidecs Strategie, seine Geschäfte in der Robotik zu stärken, erklärte ein Firmensprecher dem Handelsblatt. „Fusionen und Käufe spielen eine große Rolle in unserer Wachstumsstrategie“, so der Sprecher. Nidec schaue sich immerzu nach Firmen um, die der Konzern kaufen könnte. Allerdings wollte er nicht bestätigen, was die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Montag meldete: Nidec will demnach bis Ende März 2019 insgesamt fünf deutsche Firmen für geschätzt rund 380 Millionen Euro kaufen wolle.

Laut „Nikkei“ verhandelt Nidec noch mit vier weiteren Herstellern von Werkzeugmaschinen und Bauteilen für Roboter. Der Konzern will das allerdings nicht bestätigten. Die Firma sei sich nicht sicher, woher die Zahlen stammten, so der Firmensprecher. Es sei sehr schwer vorherzusagen, ob und wann Akquisen stattfinden und wie hoch die Kaufsummen sein würden.

Für die deutschen Mittelständler wäre der japanische Konzern allerdings ein interessanter Partner. Nidec wächst nicht nur stark und ist finanzkräftig. Zudem ist der Gründer und heutige Verwaltungsratsvorsitzende Shigenobu Nagamori ist eine der bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten Japans.

1973 gründete er Nidec in der alten Kaiserstadt Kyoto mit gerade vier Mitarbeitern. Doch seine Vision war von Beginn an global. Nur ein Jahr später begann er, seine Elektromotoren in den USA zu verkaufen. 1975 folgte Europa. 2017 setze Nidec 11,6 Milliarden Euro um, vor allem mit Motoren und Bauteilen für Autos, Roboter, Haushalts- und Industriegeräte.

Doch nicht nur durch seine globalen Ambitionen setzte sich der Start-up-Gründer von der Masse der japanischen Manager ab, sondern auch durch seine Strategie. Anders als Firmen wie Toyota, Honda oder Sony, die auf organisches Wachstum setzten, scheute er nicht vor Firmenkäufen zurück, um die Expansion seines Geschäfts zu beschleunigen.

Seit der Firmengründung hat der Konzern mehr als 50 Unternehmen gekauft. Dabei geht es Nagamori allerdings nicht nur um Umsatz, sondern um die Anpassung seines Unternehmens an die rasante technische Entwicklung. „Wir können nicht unser Wachstum aufrechterhalten, ohne unsere Unternehmensstruktur kontinuierlich zu verändern“, sagte der 74-jährige Unternehmer dieses Jahr.

Mit dem bevorstehenden Durchbruch für Elektroautos und Roboter geht er nun sogar größere finanzielle Wetten ein. 2017 stemmte Nagamori seinen bisher größten Kauf: Für 1,2 Milliarden US-Dollar kaufte er den amerikanischen Motorenhersteller Emerson Electric. Der Umsatz stieg damit um fast ein Viertel im Vergleich.

Dieses Jahr reihte Nidec für eine Milliarde US-Dollar das Kompressoren-Geschäft von Whirlpool in sein Portfolio ein. Auch Deutschland ist Nidec in diesem Zusammenhang als Investitionsziel nicht unbekannt: Voriges Jahr kauften die Japaner beispielsweise den Flensburger Kompressoren-Hersteller Secop, der nun als Nidec Global Appliance Compressors GmbH weiter wirtschaftet.

Nidecs Ziele sind dabei auch unter Nagamoris designiertem Nachfolger ambitioniert. Seit Juni führt der 50-jährige Hiroyuki Yoshimoto die Geschäfte, den Nagamori 2015 vom Autohersteller Nissan zu Nidec gelotst hatte. Der Geschäftsplan „Vision 2020“ sieht vor, dass die Firmenkäufe der jüngeren Geschichte Nidecs Umsatz um fast vier Milliarden Euro erhöhen. Das Geschäft mit Bauteilen und Elektromotoren für Autos soll dann bis zur Hälfte der Einnahmen erwirtschaften. Außerdem will Nidec seine Gewinnmarge von zuletzt zwölf auf 15 Prozent erhöhen.

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