Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Expansion von LEVC Darum könnten Londons schwarze Taxen bald auch auf dem Kontinent fahren

Das britische Unternehmen LEVC hat bereits mehrfach vor dem Aus gestanden. Nun will der Hersteller der berühmten Londoner Taxis auf dem europäischen Markt expandieren.
Kommentieren
Der britische Hersteller will nun auf den europäischen Markt. Quelle: imago/ZUMA Press
Die schwarzen Londoner Taxis

Der britische Hersteller will nun auf den europäischen Markt.

(Foto: imago/ZUMA Press)

London In Londons Straßen sind sie allgegenwärtig: die schwarzen Taxis des britischen Unternehmens London Electric Vehicle Company (LEVC). Bereits mehrfach stand die Firma vor dem Aus. Seit Anfang des Jahres führt Ex-Audi-Manager Jörg Hofmann LEVC.
Der Deutsche will das britische Unternehmen wieder erfolgreich machen – und damit mehr Autos der Marke LEVC auf Europas Straßen bringen.

Dafür hat Hofmann bereits die Produktion verschlankt und Arbeitsplätze abgebaut. In einem zweiten Schritt plant der Manager, die Produktpalette zu erweitern und neue Märkte zu erobern.

100-prozentiger Eigentümer von LEVC ist der chinesische Konzern Geely, zu dem unter anderem auch der schwedische Autohersteller Volvo gehört. LEVC bietet bisher ausschließlich die Elektroversion des Taxis an, das vor allem in London zum Einsatz kommt. Doch allein durch das Fahrzeug konnten die Briten bisher nicht profitabel sein.

Das Unternehmen stand bereits mehrfach kurz vor dem Aus. „Die Kosten waren nicht mehr unter Kontrolle, sie waren nicht dem Produktionsvolumen angemessen“, beschreibt Hofmann die Verhältnisse in der Firma bei seinem Start. „Es hätte nicht noch drei Jahre so weitergehen können.“

Aber so schnell wie Hofmann spricht, wurde er auch aktiv: Der Automanager stellte Produktionsabläufe und Lieferketten um. 20 Prozent der Belegschaft wurden entlassen. „Speed. Trust. Performance“ lautet das Programm, das der neue Chef den verbliebenen 530 Mitarbeitern verordnet hat.

„Mein Auftrag ist, die Firma langfristig auf gesunde Beine zu stellen. Und ich bekomme alle unternehmerischen Freiheiten dafür, die ich brauche.“ Auch in finanzieller Hinsicht. Die Probleme, die LEVC Anfang des Jahres noch hatte, habe er komplett in den Griff bekommen, ist Hofmann überzeugt.

Im kommenden Jahr will der vierfache Familienvater den zweiten Teil seines Sanierungsplans angehen: Hofmann will neue Märkte erschließen und dem Unternehmen durch neue Angebote zu Wachstum verhelfen. „Wir müssen uns vom Kernprodukt Taxi lösen – auch wenn wir uns nie ganz davon trennen werden“, sagt er.

Derzeit verkauft LEVC pro Jahr 3.000 elektrische Taxis. Das Werk in der britischen Industriestadt Coventry biete aber eine jährliche Produktionskapazität von 20.000 Fahrzeugen. „Um profitabel zu werden, müssen wir neue Produkte und Märkte erschließen“, sagt Hofmann. Ab 2021 soll deshalb zusätzlich zum Taxi ein Lieferwagen in der Fabrik vom Band rollen.

Beide Fahrzeuge basieren auf der gleichen Technologie: einem Elektroantrieb mit einem kleinen Verbrenner als Range Extender. Der Antrieb mit einer Elektro-Reichweite von gut 130 Kilometern soll es den Lieferunternehmen ermöglichen, Umweltzonen in Großstädten zu befahren, mit dem Dreizylinder-Benziner liegen aber auch Logistikzentren außerhalb der Städte in Reichweite. Insgesamt beträgt die Gesamtreichweite über 600 Kilometer.

LEVC hofft, durch den Vertrieb vor allem vom Boom im Onlinehandel zu profitieren. Vergangenes Jahr wurden allein in Deutschland laut der Strategieberatung Oliver Wyman 3,5 Milliarden Pakete in Deutschland ausgeliefert. In zehn Jahren werden es auf dem größten Paketmarkt bereits neun Milliarden sein, wie die Experten prognostizierten.

Ein neues Segment

Hofmann ist zuversichtlich, dass sich genügend Kunden für Lieferwagen finden werden. Gerade im Ein-Tonnen-Segment sei die Nachfrage groß. Zugleich sei die Mehrheit der bisher eingesetzten Transporter Dieselfahrzeuge, deren Einsatz in immer mehr Städten eingeschränkt wird, wie etwa in London, wo Anfang des Jahres eine Ultra-Low-Emission-Zone (ULEZ) eingeführt wurde. LEVC sei einer der ersten Anbieter von Lieferwagen mit vollkommenen Elektroantrieb. Auf dem Markt ist nach Ansicht des Managers durchaus Platz für bis zu vier Anbieter.

Auch Experten sehen Potenzial in dem Markt: Sollte es in weiteren Städten zu Einschränkungen für Dieselfahrzeuge kommen, würde die Nachfrage nach E-Transportern „sprunghaft“ steigen, ist Logistikexperte Boris Zimmermann von der Universität Fulda überzeugt.

Darüber hinaus profitiert LEVC von der Unterstützung aus anderen Teilen des Geely-Konzerns. So kommt in den LEVC-Autos die Software-Architektur der Schwestermarke Volvo zum Einsatz.

Allerdings sind die LEVC-Fahrzeuge kein Schnäppchen: Das Taxi kostet 62 .000 Euro. Den Preis für den Transporter hat LEVC noch nicht verkündet, er wird sich Experten zufolge aber in einer ähnlichen Preisklasse wie das Taxi befinden.
Europaoffensive geplant

Zwar soll in Zukunft das britische Geschäft im Mittelpunkt stehen. Dennoch plant LEVC eine Europaoffensive. Von einem neuen Zentrum in Frankfurt wollen die Briten die europäischen Märkte bedienen. Hofmann hat aber bereits Anfragen aus Ägypten, Japan und dem Mittleren Osten erhalten. Der Fokus soll aber zunächst auf Europa liegen.

Dabei zielt das Unternehmen nicht allein auf den Markt für klassische Taxis ab, sondern auch auf den für Shuttle-Dienste wie Clever Shuttle oder Ioki. Einige haben bereits LEVC-Autos im Einsatz. Allerdings sind beispielsweise die 20 Fahrzeuge der Deutschen-Bahn-Tochter Ioki weiß lackiert sind und somit kaum direkt mit den schwarzen Taxis von LEVC in Verbindung zu bringen.

LEVCs Start in Deutschland scheint vielversprechend. „Wir sind sehr zufrieden mit den Fahrzeugen, weil sie sowohl emissions- als auch barrierefrei sind“, teilt die Deutsche Bahn auf Anfrage mit.

Kein harter Brexit?

Was den Austritt der Briten aus der EU betrifft, ist der Automanager nicht so pessimistisch wie andere. Er ist überzeugt, dass ein harter Brexit, also ein Austritt ohne Handelsabkommen, nicht eintreffen wird. „Ich gehe fest davon aus, dass die Vernunft die Oberhand gewinnt und nach all dem Säbelrasseln ein Abkommen vereinbart wird. Sonst würden wir am 1. November hier das absolute Chaos erleben“, sagt Hofmann.

Wie fast alle Automobilhersteller bezieht LEVC den Großteil seiner Bauteile aus dem Ausland. 40 Prozent kommen aus der EU, der Rest stammt aus China und den USA. Ein harter Brexit könnte die Produktion zum Stillstand bringen. Für solche Schwierigkeiten sei das Unternehmen aber vorbereitet: LEVC hat die Lagerbestände bereits aufgestockt.

Dadurch wird laut Hofmann nicht mehr nur für zwei bis vier Wochen eine reibungslose Produktion gewährleistet, sondern für einen doppelt so langen Zeitraum. „Wir verfolgen eine klare Wachstumsstrategie, die wird auch kein Brexit aufhalten“, sagt Hofmann. Gemeinsam mit Geely gehe man entschlossen die Elektrifizierung von Fahrzeuge an. „Der Brexit wirft uns nicht aus der Kurve.“

Mehr: Bei der Mobilität der Zukunft sind Bosch, ZF und Conti auf dem Weg, zu Rivalen ihrer bisherigen Großkunden zu werden. Es geht um einen Milliardenmarkt.

Startseite

Mehr zu: Expansion von LEVC - Darum könnten Londons schwarze Taxen bald auch auf dem Kontinent fahren

0 Kommentare zu "Expansion von LEVC: Darum könnten Londons schwarze Taxen bald auch auf dem Kontinent fahren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote