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Fahrradindustrie„Wir haben ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell“ – Bike24 wächst, doch der Aktienkurs ist unter Druck

Krieg, Inflation und gestörte Lieferketten sind große Herausforderungen für den Börsenneuling. Bike24 hält seine Prognose – könnte aber am unteren Ende der Spanne landen.Axel Höpner 10.05.2022 - 08:03 Uhr Artikel anhören

Der Internethändler profitiert vom Fahrradboom in Coronazeiten.

Foto: Bike24

München. Der Fahrradboom ist seit Beginn der Corona-Pandemie ungebrochen. Doch der Aktie von Bike24 hat das bislang nicht geholfen. Seit dem Börsenstart vor knapp einem Jahr ist der Kurs von 15 auf unter sechs Euro gefallen. Gründer und CEO Andrés Martin-Birner sagt im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Wir haben ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell, doch dem allgemeinen Trend an den Börsen können wir uns nur schwer entziehen.“

Das Unternehmen sei aber operativ profitabel und das Geschäftsmodell unter anderem durch den hohen Anteil von Zubehör und Teilen, die für wiederkehrende Einkäufe der Kunden sorgten, sehr widerstandsfähig. Das würden irgendwann auch die Kapitalmärkte erkennen.

Im ersten Quartal waren die Geschäfte nicht einfach. Martin-Birner sagt: „Krieg, Inflation und Lieferketten“ seien die großen Herausforderungen gewesen. Bike24 konnte vor allem dank der Expansion im Ausland die Umsätze um sieben Prozent auf knapp 62 Millionen Euro steigern. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse noch um rund 26 Prozent auf 250 Millionen Euro gestiegen.

Für das laufende Jahr hat Bike24 einen Umsatzanstieg um zehn bis 17 Prozent prognostiziert. Die bereinigte operative Umsatzrendite soll bei neun bis zehn Prozent liegen. Martin-Birner bestätigte die Prognose. Wegen der vielen Unsicherheiten werde man aber wohl eher im unteren Bereich landen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hatte die Fahrradbranche einen nie da gewesenen Aufschwung erlebt. In den Lockdowns hatten viele Menschen das Radeln wieder für sich entdeckt. Die Absatzzahlen erreichten neue Rekorde, viele Modelle waren über Monate ausverkauft.

Nicht nur kurzfristiger Boom

Zwar sank der Absatz von E-Bikes und Fahrrädern im vergangenen Jahr in Deutschland von 5,0 auf 4,7 Millionen Verkäufe. Das lag aber allein an der Teileknappheit. Weil zum Beispiel Ketten und Bremshebel fehlten, konnten neue Modelle erst verspätet ausgeliefert werden.

Die Branche ist davon überzeugt, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Boom handelt. Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), sagte: „Wir sind auf ein neues Level gesprungen.“

Auch Bike24-CEO Martin-Birner ist überzeugt: „Der Trend zum Fahrrad ist ungebrochen.“ Das Umsatzwachstum sei gedämpft, weil noch immer Ketten, Reifen und Schaltwerke fehlten. Die Nachfrage sei zwar durch den Kriegsbeginn etwas gedrückt worden, insgesamt aber weiter sehr stabil.

Die Fahrradbranche profitiere nun von den jetzt wieder höheren Temperaturen. Martin-Birner ist überzeugt, dass auch die hohen Kraftstoffpreise manchen Autofahrer zum Umstieg bewegen könnten.

Der Vorstandschef hat den Onlinehändler vor 20 Jahren gegründet.

Foto: Bike24/LinkedIn

Fehlt nur noch ein Aufschwung an der Börse. Martin-Birner glaubt, dass Bike24 ein wenig in Sippenhaft genommen wurde: Da es wenig direkte, börsennotierte Konkurrenten gebe, werde das Unternehmen von den Kapitalmärten als E-Commerce-Spezialist angesehen.

Der Sektor aber sei stark unter Druck, weil die Investoren in Krisenzeiten besonders genau hinsehen, ob Geschäftsmodelle profitabel seien. „Das sind wir aber im Gegensatz zu vielen anderen Internethändlern schon seit unserer Gründung vor 20 Jahren.“

Bei Bike24 dürfte auch eine Rolle spielen, dass aktuell nur rund 23 Prozent der Aktien frei handelbar sind. Aktuell hält der Finanzinvestor Riverside noch 35 Prozent der Anteile. Zu den weiteren Investoren gehören unter anderem The Capital Group mit gut sieben und Rocket Internet mit gut sechs Prozent.

Fahrradindustrie auch zunehmend für Investoren interessant

Die Fahrradindustrie profitiert derzeit zudem vom Trend zu höherwertigen Rädern - vor allem, weil der E-Bike-Anteil steigt. Der durchschnittliche Verkaufswert lag im vergangenen Jahr bei 1395 Euro. Vor drei Jahren waren es nur 929 Euro.

Der Umsatz mit verkauften Fahrrädern stieg so im vergangenen Jahr trotz des leichten Absatzrückgangs um zwei Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Einschließlich Ersatzteilen und Zubehör kommt die Branche auf rund zehn Milliarden Euro Umsatz.

Damit wurde die Fahrradindustrie auch zunehmend für Investoren interessant. Beim Börsengang wurde Bike24 mit 660 Millionen Euro bewertet. Auch andere Unternehmen in der Branche lockten Investoren an. So übernahm die Investmentgesellschaft GBL dem Vernehmen nach für 800 Millionen Euro den deutschen Fahrradproduzenten Canyon, der stark auf den Internetvertrieb setzt.

Zuletzt kaufte der niederländische Konzern Pon Holdings (Gazelle, Urban Arrow) für 700 Millionen Euro die Fahrradtochter des kanadischen Mischkonzerns Dorel Industries. Damit sicherte sich Pon Holdings Marken wie Cannondale und Schwinn und verdoppelt den Umsatz im Fahrradgeschäft auf etwa 2,3 Milliarden Euro.

Bike24 ist einer der Pioniere in der Branche. Martin-Birner gründete den Onlinehändler schon vor 20 Jahren gemeinsam mit Lars Witt in Dresden. Heute sieht sich das Unternehmen als „eine der führenden E-Commerce-Plattformen in Kontinentaleuropa“ für Fahrradfahrer mit einem Fokus auf das Premiumsegment. Der Onlineshop verkauft bislang vor allem Ersatzteile und Zubehör, der Anteil von Kompletträdern wächst aber stark.

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Im vergangenen Jahr war der Umsatz um rund 26 Prozent auf 250 Millionen Euro gestiegen. Das operative Ergebnis (Ebitda) sank unter anderem wegen der Kosten für den Börsengang um 15 Prozent auf 20,3 Millionen Euro.

Potenzial sieht Martin-Birner insbesondere bei der Auslandsexpansion. Spanien, Frankreich und Italien konnten die Umsätze im ersten Quartal im Schnitt um etwa zwei Drittel steigern. Der Bau des neuen Logistikzentrums im Raum Barcelona zur Belieferung der südeuropäischen Kunden schreite planmäßig voran. Für Onlinehändler sind solche Lager wichtig, da die Kunden eine immer schnellere Lieferung erwarten.

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