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Fahrzeughersteller Wie Daimler mit neuer Technik Busreisende vor Corona schützen will

Aktivfilter, Schutzscheiben, antiviral beschichtete Oberflächen: Daimler will Busfahren sicherer machen – und so die notleidende Branche retten.
06.09.2020 - 14:49 Uhr Kommentieren
Mit neuen Aktivfiltern will Daimler das Reisen sicherer machen. Quelle: dpa
Till Oberwörder (l.) und Hartmut Schick (Archivbild von 2018)

Mit neuen Aktivfiltern will Daimler das Reisen sicherer machen.

(Foto: dpa)

München, Frankfurt Till Oberwörder ist Realist genug: Wer aktuell in einen Bus oder ein Flugzeug steigt, habe „unweigerlich Bedenken“. Der Chef von Daimler Buses hat Verständnis dafür, dass sich Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie ungern zusammen mit Dutzenden anderen Menschen einkapseln lassen – wenn es auch nur für wenige Minuten ist. „Aber es gibt faktisch kaum eine Gefährdung, den Bus zu nehmen“, sagt Oberwörder im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Manager will Fahrgästen zumindest ein Stück weit die Angst nehmen und kündigt technische Neuerungen an. So setzt Europas führender Hersteller von Reise- und Linienbussen seit einigen Wochen in den Klimaanlagen seiner Serienfahrzeuge Hochleistungspartikelfilter ein. „Diese Filter haben eine antivirale Funktionsschicht. Selbst feinste Aerosole, die Viren übertragen, können damit gefiltert werden“, sagt Oberwörder.

Bisher wurden in Klimaanlagen von Bussen der Marken Mercedes und Setra vorwiegend Grobfilter verbaut. Mithilfe der neuen Aktivfilter könne Daimler das Reisen nun „sicherer machen“, erklärt der 49-Jährige. Sein Konzern verzeichne eine extrem hohe Nachfrage bei dem System, mit dem auch Bestandsfahrzeuge nachgerüstet werden können. Um die Maßnahme auch für Passagiere kenntlich zu machen, soll jeder Bus mit Aktivfilter einen Aufkleber erhalten.

Darüber hinaus stattet Daimler seine Fahrzeuge mit sensorgesteuerten Spendern für Desinfektionsmittel und mit Schutzscheiben für die Fahrer aus. „Wir prüfen aktuell auch, ob wir die Oberflächen unserer Busse antiviral beschichten können“, sagt Oberwörder. Sein Engagement hat letztlich ein Ziel: das teils völlig daniederliegende Geschäft endlich wieder in Schwung zu bringen.

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    Mit einem Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro und 18.000 Mitarbeitern ist die Truppe von Oberwörder zwar die kleinste Einheit bei Daimler, sie bereitet dem Industriekoloss aktuell aber die größten Sorgen. Denn nirgendwo sind die Verwerfungen bei dem 170 Milliarden Euro Umsatz schweren Dax-Konzern so heftig wie im Busgeschäft. Im zweiten Quartal sackte der Absatz hier um 63 Prozent ab. Zum Vergleich: Insgesamt verkaufte Daimler in diesem Zeitraum um gut ein Drittel weniger Autos, Lastwagen, Kleintransporter und Busse.

    Manche von Daimlers Geschäftskunden werden Krise nicht überstehen

    „Wir unterscheiden in unserem Geschäft zwischen Reisebus und Linienbus“, sagt Oberwörder. Während die Nachfrage von Städten und Kommunen nach Fahrzeugen für den Einsatz im öffentlichen Nahverkehr zuletzt recht stabil gewesen sei, kollabierte der Reiseverkehr infolge von Covid-19. Schlimmer noch: „Hier gibt es nach dem massiven Einbruch im zweiten Quartal kaum einen Erholungseffekt“, erklärt Oberwörder.

    Die hohen Infektionszahlen in wichtigen Märkten wie Brasilien, Argentinien, Mexiko oder Indien machen Daimler Buses schwer zu schaffen. Und auch im Kernmarkt Europa geht es nur schleppend voran. Manche Unternehmen, die bei den Schwaben ihre Busse kaufen, dürften die Pandemie nicht überleben. Als Teil der hart getroffenen Tourismusbranche kämpfen viele Busunternehmen in Deutschland um ihre Existenz.

    Etwa 300 Busse fuhren Ende Mai zu einer Demonstration am Brandenburger Tor. Die Branche hält die bisher erteilten Staatshilfen nicht für ausreichend und fordert mehr Unterstützung. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
    Krise bei Busunternehmen

    Etwa 300 Busse fuhren Ende Mai zu einer Demonstration am Brandenburger Tor. Die Branche hält die bisher erteilten Staatshilfen nicht für ausreichend und fordert mehr Unterstützung.

    (Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

    Der Bundesverband der Omnibusunternehmer (bdo) befürchtet eine Pleitewelle in der Branche. Rund 240.000 Jobs seien in Gefahr. Von Mitte März bis Ende Mai hatte die Bundesregierung das Busreisen komplett verboten. Erst seit Sommer ist dies wieder möglich. Meist müssen die Passagiere aber eine Maske tragen, je nach Bundesland gelten teils auch Mindestabstände.

    Viele Busunternehmen haben ihre Fahrzeuge im Lockdown vorübergehend stillgelegt. Dabei sind hohe Vorhaltekosten entstanden. Die 170 Millionen Euro an Soforthilfe aus Berlin reichten nicht aus, klagt die Industrie. Zumal die Branche laut einer Umfrage des bdo unter 591 Unternehmen damit rechnet, dass die Umsätze auch von September bis Dezember um 70 Prozent unter denen im Vorjahr liegen werden.

    „Der Druck auf die Branche ist groß. Die Lage ist ernst“, bestätigt Daimler-Manager Oberwörder und will mit Mythen aufräumen. So sei etwa die Frischluftzufuhr in Reisebussen weit besser, als gemeinhin angenommen wird. „Die vollautomatischen Klimaanlagen in unseren Reisebussen sichern bei einer gängigen Außentemperatur einen kompletten Luftaustausch alle zwei Minuten ab. Die Luft verlässt dabei auch tatsächlich das Fahrzeug“, sagt Oberwörder.

    Zum Vergleich: In einer Wohnung oder im Büro tausche sich die Luft nur in etwa alle zwei Stunden völlig aus. „Das zeigt, welchen Beitrag Technologie bei der Überwindung der Unsicherheit infolge der Pandemie leisten kann“, meint Oberwörder. Auch eine Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) legt nahe, dass das Risiko, sich beim Busfahren mit Covid-19 anzustecken, vergleichsweise gering ist.

    Stichprobe bestätigt: Kaum Infektionen im Bus

    Das RKI hat in rund 55.000 Fällen erfasst, wo sich die Deutschen infiziert haben. In Bussen haben sich demnach bei 13 Ausbrüchen 66 Personen das Virus eingefangen. Mehrere Tausend Fälle gibt es dagegen jeweils in privaten Haushalten, am Arbeitsplatz oder in Alten- und Pflegeheimen. Derlei Daten lassen die schwer gebeutelte Busbranche zumindest ein wenig hoffen.

    Gerade Stadt- und Linienbusse seien „systemrelevant“, sagt Oberwörder. Die Ausschreibungen der öffentlichen Hand laufen daher auch während der Pandemie weiter. So kann Daimler im Busgeschäft zumindest mit einem gewissen Grundumsatz planen. Zumal der Konzern nach Jahren des Zögerns mittlerweile mit dem eCitaro auch einen rein elektrischen Stadtbus im Angebot hat.

    „Wir sind echt zufrieden mit dem eCitaro. Im vergangenen Jahr waren wir dreistellig beim Absatz unterwegs“, erklärt Oberwörder und kündigt an, nun auch eine Gelenkbusvariante des Modells auf den Markt zu bringen, mit der mehr Personen transportiert werden können. Anders als etwa anfänglich im Pkw-Bereich werde Daimler bei seinen Bussen keinen Engpass an Batterien oder Batteriezellen erleben. „Wir sind gut versorgt“, meint Oberwörder. Das ist essenziell wichtig für sein Geschäft. Denn Städte wie Hamburg kaufen seit 2020 nur noch E-Busse.

    Mehr: Gewinner statt Krisenverlierer: Reise-Start-up Omio sammelt 100 Millionen Dollar ein.

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