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Fahrzeugindustrie Daimler will seine Lkw-Produktion bis Juli auf normales Niveau erhöhen

Vorstand Martin Daum sieht erste Signale für eine rasche Erholung des Geschäfts. Einige Experten sind jedoch nicht so zuversichtlich wie der Manager.
03.05.2020 - 15:10 Uhr Kommentieren
Daimler will seine Lkw-Produktion bis Juli auf Normalniveau erhöhen Quelle: Daimler AG
Lkw

Die Produktion soll zeitnah erhöht werden.

(Foto: Daimler AG)

München, Frankfurt Nach dem Zusammenbruch seines Geschäfts in der Coronakrise sieht Daimler-Vorstand Martin Daum erste Anzeichen für eine schnelle Erholung. Der 60-Jährige leitet die Trucksparte des Dax-Konzerns, die mit einem Jahresumsatz von rund 45 Milliarden Euro der weltweit führende Hersteller von Nutzfahrzeugen ist.

„Über alle Industrien hinweg trauen wir uns ab Mai zu, die Schlagzahl in der Produktion zu erhöhen und vielleicht schaffen wir es, im Juni oder Juli wieder an das Normalniveau heranzukommen“, sagte Daum dem Handelsblatt.

Zuvor hatte Daimler die meisten seiner Lastwagen- und Busfabriken rund um den Globus für fünf Wochen stillgelegt, da mit der Ausbreitung des Coronavirus der Verkauf von Nutzfahrzeugen dramatisch eingebrochen war. Seit dem 20. April fährt der Konzern seine Werke aber wieder hoch, zunächst auf ein Viertel der möglichen Kapazität, bald schon wird es deutlich mehr.

„Unser Ziel ist, dass wir im Mai die Auslastung auf 50 Prozent, in manchen Bereichen sogar auf 70 Prozent erhöhen. Und zwar, weil es der Markt hergibt“, verkündet Daum. „Das ist schon erstaunlich und ein ermutigendes Zeichen. Ich war selbst überrascht, als ich die Auftragszahlen gesehen habe.“

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    Die Zuversicht des Managers kommt ein Stück weit unerwartet, da Lastwagenbauer in der Regel von wirtschaftlichen Verwerfungen härter getroffen werden als Pkw-Hersteller. Wettbewerber wie Volvo oder die Volkswagen-Tochter Traton (MAN, Scania) hatten ihre Erwartungen für 2020 erheblich zurückschrauben müssen.

    Der Chef der Lkw-Sparte von Daimler sieht positive Anzeichen. Quelle: Bloomberg
    Martin Daum

    Der Chef der Lkw-Sparte von Daimler sieht positive Anzeichen.

    (Foto: Bloomberg)

    Auch Daimler hat Probleme, der Absatz ging im ersten Quartal um ein Fünftel zurück. Doch die Bestellungen fallen besser aus als erwartet, in den USA melden die Stuttgarter sogar ein Auftragsplus.

    „Lastwagen verbrauchen sich und müssen nachgekauft werden. Es wird weitergehen. Das ist eine Gewissheit“, konstatiert Daum dazu. Ohne Güterverkehr geht aus seiner Sicht nichts – Krise hin oder her. Einige Experten sind indes weniger zuversichtlich als der Daimler-Manager. Die Beratungsfirma Oliver Wyman erwartet beispielsweise für das laufende Jahr in Europa einen Absatzrückgang von fast einem Drittel.

    „Segment Reisebus ist tot“

    Im schlimmsten Fall könnten sich die Auslieferungen sogar halbieren, erklären die Branchenkenner in einer aktuellen Studie. Die Dramatik hängt mit dem spezifischen Geschäft zusammen. So stellen Spediteure ihre Bestellungen zurück, wenn sich die Nachfrage eintrübt. Der bestehende Fuhrpark wird dann erst später erneuert.

    Daimler sieht diesen Effekt im Moment aber nur bedingt. Zwar gebe es Länder wie Italien und Branchen wie den Tourismus, in denen das Geschäft völlig zum Erliegen gekommen ist. „Das Segment Reisebus ist komplett tot“, sagt Truckchef Daum. Zugleich spüren aber viele Kunden, die Konsumgüter transportieren, seinen Worten zufolge „wenig bis gar nichts von der Krise“.

    Und Daum versichert, beim Hochlauf der Produktion keinerlei Risiko einzugehen. „Wir produzieren keine Lastwagen auf Halde“. Bevor ein Sattelschlepper oder Gelenkbus gebaut werde, müsse jeder Kunde noch einmal klarstellen, das Fahrzeug am nächsten Tag auch wirklich abzunehmen.

    Daum bemüht sich zwar, Optimismus zu verbreiten; schönreden kann und will er die Lage aber nicht. 2020 wäre so oder so „kein Jubeljahr“ für seine Branche geworden. Nach einem langen Boom setzte bereits Mitte 2019 der erwartete zyklische Abschwung im Truckgeschäft ein. Die Pandemie hat die Situation nun zusätzlich verschärft. „Wir haben zusammengebrochene Lieferketten erlebt und wir haben Kunden, die nicht fahren, weil sie von anderen Firmen abhängig sind.“

    Inzwischen hat sich die Lage aber etwas entspannt. Nachhaltige Ausfälle in den Lieferketten hätten sich bislang nicht ergeben. Die Unternehmen seien recht stabil, was Daum auch auf staatliche Finanzhilfen zurückführt. Deutschland und viele andere Länder haben ihren Industrien umfangreiche Kredite gewährt, um die Firmen liquide zu halten. Zudem hat die Truck-Industrie schon vor Corona damit begonnen, strukturelle Schwächen wie zu hohe Kapazitäten anzupassen, loben die Experten von Oliver Wyman. Das macht die Hersteller nun widerstandsfähiger.

    Daimler Trucks hat im Herbst 2019 das Effizienzpaket „Stream 2“ auf den Weg gebracht. Allein im schwächelnden Europageschäft will Daum damit die Kosten in den nächsten Jahren um mehr als eine halbe Milliarde Euro senken. Für diese Aufgabe verstärkt Daum seinen Vorstand mit Karin Rådström. Die 41-jährige Vertriebsexpertin wird neue Chefin der Kernmarke Mercedes-Benz Lkw.

    Mit Blick auf die unerwartet stabile Nachfrage sieht Daum derzeit keinen Bedarf, das laufende Sparpaket zu verschärfen. „Wir werden unser Fitnessprogramm nicht ausweiten. Denn was vor der Krise richtig und notwendig war, ist auch in der Krise und auch nach der Krise richtig.“
    Eine Hintertür lässt sich der Manager indes offen. „Wenn wesentliche Segmente oder Märkte unseres Geschäfts infolge der Coronakrise langfristig völlig wegfallen würden, müssten wir nachschärfen oder anders planen“, sagt Daum. Allerdings sehe er ein solches Szenario derzeit nicht. Um Kosten zu senken, setzt Daimler dafür verstärkt auf Partnerschaften. Bei der Brennstoffzelle paktieren die Schwaben bei ihren Lkws etwa mit dem Konkurrenten Volvo.

    Mehr: Mercedes findet neue Lkw-Chefin bei Scania.

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