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Familie von Bohlen und Halbach Thyssen-Krupp-Gründerfamilie droht Stiftung mit juristischen Konsequenzen

Die Diskussion über die Aufspaltung und die Ausschüttung einer Sonderdividende hat scharfe Kritik der Gründerfamilie ausgelöst. Sie erwägt jetzt juristische Schritte.
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ThyssenKrupp-Gründerfamilie droht Stiftung mit Folgen Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Eckbert von Bohlen und Halbach, Diana Friz, Friedrich von Bohlen und Halbach (r.)

„Was ist diese Stiftung für eine Veranstaltung?“

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Düsseldorf Nach dem neuerlichen Chaos bei Thyssen-Krupp kritisieren drei direkte Nachfahren von Alfried Krupp erneut die fehlende Stärke und Kompetenz der Stiftung, die sich mit 21 Prozent der Anteile als größter Aktionär zum wiederholten Male „blamiert hat“.

Diana Friz sowie Friedrich und Eckbert von Bohlen und Halbach, die den Familienrat bilden, klagen an: „Dass die Stiftung ihren testamentarisch hinterlegten Auftrag, die Einheit des Unternehmens zu bewahren, nicht in diesem Sinne ehrlich verfolgt, ist schon ungeheuerlich genug“, sagt Friedrich von Bohlen. „Noch schlimmer ist aber, dass sie die Zerschlagung des Unternehmens aktiv gefördert hat und derzeit dahingehend stillschweigend duldet, indem sie zu einer möglichen Sonderdividende keine klare Stellung bezieht: Was ist diese Stiftung für eine Veranstaltung?“

Als mögliche Konsequenz aus diesem Verhalten bliebe der Familie der Gang zur Stiftungsaufsicht, um die treuhänderischen Pflichten und Verantwortlichkeiten der Stiftung sicherzustellen. Friedrich von Bohlen betont, dass eine Entscheidung darüber in der Familie noch nicht gefallen ist, rechtfertigt aber allein schon die gedanklichen Vorarbeiten in dieser Sache: „Jede Form einer sachlichen Kontaktaufnahme zwischen Familie und der Stiftung wurde von dieser blockiert. Eine direkte Kommunikation mit der Stiftung über die ja aus der Familie stammenden Werte und Erwartungen ist offenbar nicht möglich.“

Bei der Stiftung wollte sich niemand näher zu den Vorgängen im Konzern und zu den Vorwürfen der Familie äußern. Nur so viel: „Wir haben die Meldung (zum bevorstehenden Führungswechsel, die Red.) zur Kenntnis genommen. Die weiteren Entscheidungen sind eine Sache des Aufsichtsrates.“

Das Familientrio sieht sich als aus den Testamenten legitimierte Instanz, die Ziele und Werte des seinerzeitigen Familienunternehmens gerade auch im Sinne des Stiftungsgründers zu bewahren. Die Familie hält keine nennenswerten Anteile an Thyssen-Krupp und ist auch an der Krupp-Stiftung nicht beteiligt.

Warum aber meldet sie sich trotzdem immer wieder nachdrücklich zu Wort? Eckbert von Bohlen und Halbach sagt: „Zunächst einmal trägt die Stiftung unseren Namen, sie heißt nämlich nicht Alfried Krupp-Stiftung, sondern Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.“

Seine Cousine Diana Friz ergänzt: „Außerdem repräsentieren wir den Familienrat der Krupps, der schon 1943 gegründet wurde – also viele Jahre vor der Stiftung.“

Der Familienrat sieht die Hauptverantwortlichkeit für die verfahrene Situation des Unternehmens in der Art und Weise, wie die Stiftung erst unzeitgemäß autokratisch unter Berthold Beitz und jetzt quasi gegenteilig dilatorisch unter Ursula Gather dem Unternehmen gegenübersteht und agiert.

So habe sich nie eine Führungsmannschaft und Unternehmenskultur entwickeln können, die heutigen Anforderungen und Maßstäben gerecht würden. Friedrich von Bohlen sagt: „Als Beitz starb, fand sich die Stiftung in einer Situation wieder wie Jugoslawien nach Tito.“

Angesichts der Lage, in der sich Thyssen-Krupp befindet, fordert die Familie nach wie vor ein Mitspracherecht: „Was Beitz gemacht hat, war nie im Sinne des Testaments. Die Überführung der Firma in die Stiftung unter einem Usurpator wie Beitz war der kapitalste Fehler der Firmengeschichte. Beitz hat sich eigentlich vorhersehbar verhalten, aber durch eben seinen autokratischen Stil diese unfassbare Misere herbeigeführt. Die, die es heute anders und besser machen könnten, sind aus derselben Logik kommend entweder nicht da oder sind nicht mutig genug, das zu tun“, fügt von Bohlen an: „Die Griechen nennen so etwas Tragödie: ein erkennbares, aber nicht abwendbares Schicksal.“

Mehr: Beim Industriekonzern will sich die Spitze des Aufsichtsrats von Konzernchef Kerkhoff trennen. Chefkontrolleurin Merz will selbst Interimschefin werden.

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