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Fehlende Nachrüstung Behörden legen erste Diesel-Autos in München und Hamburg still

In München sollen 41 VW- und Audi-Fahrzeuge stillgelegt werden. In deren Motoren ist die verbotene Manipulations-Software verbaut.
Update: 06.06.2018 - 18:46 Uhr 1 Kommentar
Die Stilllegungen treffen Autobesitzer, die immer noch an keiner Diesel-Rückrufaktion teilgenommen haben. Quelle: dpa
Der Auspuff eines Audi A7

Die Stilllegungen treffen Autobesitzer, die immer noch an keiner Diesel-Rückrufaktion teilgenommen haben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, München, NürnbergIn München und Hamburg haben die Behörden zum ersten Mal Diesel-Autos mit manipulierter Abgas-Software zwangsweise stillgelegt. Die Besitzer hatten auf die mehrfache Aufforderung zum Update der Motorsteuerung nicht reagiert. In Hamburg wurden zwei Wagen aus dem Verkehr gezogen, in München einer, wie die kommunalen Behörden auf Anfrage mitteilten.

Betroffen sind VW- und Audi-Modelle der Baujahre 2009 bis 2014 mit dem „EA 189“-Dieselmotor mit illegaler Abschaltvorrichtung für die Abgasreinigung. Deutschlandweit drohen säumigen Besitzern solcher Dieselfahrzeuge in den kommenden Wochen Stilllegungen.

Auch Dieter Herrmann (Name geändert) könnte davon betroffen sein. Er hatte seinen Volkswagen nicht umrüsten lassen und ist das Risiko eingegangen, dass sein Wagen zwangsstillgelegt wird. „Teilen Sie uns bitte bis zum 30.4.2018 Ihre Entscheidung mit, da wir danach ein gebührenpflichtiges Schreiben gegen Sie erlassen müssen“, hatte ihm die Kfz-Zulassungsstelle Hannover Ende März geschrieben. Er sollte dann für einen Brief zahlen, mit dem sein VW Caddy „außer Betrieb gesetzt wird“.

Für die Zulassungsstelle war das Vorgehen konsequent. Herrmann brachte es in die Bredouille. Er weigerte sich schließlich, das zu tun, was die Behörde von ihm verlangte: Hermann sollte ein Software-Update auf sein Fahrzeug aufspielen lassen. Doch genau das, befürchtet Hermann, hätte seine Position im Rechtsstreit mit dem Hersteller geschwächt.

In München hat das Kreisverwaltungsreferat insgesamt sogar die Stilllegung bei 41 Fahrzeugen angeordnet, deren Besitzer ihre Fahrzeuge bislang nicht nachgerüstet haben. Allerdings läuft bei diesen Autos zum Teil noch eine letzte Gnadenfrist. „Bei lediglich einem Fahrzeug haben wir in dieser Woche die erste zwangsweise Außerbetriebsetzung durch die Polizei veranlasst“, berichtete der Sprecher.

In Nürnberg handle es sich um etwa 30 Autos, sagte Steffen Keßler, Leiter der örtlichen Kfz-Zulassung. „Wir sind gerade in der Phase, dass wir die Halter anschreiben.“

Die Zwangsmaßnahmen treffen die Autobesitzer, die 18 Monate nach der Freigabe der Nachrüstung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) „trotz der mehrfachen Erinnerungen durch den Hersteller nicht an der Rückrufaktion teilgenommen haben“, wie eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums erläuterte.

Ein VW-Kunde aus Düsseldorf beschreibt seinen Austausch mit der Behörde so: „Ich habe sowohl telefonisch als auch schriftlich um Fristverlängerung gebeten, beides wurde abgelehnt.“ Wenn er bis zum 26. April keinen Nachweis über ein Software-Update erbringe, sei ein weiteres Schreiben angekündigt worden, für das er 20 Euro bezahlen soll. „In diesem Schreiben wird mir eine erneute Frist von 40 Tagen eingeräumt. Danach wird das Stilllegungsverfahren eingeleitet, das dann mindestens 140 Euro kostet.“

Warum die Eile? Jahrelang ließen die Behörden Volkswagen seine Kunden betrügen. Was drängt die Zulassungsstellen nun dazu, die Manipulationssoftware überschreiben zu lassen, bevor die Rechtsansprüche der Kunden geklärt sind? „Das habe ich auch gefragt“, sagt der VW-Kunde in Düsseldorf. „Mir wurde gesagt, es gebe einen entsprechenden Erlass des Verkehrsministeriums.“

Auch das Kraftfahrt-Bundesamt ist in der Abgasaffäre erneut eingeschritten: Nach von Audi gemeldeten „Auffälligkeiten“ der Abgas-Software von 60.000 Oberklasse-Wagen der Typen A6 und A7 hat die Flensburger Behörde jetzt verpflichtende Rückrufe angeordnet - in Deutschland sind 33.000 der betroffenen Autos zugelassen. Laut Bundesverkehrsministerium handelt es sich um verbotene Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung.

Zuvor hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet. Die Ingolstädter VW-Tochter hatte schon vor einem Monat die Auslieferung neuer Fahrzeuge dieser Typen gestoppt. Audi muss nun die verbotene Motor-Software durch ein Update ersetzen.

Mit Material von dpa

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1 Kommentar zu "Fehlende Nachrüstung: Behörden legen erste Diesel-Autos in München und Hamburg still"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zitat:
    "Warum die Eile? Jahrelang ließen die Behörden Volkswagen seine Kunden betrügen. Was drängt die Zulassungsstellen nun dazu, die Manipulationssoftware überschreiben zu lassen, bevor die Rechtsansprüche der Kunden geklärt sind?"

    Man kann den Eindruck erlangen, daß es vor allen Dingen um die Beseitigung der Beweissicherungsgrundlage geht. Keine Beweissicherungsgrundlage, kein Rechtsanspruch, also Entfall einer Schadensersatzforderung und die Konzerne sind fein raus.