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Ferdinand Piëch als Manager Karriere eines Besessenen

Piëchs Vision vom weltgrößten Hersteller für alles, was fährt, setzte er auf verschiedenen Posten um. Seine Spuren bei VW erkennt man noch heute.
18.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Als Technikvorstand bei Audi gewann Piëch 1982 das „Goldene Lenkrad“ für den von ihm maßgeblich entwickelten Audi 100. Quelle: dpa
Die frühen Jahre

Als Technikvorstand bei Audi gewann Piëch 1982 das „Goldene Lenkrad“ für den von ihm maßgeblich entwickelten Audi 100.

(Foto: dpa)

München Ferdinand Piëch war vier Jahre alt, als sein Vater Anton 1941 Werksleiter der Volkswagenwerk GmbH wurde. Mit 15, als sein Vater starb, kam Ferdinand in das Lyceum Alpinum, ein Internat im Schweizer Bergdorf Zuoz.

Anschließend studierte er in Zürich Maschinenbau, in seiner Diplomarbeit beschäftigte sich Piëch mit der Entwicklung eines Formel-1-Motors. 1963 begann der junge Ingenieur seine Karriere unter seinem Onkel Ferry Porsche beim Sportwagenbauer in Zuffenhausen, 1971 wurde Piëch dort Technischer Geschäftsführer.

Als sich ein Jahr später aufgrund eines Familienbeschlusses alle Mitglieder der Dynastie aus der Geschäftsführung bei Porsche zurückziehen mussten, gründete Piëch ein Konstruktionsbüro in Stuttgart. Nach Stationen bei der VW-Tochter Audi, zuletzt als Vorstandsvorsitzender, kam er nach Wolfsburg zum Mutterkonzern.

Als Ferdinand Piëch dort 1993 die Nachfolge von Carl Hahn als Vorstandschef antrat, gab es wahrscheinlich niemanden im ganzen Konzern, der sich besser mit den technischen Details der Fahrzeuge auskannte als Piëch.

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    Seine Liebe zum Detail wurde mit den Jahren legendär. Mitarbeiter berichten von ständigem Drängen des Vorstandschefs, die Fugenmaße in den Volkswagen zu reduzieren. Enge Fugenmaße, also der Abstand zwischen aufeinanderstoßende Bauteile, gelten der Automobilindustrie als Ausweis hoher Ingenieurskunst. Sie verbessern die Aerodynamik und reduzieren Fahrtwindgeräusche. Piëch schien von diesen Maßen wie besessen. Einer seiner Spitznamen: „Fugen-Ferdi“.

    Folgenschwere Lopez-Affäre

    Piëchs erster Fehlgriff war dann eine Personalie. Im März 1993 stellte er den Spanier José Ignacio López ein. Es war eine Entscheidung, die Piëch bis in seine letzten Lebenstage verfolgen würde.

    López kam nicht allein. Aus Detroit brachte der ehemalige Manager von General Motors (GM) sieben seiner „Krieger“ mit, wie er seine Getreuen nannte.

    In ihren Wohnungen fanden Behörden später 20 Kartons mit vertraulichen Unterlagen aus dem GM-Konzern. Die Amerikaner erstatteten Strafanzeigen wegen Industriespionage. Als die deutschen Behörden die Ermittlungen einstellten, reichte GM Klage in Detroit ein. Der Fall, nun „Geheimnisverrat und kriminelle Verschwörung“ tituliert, wurde hochpolitisch.

    Die Amerikaner ließen erst ab, als Bundeskanzler Helmut Kohl und US-Präsident Bill Clinton sich für einen Vergleich starkmachten. Volkswagen zahlte 100 Millionen Dollar Schadensersatz und verpflichtete sich, GM Bauteile im Wert von einer Milliarde Dollar abzunehmen.

    Die Affäre schmerzte und schärfte das Kostenbewusstsein in Wolfsburg. Das Unternehmen hatte zwar einen legendären Ruf, war aber chronisch klamm bei Kasse. Mehr als ein Mal in seiner Geschichte galt Volkswagen als Übernahmekandidat.

    Der junge Ferdinand Piëch mit Ferry Porsche. Quelle: Pressebild
    Lernen vom legendären Onkel

    Der junge Ferdinand Piëch mit Ferry Porsche.

    (Foto: Pressebild)

    Mit Piëch änderte sich das. Er verfolgte eine Vision: Volkswagen sollte der weltgrößte Hersteller werden, in dessen Werkshallen vom Motorrad bis zum schweren Lastwagen alles gefertigt wird, was fährt. Über die Jahre setzte er diesen Plan um, zunächst als Vorstandsvorsitzender, dann ab 2002 als Chef des Aufsichtsrats.

    Unter seiner Ägide erwarb der Konzern Marke um Marke. Mit Bugatti und Lamborghini erschloss Volkswagen das Luxussegment. Audi hatte Piëch in Eigenregie zum Premiumproduzenten weiterentwickelt, der mit BMW und Mercedes konkurrieren konnte. Hinzu kam der Motorradbauer Ducati aus Italien und die Designfirma Italdesign Giugiaro. Die Lastenwagenhersteller MAN und Scania komplettierten das Firmenreich.

    Mit über 100 Fabriken weltweit und einem Dutzend Marken verdrängte der Volkswagen-Konzern den Rivalen Toyota von der Weltspitze. Die Zahl der Volkswagen-Beschäftigten stieg auf mehr als 600.000.

    Mit diesen Autos hat Ferdinand Piëch den VW-Konzern geprägt
    Porsche Typ 356 2
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    Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

    (Foto: PR)
    Benzin im Blut – VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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    Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er galt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang – von 1993 bis 2002 – stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. „Autos bauen“ nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW.

    (Foto: dpa)
    Porsche Bergspyder 909
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    Ferdinand Piëch ist auf diesem Bild mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968 zu sehen. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piëch bestimmten.

    Gulf Porsche 917
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    In Zürich studierte Piëch Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piëch machte Blitzkarriere: nach vier Jahren als Abteilungsleiter und nach weiteren fünf Jahren als technischer Geschäftsführer. Piëch war technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917.

    Porsche 917
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    Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

    (Foto: picture-alliance / ASA)
    Abschied von Porsche
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    1972 musste Piëch Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piëch nach Querelen beschlossen hatten, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernannte ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

    (Foto: picture-alliance - dpa)
    Bei Audi in Ingolstadt
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    Auch bei Audi setzte Piëch seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentierte er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert.

    (Foto: dpa)

    Dann kam der April 2015 – und der Bruch mit der VW-Welt. Am 10. des Monats erklärte Piëch in einem Interview mit dem „Spiegel“, er sei „auf Distanz zu Winterkorn“. Piëch war bekannt dafür gewesen, in Ungnade gefallene Manager mit wenigen Worten aus dem Konzerngefüge zu komplementieren.

    Dieses Mal traf es einen engen Wegfährten. Winterkorn war ein getreuer Piëch-Gefolgsmann, der seinem Mentor als VW-Chef nachgefolgt war. Warum Winterkorn in Ungnade fiel, ist bis heute ungeklärt.

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    Bekannt ist hingegen, was aus Ferdinand Piëch wurde. Er verlor den Machtkampf, da sich andere Großaktionäre und auch der mächtige Betriebsrat Bernd Osterloh auf Winterkorns Seite schlugen. Am 25. April zog sich Ferdinand Piëch aus dem Aufsichtsrat zurück. Den Skandal um Dieselautos, die Abgasnormen nur mit manipulierten Motoren einhalten konnten, betrachtete er aus der Ferne.

    Nach dem Verkauf des wesentlichen Teils seiner Aktien an der Porsche SE spielte Piëch keine Rolle mehr bei Volkswagen. Sein Wirken freilich hinterließ bleibende Spuren in der deutschen Wirtschaft. Selbst unter Kritikern Piëchs ist unstrittig: Ohne ihn hätte es den Volkswagen-Konzern in seiner heutigen Form nie gegeben.

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