Ferdinand Piëch Erfolg von Volkswagen gilt als sein Lebenswerk

Die Biografie von Piëch ist eng mit der VW-Historie verbunden. Als Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche lag eine Karriere in der Branche nah. Über den „Autonarr“ hieß es früh, er habe „Benzin im Blut“.
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VW-Patriarch Ferdinand Piëch mit Ehefrau Ursula Piëch: Beide haben am Samstag ihre Ämter im VW-Aufsichtsrat niedergelegt. Quelle: dpa

VW-Patriarch Ferdinand Piëch mit Ehefrau Ursula Piëch: Beide haben am Samstag ihre Ämter im VW-Aufsichtsrat niedergelegt.

(Foto: dpa)

Wolfsburg/BerlinFerdinand Piëch war der unangefochtene Herrscher im VW-Reich - bis ihn ein rätselhafter Machtkampf um die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn aus dem Sattel hob.

1963: Der Maschinenbauer und Enkel des VW-Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche startet seine Laufbahn bei Porsche.

1972: Piëch wechselt zu Audi. Dort arbeitet er sich Schritt für Schritt zum Technikvorstand hoch. Schon früh sagt man über ihn, er sei ein leidenschaftlicher Autonarr und habe „Benzin im Blut“.

1988: Piëch wird Chef der Ingolstädter VW-Tochter Audi. Viele Branchenkenner meinen, Piëch habe den Grundstein für den Aufstieg der Marke in die Oberklasse zu BMW und Daimler gelegt - mit technischen Innovationen, die ohne seine Beteiligung kaum vorstellbar sind.

1993: Inmitten einer schweren Krise kommt Piëch nach Wolfsburg an die VW-Konzernspitze. Der Autobauer gilt damals als Übernahme-Kandidat, Massenentlassungen stehen im Raum. Der von Piëch geholte Personalchef Peter Hartz wendet dies zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft ab. Auch an der Konzernspitze setzt er auf Qualität und neue Konzepte. Entwicklungen wie das Ein-Liter-Auto oder der Super-Sportwagen Bugatti Veyron wurden oft in einem Atemzug mit Piëch genannt.

2002: Piëch wechselt von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze von Volkswagen. Sein Nachfolger im Vorstand wird der frühere BMW-Chef Bernd Pischetsrieder, der 2006 gehen muss. An die Stelle des Ex-BMW-Mannes setzt er den langjährigen Vertrauen Martin Winterkorn.

2008/2009: In der Übernahmeschlacht mit Porsche gelingt es VW am Ende, den Spieß umzudrehen: VW übernimmt nach monatelangem Tauziehen das Ruder bei dem Sportwagenbauer aus Stuttgart. Piëch gilt als wichtiger Strippenzieher hinter den Kulissen. Im August 2012 schlüpft das operative Geschäft von Porsche komplett unter das VW-Konzerndach.

2011: Die Mehrheitsübernahme des Münchner Lastwagenbauers MAN ist Piëchs nächster Coup. Es gibt aber auch Kritik an seiner Machtfülle: Skeptiker monieren etwa die Miteigentümerschaft von Porsche.

2012: Am 17. April feiert Piëch seinen 75. Geburtstag. Allmählich stellt sich die Frage nach einem Chefaufseher in der Zeit nach ihm. Vorstandschef Winterkorn gilt vielen bereits als gesetzter Kandidat. Piëchs Ehefrau Ursula zieht ebenfalls in den VW-Aufsichtsrat ein.

April 2015: In einem „Spiegel“-Interview rückt Piëch von Winterkorn ab. Die Auto-Welt rätselt, warum er an seinem Vertrauten öffentlich zweifelt. Nach zweiwöchigem Machtkampf verliert Piëch seinerseits das Vertrauen der übrigen Aufseher und gibt seinen Rücktritt aus dem Gremium bekannt - eine Entwicklung, die für viele undenkbar schien.

Piëchs Top- und Flop-Modelle
Porsche Typ 356 2 (Gmünd) Coupé 1948
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Im Wagen: Ferry Porsche; Kinder v.l.n.r.: Ferdinand Piëch, Sohn von Ghislaine Kaes (nicht sicher, ob Edwin oder Phillipp), und Michel Piëch. Über den gelernten Maschinenbau-Ingenieur und Enkel des legendären Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche hört man oft, er habe „Benzin im Blut“. Die Leidenschaft des Autonarren und Technikfreaks erschöpfte sich indes nicht nur in Fantasien. Piëch bewies immer wieder Stehvermögen, konnte seine Ideen trotz Gegenwinds langfristig durchboxen und den Spieß gegenüber Gegnern und Kritikern umdrehen ...

Benzin im Blut - VW-Patriarch Ferdinand Piëch
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Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch steht auf diesem Archivbild von 1982 neben einem Audi 100. Am 17. April 1937 wurde der VW-Aufsichtsratsvorsitzende in Wien geboren. Er gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autobauers Volkswagen, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrates. "Autos bauen", nannte er einmal als sein größtes Hobby. Das hat der Österreicher fast sein ganzes Leben lang getan: erst bei Porsche und Audi, dann bei VW ...

Ferdinand Piech
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Ferdinand Piech mit dem Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. „Burli“, wie er genannt wurde, wuchs mit Autos auf: Sein Vater leitete in der NS-Zeit das Werk in Wolfsburg, das von Käfer- auf Kriegsproduktion umgestellt wurde. Großvater und Onkel Ferry konstruierten nur wenige Jahre nach Kriegsende die ersten Sportwagen, auf VW-Basis. Mutter Louise übernahm den VW-Import nach Österreich. So war es kein Wunder, dass Autos auch das Berufsleben von Piech bestimmten ...

Gulf Porsche 917
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In Zürich studierte Piech Technik an der ETH, schloss mit einer Arbeit über Formel-1-Motoren 1962 ab und ging zu Porsche in die Versuchsabteilung. Piech machte Blitzkarriere: nach vier Jahren Abteilungsleiter und weitere fünf Jahre danach technischer Geschäftsführer. Piech ist technikbesessen, er baute etwa die Rennmaschine Porsche 917 ...

Porsche 917
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Der Porsche 917, hier beim Einsatz im 24-Stunden-Klassiker von Le Mans im Jahr 1971, war ein riesiger Imageerfolg für die Sportwagenschmiede. Das extrem schwer beherrschbare und leichtgewichtige PS-Monster spielte praktisch mit der Konkurrenz in den Rennsaisons 1970 und 1971. 14 Rennnsiege wurden allein in diesen beiden Jahren verbucht.

Ferdinand Piech
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1972 musste Piech Porsche verlassen, weil die Familien Porsche und Piech nach Querelen beschlossen, kein Familienmitglied dürfe mehr bei dem Sportwagenbauer arbeiten. Der Techniker wechselte in den VW-Konzern, zu Audi. Der Aufsichtsrat der Audi NSU Auto Union AG ernennt ihn im Sommer 1975 zum Vorstandsmitglied für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung.

Bei Audi in Ingolstadt
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Auch bei Audi setzt Piech seine Ideen durch: Allradantrieb, TDI-Motor, rostfreie Karosserie. Piech machte Audi zu einer Perle im VW-Konzern, 1988 wurde er Chef in Ingolstadt. Am 9. Januar 1990 präsentiert er im Werk Ingolstadt den Jubiläumswagen, einen Quattro. Seit Anlauf der Produktion im Jahr 1965 wurden in dem Werk sieben Millionen Autos der Marke Audi produziert ...

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