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Fernsehgeräte-Produktion in Wien wird in den kommenden Wochen versteigert Grundig-Werk kommt unter den Hammer

Abschied von einer Industrie-Legende: Bis Anfang Dezember wird das Werk Wien, die letzte Fernsehfertigung des Unterhaltungsgeräteherstellers Grundig, versteigert.

MÜNCHEN. „Der Insolvenzverwalter steht unter hohem Zeitdruck. Deshalb müssen wir die Anlagen so schnell wie möglich verkaufen“, betonte gestern Bodo Kipper vom Industrie-Auktionshaus Go Industry. Die Münchener hoffen, mit dem Verkauf der Anlagen einen zweistelligen Millionenbetrag zu erlösen.

Mit der Versteigerung endet ein bedeutendes Kapitel europäischer Industriegeschichte. Das Werk Wien war die letzte eigene TV-Geräte-Produktion der Grundig AG. Über Jahrzehnte war das Nürnberger Unternehmen der bekannteste Hersteller von Fernsehern und Radios hier zu Lande. Schon seit Jahren hatte Grundig aber wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste im Frühjahr Insolvenz anmelden. Davon betroffen war auch Grundig Austria, zu der das Werk in Wien gehört. Die Österreicher mussten die Fertigung einstellen, ein Verkauf an einen Investor und die Beschäftigten scheiterte.

Zunächst wird die Fernseherfertigung Interessenten als Ganzes angeboten. Sollten sich dabei keine Käufer finden, kommen die Maschinen vom vierten bis sechsten Dezember in einer Auktion unter den Hammer. Dabei können Interessenten auch über das Internet bieten.

„Jetzt sprechen wir zunächst weltweit Firmen an, die an großen Blöcken interessiert sein könnten“, sagte der Chef von Go Industry, Herbert Willmy im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Münchener Industrieauktionshaus ist mit 36 Büros in 16 Staaten vertreten und kann deshalb auch in Ländern wie China oder Korea nach Käufern suchen. Alleine in China würden 2 500 mögliche Investoren angesprochen, betonte Kipper. Die Anlagen in der österreichischen Hauptstadt umfassen alle wesentlichen Schritte der Produktion, von der Herstellung der Gehäuse bis zur Verpackung.

Der Verkauf eilt, denn für die Werkshallen sind hohe Mieten fällig. Deshalb drängt der österreichische Masseverwalter darauf, die Maschinen so schnell wie möglich an den Mann zu bringen. Bis Ende Januar 2004 sollen alle Anlagen abgebaut sein.

Im vergangenen Jahr war die Grundig-Produktion in Wien nicht einmal mehr zur Hälfte ausgelastet. Statt den maximal möglichen 2,4 Mill. Geräten im Jahr bauten die knapp 1 000 Mitarbeiter nur noch 1,1 Mill. Fernseher zusammen. Einen Teil der TV-Produktion hatte Grundig bereits an Fremdfertiger vergeben.

Wien ist kein Einzelfall. Jedes Jahr kommen bei Go Industry Maschinen für mehr als 300 Mill. Euro unter den Hammer. Oft sind es Werke von Technologiekonzernen wie IBM, Motorola oder Nortel, die aufgegeben werden und für die das Unternehmen dann Käufer suchen muss. Von Grundig bleibt künftig neben der Autoradioproduktion lediglich der Name übrig. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte gestern, mit Investoren für das Kerngeschäft werde nach wie vor verhandelt. Einige Teile hat der Insolvenzverwalter in den vergangenen Monaten verkauft.

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