Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Finanzierungsrunde Auto1 macht seinen wichtigsten Kunden Konkurrenz

Das Berliner Einhorn sammelt 255 Millionen Euro ein, um seinem Online-Autoshop Autohero zum Durchbruch zu verhelfen. Das Vorhaben ist ambitioniert.
30.07.2020 - 07:20 Uhr Kommentieren
Die Gründer von Auto1 wollen ihren eigenen Auto-Onlineshop stark ausbauen. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
Christian Bertermann (links) und Hakan Koc

Die Gründer von Auto1 wollen ihren eigenen Auto-Onlineshop stark ausbauen.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

Hamburg Die Auto1-Gruppe ist mit einer simplen Idee zu einem der höchstbewerteten deutschen Start-ups geworden: Das Team um die beiden Gründer Hakan Koç und Christian Bertermann kauft online im großen Stil Gebrauchtwagen von Privatleuten auf und verkauft sie an Autohändler weiter. Künftig wollen die beiden Gründer verstärkt genau diesen Gebrauchtwagenhändlern Konkurrenz machen, indem sie ihren eigenen Auto-Onlineshop stark ausbauen.

„Der eigene Verkauf an Endkunden ist eine natürliche Erweiterung unseres bisherigen Geschäftsmodells als größter Gebrauchtwagengroßhändler Europas“, sagte Bertermann dem Handelsblatt. Für den deutlichen Ausbau des eigenen Onlineshops Autohero hat er bereits neue Geldgeber gefunden: Zwei Hedgefonds aus Großbritannien und den USA geben 255 Millionen Euro als Wandeldarlehen. Das ist ein Kredit, der bei einer künftigen Finanzierungsrunde in Firmenanteile umgetauscht werden kann.

Bei der letzten großen Finanzierungsrunde 2018 hatte Softbank 460 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen gesteckt und es damit rechnerisch mit 2,9 Milliarden Euro bewertet. Auto1 gehört damit zu den sogenannten Einhörnern mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro.

Mit dem Geld ist aus Auto1 ein großer Spieler auf dem europäischen Gebrauchtwagenmarkt geworden. Unter der einprägsamen Web-Adresse wirkaufendeinauto.de verspricht das Unternehmen seit 2012, jeden Gebrauchtwagen anzukaufen. Nach einer Online-Registrierung mit erster Preisabschätzung folgt ein konkretes Angebot in einer Filiale.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Im Hintergrund steht dabei ein Datenschatz, der die Preisabschätzung erleichtert. Die Autos verkauft Auto1 bislang an Händler weiter. Zudem organisiert die Gruppe den Verkauf von Händlern untereinander. 3,5 Milliarden Euro Umsatz seien so im vergangenen Jahr zusammengekommen – ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2018, sagte Bertermann.

    Autos kaufen vom Sofa aus

    Auch beim neuen Projekt Autohero will er die Privatkunden bei der Bequemlichkeit packen. Sie können Gebrauchtwagen im Onlineshop aussuchen und nach Anzahlung nach Hause bestellen. Nach Anlieferung per Transporter können die Käufer die Autos prüfen und erst dann die endgültige Zahlung freigeben – bei 14 Tagen Rückgaberecht.

    Ärger mit den Autohäusern als große Stammkunden von Auto1 fürchte er nicht, sagte Bertermann. Selbst will er über Autohero bevorzugt Autos vermarkten, die bei den Händlern weniger gefragt sind. Zudem sei der Automarkt so groß und fragmentiert, dass für einen weiteren Spieler Platz sei. Dabei will er auch Werbung bei den etablierten Onlineplattformen wie Mobile.de schalten.

    Bislang ist Autohero im Vergleich zu diesen Börsen klein: 2000 Fahrzeuge habe Autohero bislang in neun europäischen Ländern im Bestand, sagt Bertermann. 8000 bis 10.000 Stück will er im laufenden Jahr verkaufen. Das ist wenig im Vergleich zu den 620.000 Gebrauchtwagen, die die Gruppe 2020 insgesamt bewegen will. „Ich glaube aber, Autohero kann genauso groß werden. Das wird aber noch eine Weile dauern“, sagte Bertermann.

    Der Wandelkredit, den vor allem die beiden Fondsgesellschaften Farallon Capital Management und The Baupost Group an die Auto1 Group SE vergeben, soll zum größten Teil in Autohero fließen. Zum einen geht es darum, die Plattform über Werbung und Marketing bekannt zu machen. Zum anderen muss Auto1 in Infrastruktur für den Service investieren – etwa in Werkstätten zum Flottmachen der Wagen. Bertermann will zudem die Technik hinter dem Onlineshop ausbauen. Bislang müssen die Interessenten mit wenigen Fotos von den Autos auskommen, künftig sollen sie deutlich mehr sehen.

    Ärger mit dem eigenen Fintech

    Ein Selbstläufer ist das neue Zukunftsprojekt von Auto1 nicht – schließlich gibt es bereits etliche Gebrauchtwagenplattformen im Netz, der Preiswettbewerb ist hoch. Zum anderen funktioniert nicht jedes Projekt, das sich die Berliner vornehmen. Ein groß angekündigtes Vorhaben etwa liegt auf Eis. Den Plan, einen eigenen Finanzierungsarm namens Auto1-Fintech aufzubauen, hat Bertermann aufgegeben – trotz Partnern wie Allianz und Deutsche Bank. Offenbar sind die Autohändler ihren Banken, deren Kundenkredite sie verkaufen, zu treu.

    Übrig geblieben ist eine Menge Ärger: Der Hauptinvestor bei Auto1-Fintech, der Dubaier Geschäftsmann Bensen Safa, will sich mit dem Rückzug der Autoplattform nicht abfinden. Er hofft auf eine Fortsetzung der Partnerschaft, damit das Finanzunternehmen im Geschäft bleibt. Zudem vermutet er offenbar Unregelmäßigkeiten, über die er Verhandlungsdruck aufbauen könnte.

    Ein von seiner Seite beauftragter Prüfbericht von Deloitte, der dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt, listet kritische Punkte auf. So seien die Teilhaber schlecht informiert worden. Die Prüfer vermuten auch unzulässige Zahlungen an Berater und überhöhte Rechnungen von Auto1 an die Finanztochter. Solche Verdächtigungen bekommen zusätzliche Brisanz, da ausgerechnet der frühere Chef der Corporate-Governance-Kommission, der Ex-Stahlmanager Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Auto1 ist.

    Bertermann wiegelt ab. „Wir nehmen jeden Vorwurf sehr ernst und prüfen im Detail. Wir konnten jedoch bei keinem der Punkte Fehlverhalten feststellen“, sagte er. Die Gesellschafter wollen sich am heutigen Donnerstag treffen, um über die Zukunft von Auto1-Fintech zu beraten. Bertermann verweist darauf, dass im Zweifel Gerichte die Rechtmäßigkeit der Trennung klären müssten.

    Auto1 spürt zudem immer noch deutlich die Coronakrise. Im Frühjahr schickte das Unternehmen einen großen Teil seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit, da kaum Autos verkauft wurden und auch die Anmeldestellen geschlossen waren. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für das erste Halbjahr einen Rückgang der Gebrauchtwagen-Anmeldungen von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 3,2 Millionen Autos.

    Die meisten der 4200 Mitarbeiter von Auto1 seien inzwischen aus der Kurzarbeit zurück, aber noch nicht alle, sagte Bertermann. Das Geschäft laufe noch nicht wieder voll. Immerhin: Die aktuelle Finanzierung brachten die Auto1-Gründer noch Ende Februar unter Dach und Fach – also gerade noch vor der Coronakrise.

    Mehr: Auto1: Die Milliarden-Manager

    Startseite
    Mehr zu: Finanzierungsrunde - Auto1 macht seinen wichtigsten Kunden Konkurrenz
    0 Kommentare zu "Finanzierungsrunde: Auto1 macht seinen wichtigsten Kunden Konkurrenz"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%