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Panorama von Paris

In der französischen Hauptstadt, in Beirut, Amsterdam und Rio de Janeiro soll Carlos Ghosn Immobilien erworben haben.

(Foto: Reuters)

Finanztricks bei Immobiliendeals Ghosn soll Nissan-Geld für vier Luxus-Wohnungen veruntreut haben

Mit Finanztricks soll Nissan-Chefaufseher Ghosn vier Immobilien auf Firmenkosten finanziert haben. Auch bei Renault droht dem Manager deshalb das Aus.
Update: 20.11.2018 - 09:42 Uhr Kommentieren

Tokio Die Verhaftung des Renault-Nissan-Konzernchefs Carlos Ghosn zieht weitere Kreise. In der Nacht zu Dienstag sickerten weitere Details durch, mit welch fragwürdigen Finanztricks sich der lange erfolgreiche Automanager wohl selbst um seine Spitzenposition gebracht hat.

Laut der japanischen Tageszeitung Nikkei hatte Nissan eine Firma in den Niederlanden gegründet, die offiziell in Venture-Firmen investieren sollte. In der Realität habe sie aber Luxus-Wohnungen gekauft und unterhalten, in denen Ghosn kostenlos wohnen konnte. Diese Leistungen machten wohl zwei der fünf Milliarden Yen des Gehalts von Ghosn aus, wurden aber nicht offengelegt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk NHK berichtet von anonymen Quellen, denen zufolge Ghosn von Nissan ohne jede Offenlegung vier Immobilien finanziert wurden. Diese befinden sich demnach in Paris, Amsterdam, Rio de Janeiro und Beirut. Sie liegen damit unter anderem in den Heimatländern des Automanagers mit brasilianisch-libanesischen Wurzeln. Mit geschäftlichen Notwendigkeiten lasse sich der Kauf kaum rechtfertigen, heißt es in dem Bericht.

In den vergangenen fünf Jahren – so bestätigten es die Staatsanwälte– habe Ghosn es versäumt, ein Einkommen von fünf Milliarden Yen (etwa 40 Millionen Euro) auszuweisen. Am Montag war Ghosn deswegen, kurz nach der Landung mit einem Privatjet am Flughafen Tokio, festgenommen und anschließend verhört worden.

Bei Nissan bemühte man sich um eine schnelle Reaktion. Firmenchef Hiroto Saikawa nannte zwar keine weiteren Details der Vergehen, beteuerte aber am Montag auf einer Pressekonferenz, dass Ghosn und sein Vertrauter Greg Kelly die Köpfe hinter diesem Finanzierungsmodell gewesen seien und keiner sonst.

Carlos Ghosn: Skandal um Nissan-Manager versetzt Anleger in Panik Quelle: AP
Nissan-Chef

Der langjährige Nissan-Chef Carlos Ghosn ist in einen Veruntreuungsskandal verwickelt.

(Foto: AP)

Nissan-Sprecher Nicholas Maxfield wollte die Medienberichte nicht bestätigen. Man könne nicht sagen, ob die in den Zeitungen erwähnte niederländische Firma eines der Unternehmen sei, die im offiziellen Bilanzbericht auftauchten, sagte er. Auch beim Bericht über die Modalitäten des Ghosn-Verfahrens sei es für Nissan zu früh, zu kommentieren. „Wir können keine Details zu laufenden Vorgängen nennen“, sagte Maxfield.

Laut der japanischen Tageszeitung Asahi haben sich die Staatsanwaltschaft und Ghosn auf ein Verfahren nach amerikanischem Vorbild geeinigt, bei dem der Beschuldigte durch Kooperation mit den Ermittlern auf eine leichtere Strafe hoffen darf. Japan hatte dieses System erst im Juli eingeführt.

Frankreich will Ghosn bei Renault aus dem Amt drängen

Während die japanischen Teile der Allianz, Nissan und Mitsubishi bereits öffentlich angekündigt haben, Ghosn aus seinen Ämtern zu drängen, wächst auch der Druck in Frankreich. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire erklärte am Dienstag, dass Ghosn die Allianz derzeit nicht weiter leiten könne. Er verlange nicht seinen Rücktritt bei Renault und es gelte die Unschuldsvermutung. Doch de facto sei Ghosn nicht dazu in der Lage, zu führen. Es müsse eine Interims-Führung gefunden werden. Der französische Staat ist mit 15 Prozent an Renault beteiligt.

Derweil rechnet auch die japanische Presse mit dem als „Cost Killer“ gefeierten Ghosn ab. Yomiuri Shimbun, auflagenstärkste Tageszeitung der Welt, schrieb am Dienstag noch eine Art Nachruf auf den Brasilianer und zitierte darin auch eine Aussage von ihm aus dem Jahr 2001: Ghosn hatte damals angekündigt, er würde zurücktreten, wenn er seiner Verantwortung nicht nachkommen und seine Versprechen nicht halten könnte. „Diese Offenlegung von Zielen und Verantwortlichkeiten ist mit der Samurai-Kultur identisch“, sagte er damals in Bezug auf seine ambitionierten Vorhaben mit Nissan. „Und das habe ich in Japan schon früh verstanden.“

Bei den Anlegern ist die Verunsicherung nach wie vor hoch. Um 9.05 Uhr standen 15,7 Millionen Verkaufsordern von Nissan-Aktien nur 9,7 Millionen Kauforder gegenüber, berichtet Nikkei. Kurze Zeit später wurde die Aktie mit 943,3 Yen notiert – 6,2 Prozent unter dem Schlusskurs vom Montag. Bis zum Mittag japanischer Zeit erholte sich der Kurs auf ein Minus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorabend. Doch ausgestanden scheint noch nichts.

Demian Flowers von der Commerzbank sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, die mögliche Entlassung Ghosns bei Nissan und bei Renault würde die Fusion der beiden Konzerne in die Ferne rücken lassen. Ohne Ghosn würden die Ziele der jeweiligen Konzernmanager zu sehr divergieren.

Diese Einschätzung teilt auch Gerhard Fasol, Chef des Unternehmensberaters Eurotechnology: „Die Verhaftung von Ghosn hat möglicherweise auch Auswirkungen auf die europäische Autoindustrie. Denn die Allianz zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi Motors wird dadurch geschwächt.“ Ohne Ghosn könnten die Fliehkräfte in dem Bund stärker werden, meint Fasol.

Ghosn hatte auf eine Fusion zwar bislang verzichtet und die Konzerne unabhängig voneinander geführt. Doch das Bündnis besitzt ein gemeinsames Hauptquartier und die zentrale Person, die das einmalige Konstrukt zusammengehalten hat, war Ghosn. Er galt als Gegengewicht zu den Versuchen des französischen Staats, Einfluss bei Nissan zu gewinnen. Gleichzeitig konnte er die Unzufriedenheit in Japan mit dem bisherigen Arrangement kleinhalten. Immer wieder kursierten Gerüchte, dass Nissan Renaults Anteile zurückkaufen könnte.

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