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Fluchtplan des Automanagers Flucht mit der Eisenbahn – So soll Ghosn aus Japan entkommen sein

Die spektakuläre Flucht des Automanagers Carlos Ghosn beschäftigt weltweit die Ermittler. Medien konstruieren nun die Details des Fluchtplans.
06.01.2020 - 14:15 Uhr 1 Kommentar
Mit einem Mundschutz könnte sich der gesuchte Automanager auch auf einer Zugfahrt während seiner Flucht getarnt haben. Quelle: AFP
Carlos Ghosn im März 2019

Mit einem Mundschutz könnte sich der gesuchte Automanager auch auf einer Zugfahrt während seiner Flucht getarnt haben.

(Foto: AFP)

Tokio Nach der Flucht des ehemaligen Renault-Nissan-Chefs Carlos Ghosn aus Japan geht die Suche nach der Wahrheit weiter. In Japan, wo Ghosn der Prozess gemacht werden soll, im Libanon, dem Ziel seiner Flucht und in der Türkei, wo Ghosn umstieg, suchen Journalisten und Fahnder nach Hinweisen, wie dem gesuchten Automanager seine spektakuläre Flucht gelingen konnte. Und auch Medien in den USA und Frankreich rekonstruieren die Details des Fluchtplans.

In Japan war Ghosn wegen verschiedener Vorwürfe der Untreue in Untersuchungshaft gekommen – und schließlich gegen Zahlung einer Kaution freigelassen worden. Ghosn wurde es unter strengen Auflagen gestattet, in seiner Wohnung in Tokio auf den Prozess zu warten.

Nach Angaben der japanischen Behörden soll Ghosn diese Wohnung am 29. Dezember verlassen haben. Er machte sich dabei eine glückliche Fügung zunutze. Der Autohersteller Nissan hatte seine Privatdetektive abgezogen, die den Angeklagten auf Schritt und Tritt verfolgt hatten.

So konnte er nach bisherigen Darstellungen unerkannt zum Bahnhof Shinagawa fahren und dort in einen Superschnellzug nach Osaka umsteigen. Erkannt wurde er dabei offenbar nicht. Ghosns Gesicht ist zwar in Japan bekannt. Doch besonders im Winter tragen viele Japaner kleine Atemmasken zum Schutz gegen Viren. Und die wirken auch gut als Verkleidung. Ghosn wurde im Frühjahr 2019 auf diese Weise schon von den Ermittlern unerkannt aus einem Tokioter Gefängnis abtransportiert.

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    In Osaka stieg der Flüchtling in einem Hotel in der Nähe des dortigen internationalen Flughafens Kansai ab, bevor er sich mit seinen Fluchthelfern traf. Laut dem Flugprotokoll des privaten Jets der türkischen MNG-Holding handelte es sich dabei um Michael Taylor and George-Antoine Zayek.

    Taylor ist ein ehemaliger amerikanischer Fallschirmspringer, der nach seiner Militärlaufbahn unter anderem als Undercoveragent amerikanischer Behörden im Libanon arbeitete. Er ist seitdem der Region eng verbunden. Er gründete danach ein Sicherheitsunternehmen, das sich auf die Befreiung von Geiseln spezialisiert hat.

    Die Experten sollten am Kansai-Flughafen nach Sicherheitslücken suchen und fanden sie im Terminal für Privatflugzeuge, berichtet das „Wall Street Journal“. Demnach sind die dortigen Scanner nicht groß genug, um großes Sperrgepäck zu röntgen. Japans Behörden untersuchen nun, ob sich Ghosn wie berichtet in einer von zwei Kisten mit Audioanlagen versteckte, um ungesehen an Bord des Flugzeugs zu kommen.

    Dem Flugpersonal des Privatfliegers sei es untersagt worden, die Passagierkabine zu betreten, berichtet die türkische Zeitung „Aksam“. Nach der Landung in Istanbul wurde Ghosn an Bord eines weiteren Flugzeugs geschmuggelt, flog weiter nach Beirut in den Libanon und reise nach Medienberichten dort mit einem französischen Pass ein.

    Internationaler Druck auf den Libanon steigt

    Noch ist allerdings offen, wie sicher sich Ghosn in dem Land fühlen darf, in dem er einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Der Automanager besitzt zwar neben einem französischen und brasilianischen auch einen libanesischen Pass. Und da der Libanon kein Auslieferungsabkommen mit Japan unterhält, darf er sich als libanesischer Staatsbürger sicher fühlen.

    Doch Japans Regierung hat bei Interpol eine sogenannte „red notice“ beantragt. Dabei handelt es sich um ein Amtshilfeverfahren, mit dem Mitgliedsländer eine Haft mit dem Ziel einer Auslieferung beantragen können. Und noch ist offen, wie die libanesischen Behörden mit dem Ersuchen umgehen werden.

    Entscheidend könnte sein, ob sich die libanesische Regierung dem internationalen Druck beugen wird. Libanons Präsident Michel Aoun ist Ghosn freundschaftlich verbunden und hat den Flüchtigen vergangene Woche sogar persönlich willkommen geheißen. Doch nicht nur Japan drängt darauf, den Manager zur Verantwortung zu ziehen.

    Auch in Frankreich laufen Ermittlungen gegen Ghosn, die in einem weiteren Prozess münden könnten. Daran erinnerte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Montag in einem Interview mit dem französischen Radiosender France Inter. Er denke nicht, dass Angeklagte fliehen dürften, meinte Le Maire. „Und Ghosn ist ein Angeklagter.“

    Tatsächlich hätten Ghosn im Falle einer Verurteilung in Japan womöglich mehrere Jahre Haft gedroht. Japans Justizministerin Masako Mori nannte die Flucht daher am Montag noch einmal „unverzeihlich“. Ghosn wird sich voraussichtlich Mittwoch in Beirut in einer Pressekonferenz erstmals persönlich zu seiner Flucht äußern.

    Privatjet-Vermieter wusste offenbar nichts von Ghosns Flucht

    Mehr: Der ehemalige Renault- und Nissan-Chef ist in den Libanon geflohen – angeblich mit einem filmreifen Coup. Von dort geht Carlos Ghosn jetzt in die Offensive.

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    1 Kommentar zu "Fluchtplan des Automanagers: Flucht mit der Eisenbahn – So soll Ghosn aus Japan entkommen sein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Monsieur Ghosn hat bewiesen das er ein Visionär ist und für großes geboren wurde im positiven wie im negativen

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