Flugzeugbauer Airbus tauscht überraschend seinen Verkaufschef aus

Noch immer hängt Airbus hinter dem Erzrivalen Boeing zurück. Mit Christian Scherer kommt ein neuer Vertriebschef. Er soll die Probleme lösen.
Update: 14.09.2018 - 03:01 Uhr Kommentieren
Der Konzern hat zusehends Schwierigkeiten, im Rennen mit Boeing aufzuholen. Quelle: dpa
Airbus

Der Konzern hat zusehends Schwierigkeiten, im Rennen mit Boeing aufzuholen.

(Foto: dpa)

Toulouse/Amsterdam /New YorkDer europäische Flugzeugbauer Airbus muss einen wichtigen Posten schon nach kurzer Zeit wieder neu besetzen. Verkaufschef Eric Schulz verlasse das Unternehmen aus persönlichen Gründen, seine Aufgaben übernehme mit sofortiger Wirkung das deutsche Eigengewächs Christian Scherer, teilte das MDax-Unternehmen am Donnerstag mit. Schulz war erst im vergangenen November zum Nachfolger von John Leahy ernannt worden.

Scherer führte seit 2016 den Propellerflugzeug-Hersteller ATR, ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und dem italienischen Leonardo-Konzern. Jetzt ist der 56-Jährige einem Sprecher zufolge der erste Deutsche auf dem Posten des Airbus-Verkaufschefs. Sein Vater war der Flugversuchsingenieur Günter Scherer, der beim Erstflug des ersten Airbus-Jets A300 im Jahr 1972 mit an Bord war. Er starb im Mai 2018 in Toulouse, wo auch sein Sohn Christian aufwuchs.

Der frühere Rolls-Royce-Manager Schulz hatte den Posten erst im Januar von Leahy übernommen, der nach 24 Jahren als Airbus-Verkaufschef in Rente ging. Der als legendär geltende Leahy, der in seiner Karriere Flugzeuge im Wert von mehr als einer Billion US-Dollar verkaufte, hatte seinen Ruhestand mehrfach verschoben, bis mit Schulz ein Nachfolger gefunden war.

Kurz vor dem Wechsel im Januar rettete Leahy noch die Zukunft des weltgrößten Passagierjets A380, indem er einen 16 Milliarden Dollar schweren Großauftrag der arabischen Fluglinie Emirates hereinholte. Durch eine zeitliche Streckung der Produktion und die Neubestellung betrachtet Airbus die Zukunft des A380 bis ins nächste Jahrzehnt als gesichert. Zuvor hatte Leahy selbst ein Produktionsende für den Riesenflieger ins Spiel gebracht, für den Airbus seit Jahren kaum noch Käufer findet.

Mit Schulz holte Airbus bewusst einen Manager von außerhalb, der frischen Wind in den Konzern bringen sollte. Der Flugzeugbauer kämpft neben Korruptionsvorwürfen auch damit, die Produktion seiner Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe wie geplant weiter hochzufahren. Vor allem technische Mängel an den Triebwerken des US-Herstellers Pratt & Whitney warfen die Produktion immer wieder zurück. Laut Reuters sorgte das zunehmend für Frustration bei Schulz.

Zwar hat Airbus bei Neubestellungen für Mittelstreckenjets, dem am meisten gefragten Flugzeugsegment, den US-Erzrivalen Boeing weit hinter sich gelassen. Auf der Flugzeugmesse in Farnborough im Juli konnten die Amerikaner aber mehr Aufträge hereinholen als der europäische Rivale. Auch insgesamt lief es bei Boeing im Neugeschäft zuletzt besser.

„Wir bereuen die Entscheidung von Eric Schulz“, sagte Airbus-Chef Tom Enders laut einer Mitteilung des Konzerns. Mit Christian Scherer übernehme nun eine der am kundenorientiertesten Führungspersonen bei Airbus die Aufgabe des Vertriebschefs.

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