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Flugzeugbauer Boeing soll Software-Entwicklern der 737 Max nur 8 Euro pro Stunde gezahlt haben

Boeing steht wegen Softwarefehlern in der Kritik. Um Kosten zu sparen, lagerte der Flugzeugbauer die Entwicklung offenbar an Subunternehmen aus Indien aus.
1 Kommentar
Boeing lagerte Software-Entwicklung für die 737 Max aus Quelle: AP
Boeing 737 Max bei einem Testflug

Boeing wird verdächtigt, die Entwicklung der Jets wegen hohen Konkurrenzdrucks überstürzt und die Sicherheit vernachlässigt zu haben.

(Foto: AP)

Düsseldorf Der Flugzeugbauer Boeing hat die Entwicklung der Software für den Krisenflieger 737 Max offenbar zu großen Teilen an kostengünstige Subunternehmen im Ausland ausgelagert. Wie der Finanzdienst Bloomberg berichtet, wurden dabei für Zeitarbeiter etwa in Indien zum Teil Stundenlöhne von nur neun US-Dollar, knapp acht Euro, gezahlt.

Der US-Konzern steht nach zwei Abstürzen von 737-Max-Maschinen binnen weniger Monate stark in der Kritik. Nach einem Absturz in Indonesien am 29. Oktober 2018 kam es am 10. März zu einem weiteren Unglück in Äthiopien, bei dem alle 157 Menschen an Bord ums Leben kamen.

Untersuchungsberichte deuteten auf eine fehlerhafte Steuerungssoftware von Boeing als entscheidende Ursache hin. US-Behörden ermitteln, ob bei der Zulassung der Flugzeuge alles mit rechten Dingen zuging.

Boeing wird verdächtigt, die Entwicklung des Jets wegen hohen Konkurrenzdrucks überstürzt und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Erst in der vergangenen Woche entdeckte die US-Luftfahrtbehörde FAA ein neues Sicherheitsproblem.

Um Geld zu sparen, habe Boeing bei der Softwareentwicklung erfahrene Mitarbeiter entlassen und verstärkt auf externe Dienstleister gesetzt, berichtet Bloomberg. Dabei seien Aufträge auch in Länder gegangen, die keine Expertise im Luftfahrtbereich besitzen, etwa Indien.

In Büros nahe der Boeing-Zentrale habe der indische Softwareentwickler HCL Technologies mehrere Reihen mit Universitätsabsolventen besetzt, zitiert Bloomberg den früheren Boeing-Entwickler Mark Rabin. „Das war umstritten, denn es wäre effizienter gewesen, wenn Boeing-Ingenieure den Code geschrieben hätten“, sagte Rabin. So seien zahlreiche Korrekturrunden nötig gewesen.

Wie aus Lebensläufen von HCL-Mitarbeitern hervorgeht, halfen diese dabei, mehrere Softwaresysteme für die 737 zu entwickeln und zu testen. Auch eine weitere indische Firma namens Cyient sei beteiligt gewesen.
Boeing erklärte gegenüber Bloomberg, die indischen Entwickler seien nicht am automatischen Stabilisierungssystem MCAS beteiligt gewesen. Dieses wird für die beiden Abstürze verantwortlich gemacht.

„Boeing hat viele Jahrzehnte Erfahrungen mit Zulieferern und Partnern in der ganzen Welt gemacht“, heißt es in einer Erklärung. „Unser wichtigstes Anliegen ist, immer sicherzustellen, dass unsere Produkte und Dienstleistungen sicher, von höchster Qualität und mit allen relevanten Vorschriften in Einklang sind.“

HCL erklärte, man habe eine „starke und lange Geschäftsbeziehung“ zu Boeing. Man wolle aber nicht kommentieren, welche Arbeiten man genau für den US-Konzern erledige. „HCL hat mit keinem der derzeitigen Probleme der 737 Max zu tun.“

Mehr: Keine Airline will die erste sein, die das Unglücksmodell 737 Max wieder in Betrieb nimmt. Ist der Vertrauensschaden überhaupt reparabel?

  • opl
  • Bloomberg
  • rtr
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1 Kommentar zu "Flugzeugbauer: Boeing soll Software-Entwicklern der 737 Max nur 8 Euro pro Stunde gezahlt haben"

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  • f you pay peanuts, you get monkeys...nicht wirklich neu die Erkenntnis.
    Seit in Deutschland fast keine Direktbeauftragungen mehr möglich sind (Nahles sei Dank - das Thema 'Scheinselbständigkeit' sorgt gerade bei hochqualifizierten IT-Experten für viel Ärger) , sondern alles nur noch über 'Personalvermittler' läuft, hat das Preisdumping stark zugenommen