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Flugzeugbauer „Eine Fabrik im Chaos“: Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing

Der US-Flugzeugbauer gerät im Fall der 737 Max weiter in Bedrängnis: Ein Ex-Manager schildert große Probleme in der Produktion bei Boeing.
11.12.2019 Update: 12.12.2019 - 11:30 Uhr Kommentieren
Sowohl vor dem ersten Unglück als auch vor dem zweiten habe der Ex-Boeing-Manager Probleme gemeldet, doch keiner seiner Hinweise habe etwas bewirkt. Quelle: Bloomberg
Ed Pierson

Sowohl vor dem ersten Unglück als auch vor dem zweiten habe der Ex-Boeing-Manager Probleme gemeldet, doch keiner seiner Hinweise habe etwas bewirkt.

(Foto: Bloomberg)

Washington, Seattle Gut ein Jahr nach dem ersten Absturz einer Boeing 737 Max gerät der US-Flugzeughersteller immer mehr in Bedrängnis. Die US-Luftfahrtbehörde FAA kündigte am Mittwoch Untersuchungen der Fertigung bei dem Airbus-Rivalen an, nachdem ein ehemaliger Boeing-Manager scharfe Kritik an den Produktionsabläufen geübt hatte.

„Ich habe eine Fabrik im Chaos erlebt“, sagte der Manager, Ed Pierson, bei einer Anhörung vor US-Abgeordneten. Sowohl vor dem ersten Unglück als auch vor dem zweiten habe er Probleme gemeldet, doch keiner seiner Hinweise habe etwas bewirkt. Auch von Boeing-Chef Dennis Muilenburg habe er keine angemessene Antwort erhalten.

Termindruck und die Erschöpfung von Arbeitern seien zu Lasten von Qualität und Sicherheit gegangen. Boeing hielt dem entgegen, dass der Konzern regelkonform mit Sicherheitsmaßnahmen und Software-Updates reagiert habe.

Bei der Anhörung vor einem Kongressausschuss ging es auch um die Rolle der US-Luftfahrtaufsicht FAA. Sie steht wegen der Zulassung der 737 Max ebenfalls stark in der Kritik. „Die FAA hat nicht die richtigen Fragen gestellt und hat die Antworten, die sie von Boeing erhalten hat, nicht hinterfragt“, sagte der Abgeordnete Peter DeFazio bei der Ausschusssitzung.

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    Auch Ex-Manager Pierson kritisiert die Rolle der FAA. „Die Untersuchung der Abstürze durch die US-Behörden ist genauso enttäuschend wie die Beteuerung Boeings, das es keine systemischen Probleme bei Qualität oder Sicherheit gab“, sagte er. FAA-Chef Steve Dickson verteidigte die Behörde, räumte aber ein, dass das sehr zögerlich verhängte Flugverbot für die 737 Max aus heutiger Sicht zu spät kam.

    In diesem Jahr werde das Modell keine Starterlaubnis mehr bekommen, sagte FAA-Chef Steve Dickson am Mittwochabend bei einer Anhörung vor US-Abgeordneten. Vor einer erneuten Zulassung seien fast ein Dutzend Punkte zu bearbeiten. Boeing drohten zudem Strafzahlungen, falls Informationen über Probleme nicht rechtzeitig weitergegeben worden seien.

    Wirtschaftliches Desaster für Boeing

    Vor gut einem Jahr war in Indonesien eine 737 Max der Fluggesellschaft Lion Air abgestürzt, 189 Menschen kamen dabei ums Leben. Im März forderte der Absturz einer Maschine gleichen Typs der Ethiopian Airlines 157 Menschenleben. Seitdem muss das Modell weltweit am Boden bleiben, was die Fluggesellschaften teils vor große Herausforderungen stellt.

    Die beiden Maschinen waren nach bisherigen Erkenntnissen vor allem wegen der fehlerhaften Steuer-Software MCAS abgestürzt, die einen Sturzflug automatisch verhindern soll. Für Boeing ist die vorübergehende Stilllegung des einstigen Hoffnungsträgers ein Desaster: Eine weitere signifikante Verzögerung bei der Zulassung könnte den Konzern dazu zwingen, die Produktion der 737 Max herunterzufahren oder sogar einzustellen.

    Auch in China äußerte die dortige Behörde Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Sicherheit des Flugzeugs auf der Grundlage der vorgeschlagenen Änderungen an Software und Flugsteuerungssystemen. Ein Sprecher der chinesischen Zivilluftfahrtbehörde bekräftigte, dass das Flugzeug vor der Wiederaufnahme des Betriebs in China erneut zertifiziert werden müsse. Zudem müssten die Piloten umfassend geschult werden.

    Mehr: Wie sich Boeing mit der 737 Max immer mehr in die Bredouille bringt, lesen Sie hier.

    • HB
    • rtr
    • dpa
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