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Flugzeugbauer Tom Enders verabschiedet sich mit einem Rekordgewinn bei Airbus

Airbus gab erst das Aus seines Modells A380 bekannt. Dann präsentierte Konzernchef Enders positive Zahlen. Sein Nachfolger sprach über Zukunftspläne.
14.02.2019 - 10:25 Uhr 1 Kommentar
Der Noch-Chef des Konzerns gab die aktuellen Zahlen bekannt. Quelle: Reuters
Airbus-Chef Tom Enders, sein Nachfolger Guillaume Faury und Finanzvorstand Harald Wilhelm (von links)

Der Noch-Chef des Konzerns gab die aktuellen Zahlen bekannt.

(Foto: Reuters)

Toulouse Airbus steckt mitten im Umbruch – und das ist in Toulouse eigentlich der Alltagszustand. Lediglich die Baustellen, an denen gearbeitet wird, wechseln.

Aktuell sind es drei sehr große: Chef Tom Enders und CFO Harald Wilhelm sind kurz davor auszuscheiden, Guillaume Faury wird Enders in den kommenden Wochen folgen. Außerdem wird Airbus den Prestigeflieger A380 in zwei Jahren nicht mehr produzieren. Zuletzt kommt der Übergang zur digitalen Produktion kommt voran.

Was das finanzielle Ergebnis für 2018 angeht, hat der deutsch-französisch-spanische Flugzeughersteller Wort gehalten: Er hat seinen Gewinn ohne Berücksichtigung von Steuern und Zinsen (Ebit) im vergangenen Jahr wie angekündigt auf fünf Milliarden Euro gesteigert. Das ist exakt die vor einem Jahr in Aussicht gestellte Marke.

Eine riesige Überraschung sei der „Rekordgewinn“, wie Airbus-Chef Tom Enders sagte, nicht: Airbus hatte sein Ebit in den ersten neun Monaten 2018 bereits um 60 Prozent erhöht und den Gewinn pro Aktie mehr als verdreifacht. Die Aktionäre können sich freuen, denn die Dividende soll um zehn Prozent auf 1,65 Euro steigen.

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    Trotz dieser Erfolge im vergangenen Jahr räumte Enders in einem Analysten-Call am Morgen aber auch ein: „Angesichts der fehlenden Nachfrage müssen wir die Herstellung der A380 herunterfahren und einstellen. Das ist in den Resultaten für 2018 bereits weitgehend enthalten.“

    Auch die Konsequenzen der Einigung mit den Abnehmerstaaten auf neue Auslieferungsmodalitäten für den Militärtransporter A400M habe man finanziell berücksichtigt. Für beide Programme hat Airbus finanzielle Belastungen von jeweils mehr als 400 Millionen Euro gebucht.

    Der US-Rivale überholt Airbus

    Diese positiven Ankündigungen sind aber nur die eine Seite der Wahrheit. Gerade im Vergleich mit dem ewigen Konkurrenten Boeing aus den USA steht Airbus nicht so gut da.

    Der hat den europäischen Rivalen im vergangenen Jahr mit 893 Neubestellungen klar abgehängt. Airbus kam nur auf 747. Schlimmer noch: Im Januar heimsten die US-Amerikaner mehr als 40 neue Bestellungen ein, während die Europäer 13 Abbestellungen hinnehmen musste, darunter acht für den Riesenjumbo A380.

    Dessen Produktion soll 2021 eingestellt werden, gab Enders bekannt. Nachdem die Fluggesellschaft Emirates mit Sitz in Dubai seine Bestellungen verringert habe, gebe es keine ausreichende Nachfrage mehr. 

    Boeing hat nun auf dem Markt für Großraumflugzeuge mit seinem erneuerten Flugzeugmodell 777-9, die in rund einem Jahr erstmals ausgeliefert werden soll, einen kleinen Vorsprung: Sie bietet rund 50 Sitzplätze mehr als die größte A350-1000. Mit der kleineren A 350-900 kommt Airbus aber bei den Kunden sehr gut an. „Wir stehen mit dem A350-Programm unmittelbar vor der Gewinnschwelle“, versicherte Airbus-CFO Wilhelm.

    Die Bilanzpressekonferenz am Donnerstag ist die letzte für Airbus-Chef Tom Enders. Spätestens im April, rund sieben Jahre, nachdem der Deutsche die Gesamtverantwortung für den Konzern übernahm, wird er an seinen französischen Nachfolger Guillaume Faury übergeben.

    Ihm überließ Enders bereits viel Platz bei der Beantwortung der Fragen und der Darstellung der Aussichten für das laufende Jahr. Der Gewinn soll um 15 Prozent erhöht und 880 bis 890 Zivilflugzeuge sollen ausgeliefert werden, erläuterte Faury.

    Der Franzose, der bislang die Sparte kommerzielle Flugzeuge leitet, nannte viele Prioritäten für 2019: „Wir wollen die Verpflichtungen einlösen, die wir eingegangen sind. Bei den A320 wollen wir die Produktion steigern und die Marge der A350 verbessern.“

    Das militärische Portfolio wolle Airbus mit dem Eurofighter kurzfristig und dem neuen Kampfflugzeug-System FCAS langfristig ausbauen. Auch sollten das digitale Segment und die Innovationsparte erweitern werden.

    Mit folgenden Worten bedankte sich Faury bei Enders und Wilhelm, der zu Daimler wechselt: „Tom und Harald, ihr habt das Unternehmen durch einen wesentlichen Wandel gesteuert, ich will konsistent weitermachen mit der Strategie der vergangenen Jahre.“ 

    Veränderungen in der Konzerngeschichte, die Enders verantwortet

    Enders kam 2000 in den EADS-Vorstand wie Airbus früher hieß, als Chef der Rüstungssparte. Von 2005 bis 2007 war er Co-Chef des Airbus-Vorgängers, dann übernahm er die Führung der Sparte Zivilflugzeuge.

    Seit Juni 2012 führt er den gesamten Konzern. Schnell hat er die Unternehmensführung verändert, und hat gerade hier vielleicht den größten Erfolg erzielt: Aus einem halbstaatlichen Unternehmen, das die Regierungen immer wieder bevormundet haben, ist 2013 ein unabhängiges geworden, in dem der Konzernvorstand entscheidet.

    Ironischerweise geht das zurück auf Enders größte politische Niederlage: Mitte 2012 wollte er EADS mit dem britischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzern BAE Systems fusionieren, scheiterte aber an der Bundesregierung. Danach trieb er die deutsche, französische und spanische Regierung dazu an, eine neue Governance mit einem unabhängigen Vorstand zu akzeptieren.

    Die Steigerung und Stabilisierung der Produktion, Vereinfachung der internen Strukturen und der erfolgreiche Einstieg in die digitale Wende sind weitere Pluspunkte, die man mit der Ära Enders verbinden wird.

    Negativ lastet auf ihr der Skandal um korrupte Praktiken beim Verkauf von Helikoptern und Flugzeugen, dessen Aufklärung sich mittlerweile seit Jahren hinzieht. Enders selber räumte im Interview mit dem Handelsblatt einmal ein, dass er schlecht sagen könne, er habe von nichts gewusst, da er seit vielen Jahren in Top-Positionen Verantwortung getragen hat.

    Auch der von gravierenden Pannen und Kostensteigerungen geplagte Militärtransporter A400M wirft einen Schatten auf die Bilanz von Enders. Die fällt trotzdem insgesamt klar positiv aus.

    Ausführlich ging Enders auf die Situation bei der A400M ein. Man habe 17 Exemplare davon im vergangenen Jahr geliefert. Die Unterzeichnung einer veränderten Vereinbarung mit den Abnehmerstaaten werde hoffentlich im ersten Halbjahr erfolgen.

    Insgesamt seien 74 Flugzeuge an die Kunden übergeben worden, 100 Exemplare kämen noch – ohne Exporte. „Wir haben eine bedeutende Risikominderung erreicht, es bleiben aber noch Risiken bei den technischen Leistungen und den Kosten“, fasste Enders zusammen.

    Was den Skandal um mögliche korrupte Praktiken angeht, sagte der Noch-Chef lediglich, er sei sich sehr sicher, dass nach dem Abschluss der laufenden Untersuchungen Airbus ein deutlich besseres Unternehmen sein werde, was Ethik und Compliance angehe. „Mein Optimismus wird gestützt dadurch, dass Guillaume sich stark auf Compliance konzentriert.“

    Eine Einigung mit den untersuchenden amerikanischen, britischen und französischen Behörden könnte schneller vorankommen, wenn die Wechsel im Management vollzogen sind: In der Vergangenheit, etwa bei Fällen wie Rolls-Royce und Siemens, war das Ausscheiden aller auch nur potenziell belasteten Manager eine Kernforderung der Behörden. Am Ende des Analysten-Calls stützte Enders noch einmal seinen Nachfolger Guillaume Faury: „Er wird Airbus zu neuen Horizonten führen“.

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    1 Kommentar zu "Flugzeugbauer: Tom Enders verabschiedet sich mit einem Rekordgewinn bei Airbus"

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    • @Herr Enders:
      Danke für Ihre hervorragende Arbeit die letzten Jahre!

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