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Flugzeugkonzern Abgang eines Unbeugsamen: Airbus-Chef Tom Enders geht in den Ruhestand

Nach 14 Jahren an der Spitze des Flugzeugbauers geht „Major Tom“ in den Ruhestand. Verbiegen lässt sich der extravagante Chef bis zum Ende nicht.
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Airbus-Chef Tom Enders geht in den Ruhestand Quelle: dpa
Tom Enders

Der Airbus-Chef trägt „sein Herz auf der Zunge“.

(Foto: dpa)

MünchenDie roten Cowboystiefel sind sein Statement. Gut gelaunt empfängt Tom Enders in seinem extravaganten Schuhwerk im Bayerischen Hof. Der Airbus-Chef ist auf Abschiedstour, in wenigen Tagen wird er sein Amt an Guillaume Faury übergeben. Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen über die vergangenen 14 Jahre, in denen er an der Spitze des wohl kompliziertesten europäischen Unternehmens stand. „Dass ich mich so lange im Sattel halten würde, das hätte ich nicht gedacht“, bekennt der 60-Jährige im Country-Style.

Das liegt wohl auch daran, dass der gebürtige Westerwälder sich ungern den Mund verbieten lässt. Aufgewachsen als Sohn eines Schäfers, ausgebildet bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr, ging er Anfang der 90er-Jahre in die deutsche Rüstungsindustrie. Beim Airbus-Vorläufer Dasa erkannten Förderer wie Manfred Bischoff, dass Enders nicht nur sein Herz auf der Zunge trägt, sondern auch macht, was er sagt.

Das waren gefragte Eigenschaften, als Anfang des Jahrtausends die deutsche und die französische Rüstungsindustrie zur „European Aeronautics and Defence Company“ fusionierten. Und während die Franzosen die besten Köpfe ihrer Wirtschaft in das Gemeinschaftsunternehmen schickten, lichtete sich auf deutscher Seite das Personaltableau in der EADS schnell. So übernahm Tom Enders 2005 gemeinsam mit dem Franzosen Noël Forgeard den Vorstandsvorsitz.

Seine Skepsis gegenüber den Partnern in Frankreich ist anfangs groß. Die Dasa-Manager hätten lieber mit den Briten fusioniert, den Franzosen unterstellt man zu viel Staatsnähe. Tatsächlich kommt es schon bald zum großen Krach: Der Riesenairbus A380 wird nicht rechtzeitig fertig, Deutsche und Franzosen geben sich gegenseitig die Schuld.

Forgeard stolpert über Aktienverkäufe, Enders übersteht das Desaster. Und er fasst einen mutigen Entschluss: Freiwillig überlässt er Forgeards Nachfolger Louis Gallois die alleinige Konzernführung und geht als Chef der Zivilflugsparte nach Toulouse. Dort wundern sich die Franzosen über den Schlaks in seinen Cowboystiefeln, der sich in seinem Appartement auch schon mal mit Tiefkühlpizza begnügt. Aber sie erkennen an, dass da jemand seine Vorurteile abbaut und aus Airbus einen Erfolg machen will.

Enders lernt, die französische Perspektive zu verstehen. Die sieht Airbus im Zentrum einer europäischen Industriepolitik, die es wirtschaftlich und technologisch mit Chinesen und Amerikanern aufnehmen will. Ein solches Verständnis vermisst Enders in seiner Heimat. Zusehends entfremdet sich der Adenauer-Stipendiat von der Berliner Politik. Als die Regierung Merkel Briten und Franzosen im Libyenkrieg allein kämpfen lässt, tritt er aus der CSU aus.

Taktisch gesehen vielleicht ein Jahr zu früh: Als Enders 2012 wieder alleiniger Airbus-Chef ist, wagt er den Versuch, Airbus mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems zu fusionieren. Augenhöhe mit Boeing ist das Ziel, die Schaffung eines europäischen Champions. Doch während Paris und London grünes Licht geben, zieht die Regierung Merkel im letzten Moment ihre Unterstützung zurück. Ob er Merkel noch zürnt? „Vergeben ja, vergessen nie“, lautet seine vielsagende Antwort.

 Sein Unverständnis über Merkels Politik währt fort. Das gilt besonders für die aktuelle Entscheidung der Bundesregierung, Exporte von gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien hergestellten Rüstungsgütern zu blockieren. Er hält das für einen „moralischen Rigorismus“, der Deutschland in Europa isoliere. Für die deutsche Haltung habe im Rest Europas kaum noch jemand Verständnis, ärgert sich Enders.

Airbus robuster gemacht

Sein Bruch mit der deutschen Politik hat ihm Beinfreiheit verschafft. Die verpatzte Fusion mit BAE Systems nutzt er, um den staatlichen Einfluss bei Airbus zurückzudrängen. Die Doppelverwaltungen in Deutschland und Frankreich werden zusammengestrichen, alle wichtigen Funktionen in Toulouse konzentriert. Die A320 wird mit neuen Triebwerken ein Verkaufsschlager, Airbus baut Werke in China und den USA.

2017 zeigt Enders den Behörden windige Beraterverträge an, mit denen Airbus über Jahre Flugzeuge verkauft hat. Als jüngster Verdacht stehen illegale Zahlungen bei der Lieferung von Flugzeugen nach Ägypten im Raum, Enders will den Vorgang aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Auch weil er die Ermittlungen selbst angestoßen hat, will er seinen Vertrag nicht verlängern.

Der Noch-Airbus-Chef steht breit auf seinen Cowboystiefeln, er ist mit sich im Reinen. Airbus sei in seiner Zeit „internationaler, wettbewerbsfähiger und robuster“ geworden. Er selbst wolle seine Arbeitsbelastung jetzt deutlich reduzieren. „Auf jeden Fall will ich nicht mehr exekutiv tätig sein“, sagt Enders.

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