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Folgen der Coronakrise Volkswagen will mit Förderprogrammen neue Kunden locken

Die Coronakrise lässt die Autonachfrage einbrechen. VW fürchtet einen neuen Stillstand in den Fabriken – und will nun mit Verkaufshilfen gegensteuern.
11.05.2020 - 14:27 Uhr Kommentieren
Die schwache Nachfrage trifft die gerade wieder angelaufenen Autoproduktion. Quelle: dpa
VW-Werk Wolfsburg

Die schwache Nachfrage trifft die gerade wieder angelaufenen Autoproduktion.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Vor zwei Wochen hat Volkswagen Zuversicht verbreitet. Der Wiederanlauf der Produktion im Wolfsburger Stammwerk sollte signalisieren, dass die Autobranche die Coronakrise schnell hinter sich lassen kann. Nach einem Monat, so die anfängliche Kalkulation, wollte Volkswagen in Deutschland wieder gewohnte Stückzahlen produzieren.

Doch ganz so schnell geht es nicht, die Erholung lässt auf sich warten. Bei den Autohändlern, die inzwischen schon wieder drei Wochen geöffnet haben, machen sich die Kunden rar. „Ein Kaufmomentum ist nicht zu sehen“, sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann am Montag in einem Pressegespräch.

Volkswagen setzt darauf, dass es vom Staat Hilfsprogramme für die Autobranche geben wird. Doch vor Anfang Juni wird darüber nicht entschieden. „Auf den Staat können wir nicht warten“, ergänzte der VW-Manager.

Volkswagen will deshalb noch in dieser Woche ein eigenes Förderprogramm auflegen. Zunächst in Deutschland, dann auch in ganz Europa. Der Wolfsburger Autokonzern nimmt dafür eigenen Angaben zufolge einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand. Die Verkaufszahlen, so zumindest die Hoffnung des Konzerns, sollen dank des Programms wieder steigen. Ähnliche Angebote gibt es bei den Marken Audi, Seat, Skoda und der VW-Nutzfahrzeugsparte.

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    Wegen der Corona-Pandemie hat das Konsumklima überall in Europa massiv nachgegeben. Die Verbraucher scheuen größere Ausgaben, die Neuanschaffung eines Autos spielt deshalb bei vielen eine untergeordnete Rolle. „Die Psychologie besitzt dabei eine große Bedeutung“, betonte VW-Manager Stackmann. Volkswagen wolle mit einem eigenen Förderprogramm „gegen die Ängstlichkeit ankämpfen“.

    Versicherung gegen die Sorgen der Konsumenten

    Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist das größte Problem. Volkswagen führt deshalb jetzt eine sogenannte „Ratenschutzversicherung“ beim Kauf von Neu- und Gebrauchtwagen ein, die die wirtschaftlichen Folgen bei Arbeitslosigkeit abfangen soll.

    Im Fall eines unverschuldeten Arbeitsplatzverlustes übernimmt die neue Versicherung bis zu zwölf Monatsraten des jeweiligen Finanzierungs- oder Leasingvertrages. Volkswagen will so einen Beitrag zur Sicherheit in Zeiten schwer vorhersehbarer ökonomischer Entwicklung leisten und den Kunden Angst vor einem Autokauf nehmen.

    Bei VW startet die Ratenschutzversicherung mit einem monatlichen Beitrag von zehn Euro. Der Wolfsburger Autohersteller verspricht zudem weitere Vergünstigungen bei Leasing- und Finanzierungsprogrammen.

    Die zuletzt verfügbaren Verkaufszahlen haben in Wolfsburg Besorgnis ausgelöst. In Deutschland hat der Autohersteller im April 67 Prozent seines gewohnten Absatzvolumens verloren, in ganz Europa waren es sogar 83 Prozent. „Einen solchen Bremseffekt habe ich noch nie erlebt“, sagte Stackmann. Ausschlaggebend dafür sei der fast vollständige Stillstand in Ländern wie Großbritannien, Spanien und Italien, die noch stärker als Deutschland von der Pandemie und deren Folgen getroffen wurden.

    Volkswagen stellt sich darauf ein, dass eine wirtschaftliche Erholung in Europa nur mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten möglich sein wird. „Südeuropa steht vor einer deutlich schwierigeren Ausgangslage“, betonte der Volkswagen-Vorstand. Dazu trage dort auch die wirtschaftliche schwächere Entwicklung aus der Zeit vor der Coronakrise bei. Auf dem Heimatmarkt sehe es besser aus: „Deutschland hat eine gute Chance zurückzukommen.“

    Autohersteller leiden besonders darunter, dass hohe Bestände an guten und jungen Gebrauchtwagen den gesamten Markt durcheinander bringen. Denn solange viele Gebrauchte bei den Händlern stehen und den Markt verstopfen, kommt der Kreislauf im Autogeschäft nicht in Gang und Neuwagen können nicht aus den Fabriken geliefert werden. Deshalb bietet Volkswagen seine neuen Förderprogramme ausdrücklich auch für Gebrauchtwagen an.

    Volkswagen will zudem selbst dafür sorgen, dass der Gebrauchtwagenmarkt nicht mit weiteren Fahrzeugen überschwemmt wird. VW-Mitarbeiter müssen ihre persönlichen Dienstwagen deshalb statt der üblichen sechs bis acht Monate jetzt etwa doppelt so lange behalten und fahren. In Deutschland macht dieser VW-interne Fuhrpark etwa 30.000 Fahrzeuge aus, die den Markt für Gebrauchte nun nicht zusätzlich belasten können.

    VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte schon Anfang des Monats davor gewarnt, dass die gerade erst wieder angelaufene Produktion wegen der schwachen Nachfrage bald wieder eingestellt werden müsse. Der Blick in den Bestelleingang sei „ein echtes Trauerspiel“. „Wenn das so bleibt, dann stehen unsere Werke vielleicht in ein paar Wochen wieder“, sagte Osterloh, „im Moment schaut leider alles danach aus.“

    Lichtblick China

    Vertriebsvorstand Stackmann will mit dem neuen Programm zur Nachfragebelebung auch einen Beitrag dazu leisten, einen erneuten Stillstand in den VW-Fabriken zu verhindern. „Wir versuchen alles, um einen solchen Stotterstart zu vermeiden“, sagte er. Allerdings gebe es keine Gewissheit, ob das tatsächlich gelingen werde.

    Ein Konzernsprecher hatte bereits Ende vergangener Woche angekündigt, dass Volkswagen einen Teil der Mitarbeiter wieder aus der Produktion abziehen werde. Die Einschränkungen durch Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus fielen geringer aus als ursprünglich erwartet. Deshalb würden weniger Mitarbeiter in der Fertigung gebraucht. In seinen Werken arbeite Volkswagen jetzt mit einem „atmenden Personaldeckel“, getrieben von der jeweiligen Nachfrage.

    Auf eine staatliche Förderung will Volkswagen nicht verzichten. Zur Diskussion um die umstrittenen Kaufanreize für Autos sagte Stackmann: „Wir hoffen, dass es vom Staat einen starken Impuls für die gesamte Wirtschaft gibt.“ Förderprogramme könnten Teil eines größeren Konjunkturprogramms sein, was man „ganz ausdrücklich“ begrüßen würde. Die Grundfrage sei dabei: „Wie läuft eine Volkswirtschaft wieder an?“ Die Autobranche besitze dabei eine wichtige Funktion.

    Aus Sicht von Volkswagen gibt es aktuell allerdings auch einen Lichtblick: den chinesischen Automarkt. Die Volksrepublik hatte schon im Februar ihren Höhepunkt der Coronakrise erlebt, die wirtschaftliche Erholung setzte dort also früher ein. „China ist fast wieder auf Vorjahresniveau“, hob Stackmann hervor. Im April liege Volkswagen nur 2,3 Prozent unter den Zahlen des Vorjahresmonats. Für den gesamten chinesischen Automarkt betrage das Minus sieben Prozent.

    In China werden verstärkt Autos wegen der Sorge gekauft, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln mit dem Coronavirus zu infizieren. Ob es in Deutschland und Europa zu einer ähnlichen Entwicklung kommen wird, lässt sich aus VW-Sicht heute nicht sagen. VW-Vorstand Stackmann: „Wie stark und die nachhaltig dieser Effekt ist, muss sich bei uns erst noch zeigen“.

    Mehr: Warum bei VW die Dividende wohl auch dieses Jahr nicht ausfällt.

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