Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Werk von SAIC Volkswagen in Schanghai

Die Ertragsprognosen wackeln bereits.

(Foto: ddp/Xinhua/Sipa USA)

Folgen der Epidemie Gefahr aus Fernost: Das Coronavirus bedroht die globalen Lieferketten

Der neue Krankheitserreger sorgt für eine geringe Nachfrage aus China – teilweise bereits mit erheblichen Folgen. Deutsche Unternehmen sind alarmiert.
10.02.2020 - 17:17 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Eigentlich sollte in China am Montag der Arbeitsalltag wieder langsam anlaufen. Doch schon innerhalb der ersten Stunden des Tages ist klar: In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt läuft derzeit nichts normal.

Es ist still in Peking, so still, dass man die Vögel zwitschern hört. Kein Hupen, keine Motorengeräusche, kein Straßenlärm. Nur wenige Menschen sind draußen, Busse und U-Bahnen sind fast so leer wie während der wegen des Coronavirus verlängerten, insgesamt mehr als zwei Wochen dauernden Pause rund um das chinesische Neujahrsfest.

Auch bei den Unternehmen in China ist derzeit nichts normal. Seit Montag dürfen sie zwar offiziell in den meisten Provinzen und Städten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Doch die Bedingungen, unter denen der Arbeitsalltag wieder startet, sind eine große Herausforderung für die Wirtschaft.

Sie ist so groß, dass die Angst wächst, dass das Coronavirus nicht nur Menschenleben bedroht, sondern schon bald globale Lieferketten zum Reißen bringt. Hinzu kommt die sinkende Nachfrage aus dem gerade für deutsche Unternehmen so wichtigen Markt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Analysten kappen derzeit im Wochenrhythmus ihre Gewinnschätzungen für fast alle börsennotierten Unternehmen. Sobald diese ihre Bilanzzahlen für die ersten Wochen und Monate des Jahres überschlagen, dürften die Finanz- und Vorstandschefs den skeptischer werdenden Analysten folgen, besonders die exportstarken Unternehmen mit starkem Chinageschäft.

    Bei Daimler und Volkswagen wackeln angesichts des hohen China-Anteils bereits die Ertragsprognosen. Gewinnzuwächse von gut zehn Prozent, wie sie Analysten im Schnitt für die 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr erwarten, sind angesichts ihres China-Anteils von 15 Prozent am Gesamtumsatz schon jetzt nicht mehr zu halten.

    Viele Unternehmen spüren die Auswirkungen des Coronavirus und die harten Maßnahmen, die die chinesischen Lokalregierungen getroffen haben, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, schon sehr direkt. So läuft etwa bei dem deutschen Gesundheitskonzern Fresenius die Produktion in China zwar bereits wieder an. Entwarnung gibt es aber noch nicht. Denn an einzelnen Standorten haben die lokalen Behörden die Verlängerung der Neujahrsferien noch bis Ende der Woche angeordnet.

    Grafik

    Teilweise werde die Kundennachfrage in der Zwischenzeit mit vorhandenen Lagerbeständen gedeckt, hieß es bei dem Unternehmen. Allerdings wisse man nicht, wie sich die aktuellen von der chinesischen Regierung auferlegten Quarantänebeschränkungen auf die künftige Lieferfähigkeit auswirken werde.

    Ähnlich sieht es beim Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro aus: Sein Produktionsvolumen in China hat das Unternehmen bereits gedrosselt. Der Konzern betreibt ein großes Werk in Schanghai mit mehr als 2000 Mitarbeitern. Dort werden große Mengen des transparenten Kunststoffes Polycarbonat hergestellt, der in China in der Automobil- und Elektronikindustrie sowie in der Medizintechnik eingesetzt wird. Covestro leidet unter einer geringeren Nachfrage durch die verlängerte Zwangspause.

    Hinzu kommt: Die industrielle Wertschöpfungskette mit Zulieferern, Logistik, Verpackung und Versand sei beeinträchtigt, da in vielen Provinzen Arbeiter und Angestellte aufgrund von Reisebeschränkungen ihre Arbeit nicht wie geplant oder nur verzögert aufnehmen können. Reise- und Transportbeschränkungen zwischen einzelnen Provinzen führten zu Verzögerungen bei der Kundenbelieferung sowie höherer Lagerhaltung.

    Bosch und Trumpf haben ihre Werke in China nach der Zwangspause wieder hochgefahren, können aber noch nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Krise auf ihre Geschäfte haben wird.

    Die Bekleidungskette Peek & Cloppenburg rechnet dagegen bereits mit verspäteten Lieferungen in der Warenbeschaffung. „Aufgrund der verlangsamten Handelswege von Rohwaren, wie Stoffen und Garnen, in Fernost, sind auch aus anderen Produktionsländern mit Verzögerungen der Lieferungen zu rechnen“, heißt es bei den Düsseldorfern.

    „Die globale Wirtschaft wird nachhaltig unter dem Coronavirus leiden“

    Schaden erst nach längerer Zeit abschätzbar

    Unternehmen und Analysten tun sich derzeit schwer abzuschätzen, wie groß die Auswirkungen des Coronavirus auf Unternehmen am Ende sein werden. Die wirtschaftlichen Schäden einer solch ungewöhnlichen Krise ließen sich meistens erst nach mehreren Wochen oder Monaten wirklich abschätzen, sagt Nigel Todd, Direktor der deutschen Niederlassung des Versicherers Global FM. „Die meisten Unternehmen fallen jetzt erst einmal auf Notfallpläne zurück und schauen, ob sie Bauteile von alternativen Zulieferern bekommen können.“

    So auch Siemens. Unternehmenschef Joe Kaeser hatte in der vergangenen Woche gesagt, der Konzern habe ein Team im Einkauf zusammengestellt, um sicherzustellen, dass das Unternehmen seine Komponenten und Teile fristgerecht bekomme. Aktuell könne man noch keine Aussagen zu konkreten Auswirkungen machen, was Einschränkungen in der Produktion oder in der Lieferkette betrifft, hieß es am Montag.

    Abgemildert wird die Situation etwas dadurch, dass die Coronavirus-Krise zunächst in eine Zeit fiel, in der China wegen der landesweiten Feiertage zum Neujahrsfest ohnehin stillsteht. Während der einwöchigen Feiertage werden die meisten Produktionsaktivitäten eingestellt, Werke, Behörden und Büros sind geschlossen. Auch die Woche danach ist traditionsgemäß ruhig.

    Rigorose Sicherheitsmaßnahmen
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Folgen der Epidemie - Gefahr aus Fernost: Das Coronavirus bedroht die globalen Lieferketten
    1 Kommentar zu "Folgen der Epidemie: Gefahr aus Fernost: Das Coronavirus bedroht die globalen Lieferketten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • immerhin sind wir deutschen mit 16 Fällen das asiatischste Land Nichtasiens, noch vor Australien und sogar vor Macau und Hongkong. Das zeigt doch, dass unsere Exportindustrie vieles richtig gemacht hat und wir als Deutsche viel daran verdienen, die Menschenrechte in China nie kritisiert zu haben.

      Unser Opportunismus hat Erfolg :-)

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%