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Folgen der Epidemie In Europa droht ein Antibiotika-Engpass wegen des Coronavirus

Rund um Wuhan befinden sich große Anlagen zur Produktion der Wirkstoffe. Pharmaexperten warnen vor den Virus-Auswirkungen auf die Versorgung in Europa.
10.02.2020 - 17:33 Uhr 1 Kommentar
Der stockende Nachschub bei Arzneien ist nicht erst seit der Coronavirus-Krise ein Problem. Quelle: dpa
Medikamente

Der stockende Nachschub bei Arzneien ist nicht erst seit der Coronavirus-Krise ein Problem.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Berlin China hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch in der Arzneiherstellung zur Werkbank der Welt entwickelt. Das gilt vor allem für die vergleichsweise einfache Herstellung von Antibiotika-Wirkstoffen. Ausgerechnet rund um die chinesische Stadt Wuhan befinden sich einige größere Anlagen zur Produktion dieser Stoffe – und die stehen seit dem in der Region grassierenden Coronavirus still.

Pharmaexperten warnen bereits vor Auswirkungen auf die Versorgung mit Antibiotika in Europa. Denn die Hersteller auf dem Kontinent beziehen den Großteil der Wirk- und Trägerstoffe für die Arzneien aus China. Derzeit könne die Versorgung noch durch Lagerbestände kompensiert werden, sagt Morris Hosseini, Partner im Healthcare-Team der Unternehmensberatung Roland Berger. „Wenn sich die Situation in den chinesischen Produktionsstätten bis Ende Februar nicht entspannt, wird sich aber die Problematik in Europa zuspitzen.“

Behörden sehen noch keinen Grund zur Besorgnis. „Uns liegen keine Hinweise vor, dass es aufgrund des Coronavirus zu kurzfristigen Liefer- oder Versorgungsengpässen kommen wird“, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf Anfrage mit.

Fakt ist aber: Schon vor der Coronakrise zeigten sich Engpässe bei einigen wichtigen Antibiotika-Wirkstoffen. Die Roland-Berger-Experten machen dafür die extreme Konzentration auf wenige Produktionsanlagen in China verantwortlich. Pharmakonzerne haben ab Ende der 1980er-Jahre die Fertigung dorthin verlagert. Grund: Antibiotika wurden so billig, dass sich die Fertigung in Europa wirtschaftlich nicht mehr lohnte.

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    Abhängigkeit von China

    Die Abhängigkeit von China bei der Wirkstofflieferung könnte nun durch Corona schwere Folgen haben. Denn das Problem ist kurzfristig nicht zu lösen. Laut Hosseini könnten alternative Produktionskapazitäten in Indien nur mittelfristig genutzt werden. „In Europa müsste die frühe Wertschöpfung von Grund auf wiederhergestellt werden, um langfristig Risiken für Lieferengpässe zu minimieren“, sagt er. Vorschläge seien bisher von der Politik nicht aufgegriffen worden.

    Der stockende Nachschub bei Arzneien ist nicht erst seit der Coronavirus-Krise ein Problem. Lieferschwierigkeiten sorgen in Deutschland schon seit einiger Zeit für Schlagzeilen. Laut Apothekerverband Abda hat sich die Anzahl nicht verfügbarer Rabattarzneien von 4,7 Millionen Packungen 2017 auf 9,3 Millionen Packungen im Jahr 2018 fast verdoppelt.

    Grafik

    Über die Gründe für die Entwicklung gibt es Streit: Pharmafirmen machen dafür die Rabattverträge verantwortlich. Sie würden den Austausch von Medikamenten bei einem Engpass erschweren, heißt es.

    Krankenkassen sehen Lieferengpässe dagegen als weltweites Problem, das hauptsächlich auf Produktions- und Qualitätsprobleme seitens der Unternehmen zurückzuführen sei. Ein am Montag vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen vorgelegtes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass sich kein Zusammenhang mit Rabattverträgen herstellen lasse.

    Union und SPD wollen erste Maßnahmen gegen die Lieferprobleme in einem Gesetz beschließen. Händler und Pharmafirmen sollen drohende Engpässe bei versorgungsrelevanten Medikamenten künftig melden müssen.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will das Thema auch im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte auf die Agenda setzen. Ziel ist es, die Produktion von Wirkstoffen aus Ländern wie Indien oder China wieder stärker zurück nach Europa zu verlagern.

    Mehr: Gefahr aus Fernost: Das Coronavirus bedroht die globalen Lieferketten.

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    1 Kommentar zu "Folgen der Epidemie: In Europa droht ein Antibiotika-Engpass wegen des Coronavirus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Je nach Arbeitsbedingungen und Abwasserverunreinigung wird eine erhöhte Antibiotikabelastung der lokalen Bevölkerung vielleicht nicht auszuschließen sein. Könnte die Höhe der Todesrate der Coronainfizierten in Wuhan ursächlich mit einer Antibiotikaresistenz zusammenhängen?

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