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Foxconn-Fabrik

Das Unternehmen erwägt ein milliardenschweres Werk zu veräußern.

(Foto: Reuters)

Folgen des Handelsstreits Weg von der Werkbank China: Elektronikhersteller suchen alternative Standorte

Die Löhne in China steigen seit Jahren, nun verunsichert der Handelskonflikt. Elektronikhersteller reagieren darauf – und suchen zunehmend Alternativen zum Standort China.
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Peking, Düsseldorf Die Politiker streiten. Im Handelskonflikt zwischen den USA und China kämpfen beide Seiten seit Monaten um ihre Positionen. Erst kürzlich drohte US-Präsident Donald Trump damit, die Zölle auf chinesische Einfuhren weiter zu erhöhen, das chinesische Agrarministerium stoppte darauf Agrarimporte aus den USA. Im September wollen sich Vertreter beider Länder wieder zusammensetzen.

Die Unternehmen schaffen inzwischen Fakten. Etliche Elektronikhersteller haben beschlossen, mindestens einen Teil ihrer Fertigung aus China zu verlegen. Es gehe darum, „Produktionsrisiken zu minieren“, teilt etwa Nintendo kürzlich mit. Auch Apple und Google, Dell und Hewlett-Packard suchen Medienberichten zufolge nach alternativen Standorten. Und Foxconn plant laut jüngsten Medienberichten, eine Bildschirmfabrik zu verkaufen.

Die Pläne zeigen: China verliert als Werkbank der IT- und Elektronikindustrie an Anziehungskraft. Die Arbeitskosten, die in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind, lassen Unternehmen umdenken. Nun liefert die politische Unsicherheit weitere Argumente. Die Abhängigkeit dürfte indes bestehen bleiben – dafür will das Regime in Peking mit massiven Investitionen in die Fertigungsindustrie sorgen.

Wer die Arbeitsteilung der Unterhaltungselektronikindustrie verstehen will, muss nur auf die Rückseite eines iPhones gucken: „Designed by Apple in California – Assembled in China“ steht dort in Kleinbuchstaben. Der Konzern entwickelt die Geräte in seiner Zentrale, lässt sie aber in den Fabriken von Auftragsfertigern wie Foxconn und Pegatron montieren. Auch viele der Komponenten stammen aus der Region. Eine perfekt geölte Lieferkette sorgt dafür, dass sie just in time bereitstehen.

Doch dieses Modell steht offenbar auf dem Prüfstand. Apple lasse seine Zulieferer prüfen, was die Verlagerung von 15 bis 30 Prozent der Produktionskapazitäten von China in andere Länder Südostasiens koste, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ kürzlich.

Das Risiko, sich allein auf China zu verlassen, sei zu groß, erklärten demnach mehrere Personen, die in die Überlegungen eingeweiht waren. Unabhängig davon hat der iPhone-Konzern bereits begonnen, Smartphones aus Indien nach Europa zu liefern.

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Apple steht stellvertretend für viele andere. Einige Beispiele aus den vergangenen Wochen und Monaten: Die Google-Marke Nest plant Medienberichten zufolge, Produkte für den US-Markt in Taiwan und Malaysia zu fertigen. Gopro hat die Kameraproduktion bereits von China nach Mexiko verlagert. Hewlett-Packard und Dell wollen einen Teil ihrer PCs in Südostasien zusammenbauen lassen. Rund 50 Firmen zählt „Nikkei“.

Das jüngste Beispiel: Der taiwanische Auftragsfertiger Foxconn will Medienberichten zufolge eine neue Bildschirmfabrik in China wieder verkaufen. Der Konzern von Gründer Terry Gou suche derzeit Banken, die den Verkauf der Anlage organisieren sollen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters vor einigen Tagen unter Berufung auf Insider. Die Gespräche seien noch in einem frühen Stadium, der Preis stehe noch nicht fest. Neun Milliarden Dollar hatte das Projekt ursprünglich gekostet.

Viele Berichte sind noch vage, doch zusammen ergeben sie ein Bild: Die Elektronikindustrie sucht Alternativen zum Standort China, zumindest für einen Teil ihrer Produktion.

Der offensichtliche Grund – zumindest für viele Firmen, die Produkte in den USA verkaufen – ist der Handelskonflikt. Die US-Regierung hat Zölle auf zahlreiche Produkte aus China erlassen. Zuletzt kündigte Präsident Trump an, auf weitere Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar einen Aufschlag von zehn Prozent zu verlangen. Zudem setzte er die Elektronikhersteller ZTE und Huawei massiv unter Druck, angeblich aus Sorge um die nationale Sicherheit.

Gerade Unternehmen aus den USA reagieren darauf verunsichert. In einer Umfrage der amerikanischen Handelskammer in China erklärten rund 28 Prozent der Teilnehmer, dass sie Investitionen hinauszögern oder absagen. 19 Prozent wollen ihre Lieferkette anpassen und Komponenten außerhalb des Landes besorgen oder die Fertigung verlagern. Immerhin drei Prozent erwägen, den Markt ganz zu verlassen.

Was das kostet, zeigt sich am Beispiel Apple. Die für September angekündigten Zölle könnten beim Elektronikhersteller den Gewinn pro Aktie um 50 bis 75 Cent einbrechen lassen, schätzt die Bank of America. Falls der Konzern die Preise um zehn Prozent anhebe, dürfte die Nachfrage um 20 Prozent einbrechen, so die Analysten. Allerdings hat der Konzern seine Produkte in China zuletzt günstiger verkauft, um die Nachfrage zu stärken.

In China für China
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