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Ford, General Motors, Chrysler Wie der Chipmangel den US-Autobauern zusetzt

Ford, General Motors und Chrysler müssen ihre Produktion wegen der Engpässe drosseln. Das trifft die Konzerne mitten im Aufschwung der US-Wirtschaft.
05.05.2021 - 17:23 Uhr Kommentieren
Dank billionenschwerer Konjunkturhilfen sind die US-Verbraucher in Kauflaune. Quelle: Bloomberg
GM-Autohändler im Bundesstaat Illinois

Dank billionenschwerer Konjunkturhilfen sind die US-Verbraucher in Kauflaune.

(Foto: Bloomberg)

New York 190.000 Autos weniger als geplant hat der Opel-Mutterkonzern Stellantis im ersten Quartal produziert, weil es an wichtigen Chips fehlte. Das entspricht elf Prozent der eigentlich geplanten Produktion. Und in den kommenden Monaten wird der Autobauer, der aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA hervorgegangen ist, die Produktion weiter drosseln müssen. Das teilte das Management am Mittwoch bei der Vorlage seiner Quartalszahlen mit. 

Finanzchef Richard Palmer erwartet, dass das Problem auch noch im kommenden Jahr anhält. „Es wäre naiv zu glauben, dass es einfach verschwindet“, sagte er. Stellantis, das in den USA außer Jeep auch Autos der Marken Chrysler, Dodge und Ram baut, ist der dritte große Hersteller aus Detroit, der mit seinen Zahlen auch einen Einblick gegeben hat, wie sehr der Halbleitermangel den US-Herstellern zusetzt. 

Zuvor warnten bereits Ford und General Motors (GM), dass sie ihre Produktion wegen des Chipmangels drastisch drosseln werden. Für die gesamte Autobranche entwickelt sich die Knappheit zum größten Hindernis bei der Erholung nach der Coronakrise. Für Deutschland senkte der Branchenverband VDA am Mittwoch seine Prognose für das laufende Jahr um 200.000 Fahrzeuge.

David Tesher von der Ratingagentur Standard & Poor’s rechnet vor, dass die Autoindustrie weltweit in diesem Jahr drei Millionen weniger Autos produzieren könnte. Der Verband Alliance for Auto Innovation hat bereits gewarnt, dass allein in den USA 1,28 Millionen weniger Autos als geplant aus den Werken kommen könnten. Laut Daten der Fachzeitung „Automotive News“ hat der Chipmangel schon jetzt dafür gesorgt, dass in Nordamerika 121.000 Autos weniger produziert werden.

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    Gerade die USA trifft dieser Produktionsengpass mitten im Wirtschaftsaufschwung empfindlich. Dank der erfolgreichen Corona-Impfkampagne und billionenschweren Hilfspaketen der Regierung haben die Verbraucher eigentlich so viel Geld zur Verfügung wie lange nicht mehr – und wollen das auch ausgeben.

    Ford und GM konzentrieren sich auf SUVs und Pick-ups

    „Während die Corona-Einschränkungen zurückgefahren werden, bringt die aufgestaute Nachfrage der Konsumenten die Autoverkäufe zurück auf das Prä-Covid-Niveau und höher“, schreibt Emmanuel Rosner, Analyst der Deutschen Bank.

    Doch nun besteht die Gefahr, dass die Autokonzerne nicht liefern können. Präsident Joe Biden hatte deshalb bereits im April eigens ein Spitzentreffen mit den Chefs der Autokonzerne und anderer Unternehmen einberufen und Milliardenhilfen für die Chipbranche versprochen.

    Ford-Chef Jim Farley warnte in der vergangenen Woche, dass der US-Konzern die Produktion wegen des Chipmangels im zweiten Quartal um 50 Prozent drosseln wird. Auch in den Werken Köln und Saarlouis stehen deshalb die Bänder zeitweise still.

    Im ersten Quartal hat Ford bereits wegen des Chipmangels 14 Prozent weniger Autos ausgeliefert als ursprünglich geplant. „Das zweite Quartal wird der Tiefpunkt des Halbleitermangels sein“, sagte Farley gegenüber Analysten. Die Auswirkungen würden aber sicher auch noch in der zweiten Jahreshälfte und vielleicht bis 2022 spürbar sein.

    Ford hat dabei ebenso wie Stellantis besonders Pech: Zusätzlich zu der ohnehin schon knappen Ausgangslage wurde ihr japanischer Zulieferer Renesas durch ein Feuer in einer Fabrik geschädigt.

    Aber auch General Motors (GM) ist stark getroffen. Laut „Automotive News“ hat der Chipmangel in Nordamerika schon jetzt dafür gesorgt, dass GM 80.000 weniger Autos produziert hat. Der Konzern hat bereits verschiedene Fabriken geschlossen und teilte mit, man werde eng mit Chip-Zulieferern arbeiten, um „den kurzfristigen Schaden abzufedern“.

    Außerdem will sich GM-Chefin Mary Barra auf die beliebtesten und margenträchtigen SUVs und Pick-ups konzentrieren. Bei Modellen wie dem Chevy Silverado und dem GMC Sierra verzichtet GM auf bestimmte Features, die Sprit sparen, indem sie je nach Nutzung automatisch Zylinder abschalten.

    Der US-Autobauer will sich auf die beliebtesten und margenträchtigen SUVs und Pick-ups konzentrieren. Quelle: Reuters
    GM-Chefin Mary Barra

    Der US-Autobauer will sich auf die beliebtesten und margenträchtigen SUVs und Pick-ups konzentrieren.

    (Foto: Reuters)

    Auch Ford baut seinen beliebten Pick-up F-150 mit weniger Technologie. Konzernchef Jim Farley will aus dem Halbleitermangel generell Konsequenzen ziehen: „Wir lernen, dass wir in Zukunft ein effizienteres Unternehmen sein müssen“, sagte er. Eine große Marke wie Ford müsse vertikal integriert sein und weniger abhängig von Zulieferern.

    In diese Strategie passt auch das neue Batteriezentrum, das Ford ebenfalls vergangene Woche vorgestellt hat. Zusammen mit LG Chem investiert Ford 2,3 Milliarden Dollar in eine Fabrik in Ohio, die die Batterien für Hunderttausende Elektroautos pro Jahr liefern soll.

    Noch ist der Chipmangel allerdings nicht in den Bilanzen angekommen. GM verdiente im abgelaufenen Quartal unter dem Strich mit drei Milliarden Dollar rund zehnmal so viel wie vor Jahresfrist. Der Umsatz sank leicht auf 32,5 Milliarden Dollar. Konkurrent Stellantis steigert den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 37 Milliarden Euro.

    Zudem können die US-Hersteller angesichts der Produktionsprobleme und der hohen Nachfrage höhere Preise verlangen: „Wenn wir nach vorn schauen, erwarten wir, dass die Autobauer ihre Sonderangebote angesichts des geringen Inventars zurückfahren, insbesondere wegen der Produktionsunterbrechungen aufgrund des Chipmangels“, schreibt der Deutsche-Bank-Analyst Rosner.

    Mehr: Automarkt wächst im April stark gegenüber schwachem Vorjahresmonat

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