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Ford, General Motors, Fiat-Chrysler US-Autobauer profitieren vom SUV-Boom – doch die Sorgen in China wachsen

Die großen US-Autobauer verdienen weiter viel Geld mit Spritfressern. Doch der Investitionsbedarf steigt – und das Geschäft in China schwächelt.
Update: 07.02.2019 - 19:25 Uhr Kommentieren
Große Pick-ups wie der Rubicon sind in den USA nach wie vor gefragt. Quelle: AP
Jeep ist der Gewinnbringer von FCA

Große Pick-ups wie der Rubicon sind in den USA nach wie vor gefragt.

(Foto: AP)

New YorkEnttäuschung und Jubel – die „Big Three“, wie die drei US-Autokonzerne aus der Gegend um Detroit genannt werden, sorgen derzeit für ein Wechselbad der Gefühle bei Investoren, Mitarbeitern und Partnern. Nach Ford und General Motors (GM) hat am Donnerstag Fiat Chrysler (FCA) solide Zahlen vorgelegt. Mit seiner Prognose für das erste Jahr ganz ohne Sergio Marchionne erschreckte der Autobauer jedoch den Markt.

Die Lage der drei Konzerne könnte kaum unterschiedlicher sein: GM hat bereits im November ohne große Not ein weitreichendes Restrukturierungsprogramm verkündet und profitiert davon schon jetzt. Ford dagegen hat seine Stellenstreichungen und Werksschließungen nach monatelangem Hadern grob skizziert, während der Konzern Verluste schreibt und nur noch in den USA Geld verdient. Fiat Chrysler plant keine großen Restrukturierungen, warnt aber vor einem schwierigen Jahr 2019.

Sie alle eint im Guten wie im Schlechten das boomende Geschäft mit spritschluckenden SUVs und Pick-ups und die Probleme in Fernost. Bei den drei US-Autobauern hat das Geschäft in China enttäuscht und verdüstert die Aussichten für das Jahr 2019.

„Wir wurden von dem Einbruch in China in der zweiten Jahreshälfte überrascht“, räumte auch FCA-Chef Michael Manley ein. Manley steht seit dem vergangenen Sommer an der Spitze des italo-amerikanischen Autobauers, nachdem Konzernpatriarch Sergio Marchionne überraschend verstorben war.

Manley hat ein schweres Erbe angetreten. Schließlich hatte Marchionne Chrysler einst mit Fiat vor der Pleite gerettet und wieder auf die Beine gestellt. Außerdem hatte er bis 2020 ein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebit) zwischen 9,2 und 10,4 Milliarden Euro prognostiziert. Beobachter wollen nun wissen, ob Manley das Versprechen halten kann.

Rückkehr zur Dividende

Manley konnte durchaus Erfolge vorzeigen: Anders als etwa bei Ford steht bei Fiat ein deutliches Plus vor dem Quartals- und dem Jahresergebnis: 2018 fuhr FCA ein bereinigtes Betriebsergebnis von 7,3 Milliarden Euro ein. Dank dieses Rekordgewinns hat das Unternehmen seit der Rettung zum ersten Mal wieder einen positiven Cashflow. Es kommt also mehr Geld rein als rausgeht. Daher zahlt das Unternehmen auch „zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt wieder eine Dividende“, wie Manley betonte.

Sorgen bei Investoren löste aber die Prognose für das laufende Jahr aus, dass der operative Gewinn – ohne die verkaufte Tochter Magneti Marelli – nur bei 6,7 Milliarden Euro liegen soll. Analysten hatten mit 7,3 Milliarden Euro gerechnet.

Wegen Investitionen und Kosten für die Beilegung des Abgasstreits in den USA wird wohl auch der Barmittelzufluss mit 1,5 Milliarden Euro deutlich unter den 4,4 Milliarden Euro liegen, die Ende 2018 in den Büchern standen.

Das Ergebnis sei „okay“ gewesen, aber die Prognose habe in allen wichtigen Punkten enttäuscht, schreibt Auto-Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore. Die Aktie verlor am Donnerstag um zwischenzeitlich zwölf Prozent.

Die Herausforderungen sind für alle drei Konzerne gleich: Weltweit geht der Trend hin zu Elektroautos, zum autonomen Fahren und vor allem in den Städten auch weg vom Besitz eines eigenen Autos. Aber wie die Unternehmen die Herausforderungen angehen, ist äußerst unterschiedlich.

Fiat-Chrysler hat unter Marchionne bewusst eine abwartende Haltung bei den neuen Technologien eingenommen und lediglich mit der Google-Schwester Waymo zusammengearbeitet. „Die Partnerschaft wollen wir weiter ausbauen“, sagte Manley am Donnerstag. „Wir sind auch in Europa offen für Kollaborationen, um die Kosten zu senken“, ergänzte der FCA-Chef.

Auch Ford ist das Thema E-Mobilität und autonomes Fahren erst spät angegangen und hat jüngst eine globale Allianz mit Volkswagen verkündet. Beide wollen zunächst bei leichten Nutzfahrzeugen kooperieren. Später soll die Zusammenarbeit auch auf autonomes Fahren und Elektromobilität ausgeweitet werden. Aus einem anderen Bereich – dem Ridesharing, hat Ford sich dagegen komplett zurückgezogen und den Mitfahrdienst Chariot eingestellt.

Das Geld bei Ford soll nun vor allem in aktuelle Erfolgsmodell gesteckt werden – vor allem in SUVs. Der zweitgrößte US-Autobauer kündigte am Donnerstag an, eine Milliarde Dollar (880 Millionen Euro) in den Ausbau zweier Werke in Chicago zu stecken und dort rund 500 neue Jobs zu schaffen.

Die Fertigungsstätten sollen ab März für die Produktion der neuen Modellversionen des Ford Explorers und des Lincoln Aviators sowie des Polizeiwagens Interceptor umgerüstet werden. Ford folgt damit seiner Strategie hin zu größeren Sportgeländewagen, die bei US-Kunden hoch im Kurs stehen und wegen höherer Gewinnspannen lukrativer sind.

GM-Chefin Mary Barra dagegen setzt weiter auf Zukunftstechnologien. Im Silicon Valley hat GM mit „Cruise“ eine eigene Tochter für autonomes Fahren gegründet, in die auch Softbank und Honda investiert haben. Cruise ist jedoch ein teures Projekt: 2018 hat GM dort 728 Millionen Dollar verloren, und Barra rechnet damit, dass Cruise eine Milliarde pro Jahr kosten wird.

Auch die E-Autos werden laut Barra erst Anfang des kommenden Jahrzehnts profitabel sein. Dank eines drastischen Sparkurses und des Abbaus von 14 000 Stellen will GM dennoch den Gewinn im laufenden Jahr steigern.

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