Ford US-Autobauer prüft Pläne für neues E-Auto

Für die Deutsche Post produziert Ford bereits den elektronischen Streetscooter. Nun prüft der US-Autobauer die Möglichkeit zum Bau eines eigenen E-Autos für den Massenmarkt – doch es gibt ein entscheidendes Problem.
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Ford: US-Autobauer prüft Pläne für neues E-Auto Quelle: obs
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Auch in Köln wird überlegt, wie die Zukunft der Autoproduktion auszusehen hat.

(Foto: obs)

HamburgNach dem Erfolg des für die Deutsche Post entwickelten Streetscooter erwägt der Autoriese Ford nun auch selbst den Bau eines Elektrofahrzeugs. „Wir gucken uns das im Detail an und überlegen gemeinsam, ob man die Stückzahlen erhöhen kann“, sagte Gunnar Herrmann, Chef der Kölner Ford-Werke der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. „Es geht darum, ob wir das für einen großen Tanker wie uns übernehmen können.“ Seitdem Ford die Zusammenarbeit mit Streetscooter bekanntgegeben habe, der den gleichnamigen Elektrotransporter für die Post baut, bekomme der Konzern Anfragen aus der ganzen Welt. „Der Bedarf existiert also. Man muss jetzt gucken, wie man dieses Geschäftsmodell in eine andere Größenordnung bekommen kann.“

Die Post und der US-Konzern haben bereits den Transporter Streetscooter Work XL zusammen entwickelt. Damit erweitert der Elektrofahrzeug-Hersteller der Post seine Modellpalette auf drei Typen. Im nächsten Jahr soll eine zweite Fabrik eröffnet werden. Mittelfristig will die Post die gesamte Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen durch Elektro-Wagen ersetzen. Streetscooter verkauft die Transporter auch an Kunden aus Kommunen oder der Wirtschaft.

Wie Post und Ford E-Transporter auf die Straße bringen
Rekordverdächtig
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Gefühlt war es erst gestern, dass die Deutsche Post zur Produktion von Elektrofahrzeugen eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Autobauer Ford ankündigte. Nach einer Entwicklungszeit von nur zwei Monaten wurde nun ein erstes Ergebnis präsentiert: Der StreetScooter Work XL. Nicht nur Post-Vorstand Jürgen Gerdes (r.) ist sichtlich zufrieden mit dem E-Transporter, auch Ford-Europachef Steven Armstrong ist von dem Ergebnis „begeistert“ – und wünscht sich prompt eine Vertiefung des Bündnisses mit der Post. „Wir würden gerne eine engere Kooperation prüfen“, sagte Armstrong bei der Vorstellung des neuen Gefährts.

Groß wie nie
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Nach zwei kleineren Modellen ist nun auch der posttypische Transporter elektrifiziert. Basierend auf dem Fahrgestell des Ford Transit umfasst das Fahrzeug ein Ladevolumen von 1350 Kilogramm (oder rund 200 Paketen) und schafft eine Reichweite von 200 Kilometern.

Klare Aufteilung
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Der US-amerikanische Autobauer ist verantwortlich für das Chassis, um die Technik kümmert sich die Post. Sowohl der batterieelektrische Antriebsstrang als auch der Karosserieaufbau entstand nach Vorgabe des Logistikkonzerns.

Die Umwelt dankt
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Nach Post-Vorstand Gerdes könne das neue Modell pro Jahr bis zu 5 Tonnen CO2 oder 1900 Liter Diesel einsparen. Die während des Diesel-Skandals aufgekeimte Diskussion füllt zudem die Auftragsbücher der Post. Es bestehe eine „gewaltige“ Nachfrage.

Ziel
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Noch in diesem Jahr sollen 150 Work XL als Vorserienfahrzeuge ihren Dienst aufnehmen. Im Laufe des kommenden Jahres soll der Fuhrpark dann auf 2500 Transporter anwachsen. Zudem plant der Elektrofahrzeug-Hersteller der Post bereits den Bau einer neuen Fabrik. Dort sollen dann bis zu 30.000 Fahrzeuge pro Jahr vom Band rollen.

Erfolgreicher Vertrieb
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Der Transporter ist bereits das dritte Model der E-Fahrzeug-Reihe der Post. Während der Work XL vorerst auf absehbare Zeit von der Post selbst beansprucht wird, vertreibt die Post die beiden kleineren Modelle auch an Dritte – zurzeit vor allem an Gewerbetreibende. Und das Geschäft mit den kleineren Scootern läuft ausgezeichnet. „Wir sind quasi ausverkauft“, sagte StreetScooter-Chef Achim Kampker.

50.000 Elektro-Wagen
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Die Deutsche Post will nach den Worten von Post-Chef Frank Appel bis 2050 die komplette Brief- und Paketzustellflotte von knapp 50.000 Fahrzeugen durch Elektro-Wagen ersetzen. Dem aktuellen Tempo der Produktion nach zu urteilen, scheint das Ziel „Null CO2“ im Rahmen des Möglichen zu liegen. In den Städten und auf dem Land müssen sich die Bewohner künftig wohl auf leise surrende, sonnengelbe Flitzer und Transporter einstellen.

Herrmann sagte, die Chancen zum Bau eines solchen Fahrzeugs auch bei Ford würden derzeit ausgelotet. „Wenn wir unsere normalen Produktionsprozesse anwenden würden, wäre das allerdings schwierig. Man muss Kreativität entwickeln und eine andere Sichtweise einnehmen. E-Autos werden ihren Durchbruch nur erleben, wenn wir extrem kostengünstig produzieren und die Fahrzeuge günstig anbieten können.“

Der Ford-Werke-Chef erinnerte daran, dass die Automobilindustrie zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts schon einmal einen tiefgreifenden Wandel durchlebt habe. 1908 führte Ford mit dem Model T (auch Tin Lizzie) die Fließbandproduktion ein und lieferte damit die Grundlage für die Massenproduktion von Autos. Auch heute werden Fahrzeuge – wenn auch in großen Teilen automatisiert und sehr viel ausgeklügelter als damals – nach diesem Prinzip gebaut. Nötig wäre ein vergleichbarer Produktivitätssprung wie damals, um Elektroautos zu erschwinglichen Preisen anbieten zu können.

„Da liegt der Schlüssel für die Elektromobilität“, sagte Herrmann. „Wer das zuerst löst, wird das Rennen gewinnen.“ Die Elektroautos, die die Hersteller jüngst auf der Automesse IAA in Frankfurt gezeigt hätten, seien dagegen Premiumprodukte, die sich die Masse der Käufer nicht leisten könne. Gefragt seien einfachere Fahrzeuge zu Preisen um die 20.000 Euro, wie die Massenhersteller sie derzeit mit herkömmlichem Verbrennungsmotor im Angebot haben. „Da muss in Zukunft auch ein Elektroauto hin, das technologisch sehr teure Elemente enthält.“

Der Elektroauto-Bauer Tesla etwa bietet sein Model 3 für umgerechnet knapp 30.000 Euro an. Volkswagen will seine Elektroautos, die ab 2020 auf den Markt kommen sollen, zu Preisen wie ein vergleichbar ausgestatteter Wagen mit Benzin- oder Dieselmotor verkaufen.

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