Forderung an GM PSA will angeblich Geld für Opel zurück

Seit vier Monaten gehört Opel dem Autobauer PSA. Doch die Franzosen fühlen sich laut einem Bericht von Ex-Eigentümer General Motors übervorteilt – und fordern nun angeblich rund die Hälfte des Kaufpreises zurück.
Update: 29.11.2017 - 16:40 Uhr 3 Kommentare
GM: PSA will beim Opel-Kauf angeblich Geld zurück Quelle: Reuters
Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Die neue Konzernmutter PSA will angeblich rund die Hälfte des Kaufpreises von GM zurück.

(Foto: Reuters)

ParisBöses Erwachen bei den Franzosen: Rund vier Monate nach der Opel-Übernahme will der Autobauer PSA Peugeot Citroen Insidern zufolge rund die Hälfte des Kaufpreises vom früheren Eigner General Motors zurück. PSA sei jetzt in vollem Ausmaß klar geworden, wie schwer es für Opel werde, die absehbar strengeren Abgasvorschriften in Europa einzuhalten und so Millionenstrafen zu vermeiden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere mit der Situation vertrauten Personen.

Deshalb fordere PSA von den Amerikanern mehr als 500 Millionen Euro zurück. Einer der Insider sprach von 600 bis 800 Millionen Euro. Bezahlt hatten die Franzosen rund 1,3 Milliarden Euro. Rechtliche Schritte sind den Angaben zufolge nicht ausgeschlossen. Die drei Autobauer lehnten eine Stellungnahme ab.

PSA hatte den chronisch defizitären Rüsselsheimer Autobauer Opel im Sommer übernommen - mit dem Ziel, die Marke mit dem Blitz bis spätestens 2020 in die schwarzen Zahlen zu führen.

Wie wenig Opel noch in Opel ist
Opel Adam
1 von 11

Werk: Eisenach
Plattform: GM-SCCS (Small Common Components and Systems), 2005 von Opel und Fiat gemeinsam entwickelt
Schwestermodelle: Opel Corsa D/E, Alfa Romeo MiTo, Fiat Qubo, Fiat Grande Punto (in einer Abwandlung der Plattform auch der Jeep Renegade, Fiat 500X und Fiat 500L)

Opel Karl
2 von 11

Werk: Changwon (Südkorea)
Plattform: GM Gamma II
Schwestermodelle: Opel Mokka, Chevrolet Spark, Chevrolet Aveo, Chevrolet Trax

Opel Corsa E
3 von 11

Werk: Eisenach und Saragossa (Spanien)
Plattform: GM-SCCS (Small Common Components and Systems), 2005 von Opel und Fiat gemeinsam entwickelt
Schwestermodelle: Opel Corsa D, Opel Adam, Alfa Romeo MiTo, Fiat Qubo, Fiat Grande Punto (in einer Abwandlung der Plattform auch der Jeep Renegade, Fiat 500X und Fiat 500L)

Opel Mokka
4 von 11

Werk: Bupyeong-gu (Südkorea) und Saragossa (Spanien)
Plattform: GM Gamma II
Schwestermodelle: Opel Karl, Chevrolet Spark, Chevrolet Aveo, Chevrolet Trax

Opel Ampera-e
5 von 11

Werk: Orion (USA)
Plattform: GM BEV II
Schwestermodelle: Chevrolet Bolt

Opel Astra K
6 von 11

Werk: Ellesmere Port (England) und Gliwice (Polen)
Plattform: GM D2XX, eine Weiterentwicklung der Delta-Plattform
Schwestermodelle: Chevrolet Cruze, Chevrolet Volt, Buick Envision, Buick Verano (für den chinesischen Markt), GMC Terrain, Chevrolet Equinox

Opel Cascada
7 von 11

Werk: Gliwice (Polen)
Plattform: GM Delta II, Vorgänger der D2XX-Plattform
Schwestermodelle: Opel Astra J, Opel Zafira Tourer, Opel Ampera, Chevrolet Volt, Chevrolet Orlando, Cadillac ELR

Der für ebenso harte wie erfolgreiche Sanierungsschritte bekannte PSA-Chef Carlos Tavares will die Kosten unter anderem durch eine Vereinheitlichung der Fahrzeug-Architekturen senken und den Absatz durch neue, gemeinsam entwickelte Modelle ankurbeln. Nachholbedarf hat Opel vor allem bei der Umstellung auf Elektro- und Hybridautos.

Angesichts von Dieselkrise und strenger werdenden CO2-Vorschriften haben die meisten Hersteller zuletzt bei der Elektromobilität kräftig Gas gegeben und eine Fülle neuer Modelle angekündigt. Volkswagen beispielsweise will bis zum Jahr 2025 Weltmarktführer bei E-Autos werden und investiert mehr als 70 Milliarden Euro in saubere Fahrzeuge.

Verluste eingepreist?

Zwei Insider sagten nun, PSA sehe sich getäuscht, was die Abgasstrategie von Opel angeht. Die Franzosen hatten bereits angekündigt, dass sie den Rüsselsheimer Autobauer schneller als ursprünglich geplant auf ihre eigene, verbrauchsärmere Technologie umstellen müssten, um die CO2-Ziele zu erreichen. Zwei Insider schilderten aber eine der unschönen Überraschungen für PSA: Opel habe einen Plan zur Einhaltung der Abgasvorschriften verfolgt, der auf hohen Absatzzahlen des Elektroautos Ampera-e basiert habe - bei einem Verlust von annähernd 10.000 Euro pro verkauftem Fahrzeug. „Ihre technische Lösung war unrentabel und hätte zu enormen Verlusten geführt“, sagte ein Insider. Stoppe man allerdings die Produktion des E-Modells, „explodieren die Abgaswerte der Flotte“.

PSA geht den Insidern zufolge davon aus, dass GM während der Verkaufsverhandlungen Opels Probleme beim Thema CO2 falsch dargestellt hat. Die Franzosen hätten den Amerikanern deshalb mitgeteilt, dass sie mehr als eine halbe Milliarde Euro zurückfordern wollten. Entsprechende rechtliche Schritte seien beabsichtigt. Die beiden Unternehmen hätten über das Thema gesprochen.

„Die Firma fährt bei CO2-Zielen an die Wand“

PSA-Chef Tavares hatte bereits Anfang November, als er den Sanierungsplan für Opel präsentierte, darauf hingewiesen, dass sich ungeahnte Probleme auftun: „Uns ist ein paar Wochen nach Abschluss des Deals klar geworden, dass die Firma bei den CO2-Zielen an die Wand fährt“, sagte er. Opel sei „in einer dramatischen Lage“ und schaffe es derzeit nicht, das Ziel von 95 Gramm je Kilometer zu erreichen. Ein Verfehlen der Abgasvorschriften bedrohe die Existenz des Autobauers, sagte Tavares.

„Wir haben etwas, was die Deutschen nicht haben“
„Planung sind fünf Prozent, die Umsetzung sind 95 Prozent“
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PSA-Chef Carlos Tavares erklärt den Opel-Mitarbeitern, warum die Sanierung mit dem Zukunftsplan „Pace“ gerade erst begonnen hat.

„Der Status quo ist keine Option“
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Opel muss sich rundherum verändern, ist der PSA-Chef überzeugt. „Der beste Weg, unser Unternehmen und unsere Belegschaft zu schützen, ist, profitabel zu sein. Das müssen alle verstehen.“

„Eine optimale Konstellation der Sterne währt nie lange“
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Tavares bereitet sich schon auf die Krisen der Zukunft vor: „Wenn gerade alles gut läuft, passiert als Nächstes meistens etwas sehr Schlimmes.“

„Bist du wirklich ein guter Manager, wenn du keine Resultate lieferst?“
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Im Interview mit der „Welt“ verteilt Tavares Seitenhiebe auf Opels Ex-Chef Karl-Thomas Neumann (links). „Es muss ja nicht jeder Direktor oder Vorstandsvorsitzender in seinem Leben sein“, sagt er weiter.

„Als junge Führungskraft neigt man in manchen Situationen dazu, etwas zu rabiat zu sein...“
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„...Das bringt natürlich gar nichts. Inzwischen habe ich gelernt, die Gefühle der Menschen zu lesen, ihre Körpersprache zu verstehen und mich so besser auf sie einzustellen.“ Tavares im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ über seine persönliche Entwicklung.

„Die unpopulären Führer von heute werden die Helden von morgen sein.“
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Tavares hat keine Angst, sich bei der Unternehmensführung unbeliebt zu machen.

„Das einzige, was schützt, ist Leistung.“
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Tavares will Opel wie schon PSA auf Effizienz trimmen.

Erreicht ein Hersteller die CO2-Ziele nicht, laufen schnell Hunderte Millionen Euro an Strafzahlungen auf. Die EU-Kommission hatte erst Anfang des Monats eine weitere Absenkung der Grenzwerte um 30 Prozent bis 2030 gefordert. Den Insidern zufolge könnte Opel die CO2-Ziele um mehr als zehn Gramm verfehlen - weit mehr, als die „leichte Überschreitung“, von der in den Verkaufsverhandlungen die Rede gewesen sei. Für den Fall, dass Opel soweit über den Grenzwerten läge, drohten Strafen von fast einer Milliarde Euro.

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3 Kommentare zu "Forderung an GM: PSA will angeblich Geld für Opel zurück"

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  • Wollte GM von Opel nicht Lizenzgebühren plötzlich für den e-Ampera haben? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass GM aus heiterem Himmel "nachverhandelt" , obwohl das Geschäft schon abgeschlossen war - und jetzt gibt Peugeot eine vernünftige Antwort. Das französische Management lässt sich nicht so einfach an der Nase herumführen! Es erscheint mir als eine korrekte Forderung.

  • Wenn Peugeot die Hälfte des Autopreises zurückzahlt weil ihre Autos unsauber sind dann kann später GM für Opel das auch tun.

  • Ich vermute es handelt sich um ein taktisches Spiel.

    Die EU Abgasrichtlinien sind PSA bestens bekannt. Die Modellpalette von Opel und deren Absatzzahlen aus den Zulassungszahlen gleichfalls. Insofern ist der Vorstoss etwas erstaunlich.

    Sinnvoller wäre es für PSA bezüglich der abwegigen Verbrauchsvorschriften der EU zu lobbyieren.

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